Über die Wildbrücke nach Klausen

Über die Wildbrücke nach Klausen

WITTLICH. Ein großes Projekt wirft seine Schatten voraus: Die Wildbrücke, die über die B 50 neu beim Autobahnkreuz Wittlich entsteht, darf auch von Pilgern genutzt werden. Dafür hat sich Willi Waxweiler, Kulturwart des Eifelvereins Wittlich, eingesetzt. Vorteil für die Pilger: Der Weg zur Wallfahrtskirche Klausen wird kürzer.

Beim Wildbrücken-Bau über die A 1 beim Autobahnkreuz Wittlich ist bald Halbzeit: Mitte April soll die Brücke, die die erste ihrer Art in der Region Trier ist, zur Hälfte stehen. Für Autofahrer bedeutet das: Die Fahrspur wird gewechselt und der Verkehr einspurig unter dem Brückenfragment durch rollen, während auf der Fahrspur Richtung Trier die zweite Brückenhälfte entsteht.

Während sich die Konturen der ersten Wildbrücke bereits deutlich in die Landschaft eingegraben haben, entsteht in direkter Nachbarschaft die zweite Wildbrücke, die auch Pilger nutzen dürfen: Sie soll später über die B 50 neu führen, die beim Autobahnkreuz an die A 60 anschließt (siehe Grafik). Von der neuen Bundesstraße ist auf dem Gelände noch ebenso wenig zu sehen wie von der Wildbrücke. Nur roter Sandstein, so weit das Auge reicht. Gebaut wird an der zweiten Wildbrücke aber bereits seit Herbst vergangenen Jahres (der TV berichtete). "Im Moment sind wir mit den Fundamentarbeiten beschäftigt", sagt Gottfried Schiff, Leiter der Bauüberwachung des Landesbetriebs Mobilität Trier (LBM).

Anders als die Wildbrücke über die A 1, die als "Rahmenbrücke" konzipiert ist, entsteht über der B 50 neu eine Bogenbrücke. Sie soll 30 Meter breit, 70 Meter lang und zehn Meter hoch werden. "Da die B 50 neu an dieser Stelle in einer Mulde verläuft, können wir dort in Bogenbrücken-Technik arbeiten, was bei der Wildbrücke über die A 1 wegen der Topografie nicht möglich war", erklärt Schiff. Die Kosten von rund zwei Millionen Euro trägt der Bund, da diese Wildbrücke wie ihre Nachbarbrücke über die A 1 eine Ausgleichsmaßname für die neue Bundesstraße ist.

Während Experten vor Ort den Sinn dieser beiden Wildbrücken massiv anzweifeln (der TV berichtete mehrfach), freut sich Willi Waxweiler, Kulturwart der Wittlicher Ortsgruppe des Eifelvereins, über die Zusage des Landesbetriebs, dass somit auch Pilger über die B 50 neu kommen.

30 Meter fürs liebe Vieh, zwei Meter für die Pilger

Ohne die Brücke müssten die Gläubigen - spätestens, wenn die B 50 neu in Betrieb ist - weite Umwege in Kauf nehmen, um zur Wallfahrtskirche nach Klausen oder nach St. Matthias in Trier zu kommen. "Der Wunsch nach einem Pilgerweg über die Wildbrücke wird in der Ausführungsplanung berücksichtigt", bestätigt Roland Janca vom LBM Trier. Ergebnis: Neben der Wildbrücke wird ein etwa zwei Meter breiter Fußweg geführt. "Die Pilger sind dann wahrscheinlich die einzigen Lebewesen, die die Brücke nutzen werden", sagt Hermann Bornmüller, pensionierter Forstamtsleiter aus Wittlich, der die Wildbrücken beim Autobahnkreuz so nötig findet "wie einen Supermarkt in der Sahara" und sich zusammen mit anderen Naturschützern für eine Wildbrücke bei Greimerath einsetzt (der TV berichtete mehrfach).

Ende 2007 soll Brücken-Rohbau stehen

Bornmüller, der den "Wildpark" beim Autobahnkreuz für überflüssig hält, fragt: "Wo sollen die Tiere denn hin, wenn sie über die Brücke sind? Nach Altrich zum Einkaufen?" Jedenfalls werden die Tiere, die das Bauwerk nutzen, durch die Pilger nicht gestört. "Da es für die Wanderer einen Extra-Weg gibt, ist die Störung nur relativ gering. Optimal ist aber natürlich eine reine Wildbrücke", sagt Lorenz Steden, Vizepräsident des Landesjagdverbands. Auch der LBM geht davon aus, dass "eine Beunruhigung des Wildes auf Grund der geringen Nutzungsfrequenz nicht zu erwarten" ist, zumal die Tiere vor allem nachts queren und die Pilger in der Regel ja tagsüber unterwegs sind.

Ende 2007 soll der Brücken-Rohbau abgeschlossen sein, im Frühjahr 2008 wird die Brücke begrünt, damit die Tiere sie auch annehmen. Mit dem Bau der darunter verlaufenden B 50 neu wird voraussichtlich im Sommer 2009 begonnen, wenn alle Brückenbauwerke des ersten Bausabschnitts (Autobahnkreuz bis Platten) stehen.