Über die Mosel und nicht zurück

Über die Mosel und nicht zurück

ZEWEN. Zewen ohne Vereine ist ebenso wenig vorstellbar wie das Vereinsleben ohne Erwin Müller. Obwohl der 71-Jährige in Könen geboren wurde und aufwuchs, ist für ihn eine Rückkehr auf die andere Moselseite ausgeschlossen.

"Hier sind meine Freunde und Bekannten, meine ganze Freizeit spielt sich hier ab", sagt Erwin Müller, nimmt eine kräftige Prise Schnupftabak und lacht. "Den Anschluss an Könen habe ich seit mehr als 50 Jahren verloren." Nach Zewen hat es ihn Mitte der 50er-Jahre verschlagen. Damals lernte er seine Frau kennen. "Eine Ur-Zewener Familie, in die ich da eingeheiratet habe", sagt Müller. Er verließ seinen Heimatort und "folgte der Liebe nach Zewen". Musikverein und "Florida Brothers"

Seine Eltern hatten es ihm als Zwölfjährigen ermöglicht, in Könen im Musikverein ein Instrument zu lernen. Später hatte er auch Kontakte zum Zewener Musikverein, wurde auch dort 1952 Mitglied. Mit anderen Jugendlichen gründete er eine eigene Tanzkapelle, die "Florida Brothers". Müller spielte als musikalisches Multitalent an Klarinette, Saxophon und Elektrobass. "Wir hatten damals überhaupt keine Probleme, Engagements zu kriegen", die "Florida-Brüder" seien in Hermeskeil, Reinsfeld, Nittel und in Luxemburg aufgetreten. Sie machten die Region mit Rock ’n’ Roll, Big Band-Stücken und Schlagern unsicher, ließen Mädchenherzen höher schlagen, obwohl "wir in unserem Können begrenzt waren". Sein damaliger Musiklehrer habe ihn "trimmen" wollen, damit er Mitglied im Heeresmusikkorps in Koblenz werden würde. "Aber das war nicht mein Ding. Ich bin sehr heimatverbunden, wollte nicht hier weg, und mein Bestreben war es immer, die Musik als Hobby zu betreiben." So war ihm der Weg ins ehrenamtliche Vereinsleben geöffnet. Er übernahm die Jugendausbildung und den Posten als Kassierer im Zewener Musikverein. Kümmerte sich darum, neue Konzepte zu entwickeln und junge Leute für den Verein zu interessieren. "Durch die viele Arbeit, die man da hineingesteckt hat, hängt natürlich ein Stück Herz daran", sagt der 71-Jährige. Stolz ist Müller auf den Ehrenbrief des rheinland-pfälzischen Landesmusikverbandes und einen silbernen, gravierten Becher, den ihm der damalige Kulturdezernent Walter Blankenburg überreichte. Als vor mehr als 25 Jahren die Pavillongemeinschaft mit dem Ziel gegründet wurde, den alten Heiligkreuzer Schulpavillon als Vereinsheim in der Fröbelstraße zu errichten, fehlte Müller nicht, wurde dort Kassierer. Der Ehrenämter damit nicht genug, steht der aktive Zewener seit mehr als 20 Jahren dem Kulturring vor, der als Dachorganisation aller Zewener Vereine die Koordination von Festen wie der Sommerkirmes, des Martinszuges oder des Karnevalsumzuges übernommen hat. Seine Aufgabe im Kulturring sehe er darin, die Mitglieder "zu motivieren, auch noch etwas anderes zu tun als in ihren Stammvereinen". Ein Anker für die Familie

Im Privaten ist er seiner Frau und seinen drei Kindern ein verlässlicher Partner und Anker. "Es liegt mir viel daran, meine Familie um mich zu haben." Dass sein Engagement auf die Kinder abfärbte, verwundert deswegen nicht. Sein Sohn ist Vorsitzender des Musikvereins, die beiden Töchter sind in Vereinen und Gewerkschaft aktiv. Seine nächsten Aktivitäten hat Müller schon im Kalender eingetragen. Denn in jedem Jahr feiern die Zewener am ersten Juli-Wochenende die Sommerkirmes und im nächsten Jahr gibt es ein großes Fest zum 100-jährigen Jubiläum des Musikvereins, dessen Geschichte auch ein Stück der Lebensgeschichte Müllers ist.