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Überlebender von Theresienstadt warnt in Trier vor Antisemitismus

Gedenken : Überlebender von Theresienstadt warnt in Trier vor Antisemitismus

Holocaust-Zeitzeuge Pavel Hoffmann erzählt über sein Leben als jüdisches Kind in Theresienstadt. Er mahnt, die Entwicklungen der Gegenwart zu beachten.

„Mein Vortrag wird Sie nicht nur betroffen machen, sondern auch überraschen, denn ich werde mich direkt an Sie richten“, verspricht Pavel Hoffmann zu Beginn seines gut besuchten Vortrages in der Volkshochschule (VHS) Trier.

Ein Versprechen, das Hoffmann im Laufe der Veranstaltung einhält, denn er redet nach eigener Aussage über andere Dinge als die meisten Zeitzeugen. Er möchte nicht nur den „schlimmsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte“ gedenken, sondern auch vor dem modernen Antisemitismus warnen. Vor allem vor dem Antisemitismus, der sich hinter dem Begriff „Israel-Kritik“ verstecke.

Die Veranstaltung mit Pavel Hoffmann eröffnet die Ausstellung „Kinder im KZ Theresienstadt“. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen in Theresienstadt gefertigte Kinderzeichnungen, Gedichte und Aussagen von Kindern, die wie Pavel Hoffmann während ihrer Kindheit im KZ Theresienstadt gefangen waren.

Pavel Hoffmann wurde am 20. März 1939, weniger als ein halbes Jahr vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, in Prag, im damaligen Protektorat Böhmen und Mähren geboren.

Seine Eltern Dr. Hans Hoffmann und Dr. Elisabeth Hoffmann, beide jüdische Ärzte in Prag, zählten zu den Menschen, die getötet wurden. Dr. Hans Hoffmann wurde am 11. Juni 1942 gemeinsam mit 1200 anderen tschechischen und jüdischen Intellektuellen in einem Fußballstadion erschossen.

Dr. Elisabeth Hoffmann wurde zusammen mit ihrem vierjährigen Sohn Pavel 1943 in das KZ Theresienstadt deportiert, nachdem vorher bereits Pavel Hoffmanns Großeltern väterlicherseits, seine Tante und seine Cousine in Auschwitz umgekommen waren. Seine Familie mütterlicherseits wurde im Rahmen der sogenannten Eichmann-Aktion 1944 ebenfalls in Auschwitz getötet.

Hoffmanns Mutter starb kurz nach der Deportation. Der Junge verbringt zwei Jahre als Vollwaise in Theresienstadt, in dem sogenannten „Durchgangs- und Sammellager“ im heutigen Terezin in Tschechien , in dem auch ohne Einsatz von Gaskammern etwa 33 000 Gefangene aufgrund der unmenschlichen Lebensumstände starben.

Am 5. Februar 1945 wurde der sechsjährige Pavel Hoffmann in die Schweiz gebracht und war damit gerettet. Im Tagebuch eines Schweizer Arztes findet Hoffmann später einen Eintrag, der Zeugnis seiner Kindheit in Theresienstadt ist und an die er sich kaum erinnert.

„Man hat hier einen Vollwaisen, sehr krank, der seit drei Tagen kein Wort gesprochen hat. So traumatisiert war ich“, versucht Hoffmann den Schrecken begreifbar zu machen. Heute ist keiner aus Hoffmanns Familie mehr Jude oder Tscheche. Viele von denen, die zurückgekommen seien, wollen keine Juden mehr sein.

Doch mit dem Gedenken an die „toten Juden“ sei die Arbeit nicht getan, mahnt Hoffmann. Der moderne Antizionismus (Feindschaft gegenüber dem jüdischen Staat Israel) habe die gleiche Einstellung zu Israel wie der Antisemitismus gegenüber den Juden, erklärt Hoffmann, während er ein Bild eines Hamas-Kämpfers, der den Hitlergruß zeigt, an die Wand wirft. Die Hamas habe von der SS fast alles übernommen. Doch in den deutschen Medien werde das kaum besprochen, kritisiert Hoffmann.

Der moderne westliche Antisemitismus habe Manieren und einen akademischen Abschluss. Der moderne Antisemitismus gedenke Auschwitz, aber möchte, dass der Iran über eine Atombombe verfüge. Der moderne Antisemitismus gedenke der toten Juden, aber hasse es, wenn sich lebende Juden wehren.

Heute sei es schlimmer, jemanden einen Antisemiten zu nennen, als einer zu sein, sagt Hoffmann. Vor dem Krieg habe es Juden, Nicht-Juden und Antisemiten gegeben, nach dem Krieg sei daraus Antisemitismus ohne Juden geworden. Heute gebe es Antisemitismus ohne Antisemiten. Deswegen sei es heutzutage nicht die Aufgabe nach den Motiven der Täter zu fragen, sondern sie zu stoppen.

Nach seinem Vortrag erhält Pavel Hoffmann langanhaltenden Applaus. Zu den begeisterten Zuhörern gehört auch Dieter Burgard, Beauftragter der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin für jüdisches Leben und Antisemitismusfragen.

Da Antisemitismus heute wieder zum Alltag gehöre und der moderne Antisemitismus viele neue Facetten aufweise, dürfe man Juden nicht nur als Opfer wahrnehmen. Deswegen seien Veranstaltungen wie diese mit Pavel Hoffmann besonders wichtig für die Arbeit zu Antisemitismusfragen, sagt Burgard.

Die Ausstellung: bis 15. Februar, Montag bis Samstag, 9 bis 18 Uhr in der VHS. Die Ausstellung mit Rahmenprogramm wird von der Arbeitsgemeinschaft Frieden, Volkshochschule Trier, Katholische Hochschulgemeinde und Evangelischen Studentinnen- und Studentengemeinde veranstaltet.