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"Überall steckt Sprache drin"

"Überall steckt Sprache drin"

400 Millionen Euro lässt es sich der Bund kosten, damit Vorschulkinder sprachlich gezielt gefördert werden. Auch sieben Kitas aus Trier nehmen seit 2011 an dem deutschlandweiten Projekt mit dem sperrigen Begriff "Offensive Frühe Chancen: Schwerpunktkitas Sprache & Integration" teil - und arbeiten zusammen. Ziel ist, die Kinder im Alltag zu fördern.

Trier. Sprache ist der Schlüssel, um am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können, für Erfolg in der Schule und im Berufsleben. Studien haben in den vergangenen Jahren mehrfach gezeigt, dass einigen Kindern dieser Schlüssel fehlt. Das soll anders werden. Mit dem Projekt "Offensive Frühe Chancen: Schwerpunktkitas Sprache & Integration" fördert das Bundesfamilienministerium von März 2011 bis Ende dieses Jahres rund 4000 Kitas bundesweit - darunter sieben Trierer Kitas, die sich zu einem Netzwerk zusammengeschlossen haben.
Mit dabei ist Andrea Kläs. Sie ist Erzieherin in der Kita St. Valerius Clara-Viebig-Straße und hat in den vergangenen drei Jahren viel über Sprache hinzugelernt. Etwa, dass es gut ist, wenn Eltern, die zu Hause beispielsweise Türkisch sprechen, auch mit den Kindern weiter in der Muttersprache reden sollen. Insgesamt 70 Stunden hat sie sich innerhalb eines Jahres zu dem Thema "alltagsintegrierte sprachliche Bildung im frühen Lebensalter" weitergebildet. Die Voraussetzung, um ein Zertifikat als sogenannte Sprachexpertin zu erhalten. Neben Isabell Becker, Ina Heidemann, Rosa Jorczig und Danielle Schwochow-Stephano ist sie eine der Fachfrauen, die in den sieben Kitas eingesetzt sind. "Hauptziel des Projekts ist, dass die Sprachförderung im Alltag stattfindet anstelle von separaten Förderangeboten", erklärt Bernhard Klein, Bereichsleiter der Kitas des Sozialdienstes Katholischer Frauen (SKF). Kinder profitierten mehr davon. Was bedeutet Förderung im Alltag konkret? "Wenn ein Kind etwa einen Schmetterling draußen beobachtet, kann man darüber mit ihm ins Gespräch kommen", erklärt Ina Heidemann. Dabei spielten sich Zeit nehmen und eine wertschätzende Haltung dem Kind gegenüber eine wichtige Rolle. Wenn Kinder merkten, dass ihre eigenen Interessen wahrgenommen würden, seien sie kommunikativer, sagt Heidemann. Auch Handlungen, wie das Anziehen der Jacke, sollten sprachlich begleitet werden. "Überall steckt Sprache drin", sagt Klein. Er hat festgestellt, dass das Projekt dazu führt, auch den eigenen Sprachstil genauer unter die Lupe zu nehmen. "So etwa weiß ein Kind nicht gleich, was wir meinen, wenn wir sagen: Wir gehen jetzt aufs Außengelände", sagt der SKF-Kita-Leiter. "Achtsamkeit" und ein "bewussterer Umgang" sind Stichworte, die während des Gesprächs mehrmals fallen. Die Eltern spielen neben dem Kind und dem Team die dritte wichtige Rolle im Projekt: Es werden etwa Infoabende angeboten und der Austausch über die Sprachentwicklung des Kindes nimmt mehr Raum ein. Über ihre Erfahrungen tauschen sich die Teilnehmer des Netzwerks regelmäßig aus. "Ich halte den roten Faden im Blick", sagt Projektbegleiterin Andrea Mohr, Psychologin beim Bistum Trier. Sie moderiert Leitungstreffen, coacht Sprachexpertinnen oder organisiert Fortbildungen mit. "Der Großteil der Projektmittel fließt in Fortbildungen", sagt Mohr. Ziel sei es am Ende des Bundesprogramms, also im Dezember 2014, dass die Sprachexpertinnen ihr Fachwissen und die Verantwortlichkeit weitergegeben hätten. Und die Erfahrungen sollen schriftlich festgehalten werden - damit alle Kinder den fürs Leben wichtigen Schlüssel mitbekommen: die Sprache.
Extra

Diese Kitas nehmen am Bundesprogramm "Offensive Frühe Chancen: Schwerpunktkitas Sprach & Integration" teil: Städtische Kitas: Trimmelter Hof, Kita Feyen; SKF-Kitas: St. Valerius - Clara-Viebig-Straße, St. Valerius - Gratianstraße, Haus für Kinder; Kita der Barmherzigen Brüder e.V.: St. Martin; Evangelische Kita: Christuskirche. Die Kitas werden im Rahmen der Offensive gefördert und haben sich aus Eigeninitiative zu einem Netzwerk zusammengeschlossen. kat