Überraschende Wende im Rioler Streit

Riol · Ein großes Seniorenheim am Rioler Freizeitsee statt des angekündigten Hotels? Solche alternativen Pläne der Gemeinde Riol für ein Gelände am Freizeitsee haben zu einer öffentlichen Kontroverse geführt. Mangels Nachfrage schien das Hotelprojekt längst "beerdigt" - doch plötzlich gibt es einen potenziellen Investor.

 Umstrittenes Grundstück: Die Bewohner des Baugebiets „Hinter Difenis“ befürchten, von einer großen Seniorenanlage auf der Fläche am Ortsrand (rot markiert) „zugestellt“ zu werden. TV-Foto: Friedhelm Knopp/Grafik: Birgit Keiser

Umstrittenes Grundstück: Die Bewohner des Baugebiets „Hinter Difenis“ befürchten, von einer großen Seniorenanlage auf der Fläche am Ortsrand (rot markiert) „zugestellt“ zu werden. TV-Foto: Friedhelm Knopp/Grafik: Birgit Keiser

Riol. Am Rand des Rioler Freizeitseegeländes schwelt seit Monaten ein Konflikt zwischen der Ortsgemeinde und den Bewohnern des Neubaugebietes "Hinter Difenis". Die Neubürger wehren sich gegen den möglichen Bau einer großen Seniorenanlage in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft (der TV berichtete). Das infrage kommende Gelände zwischen dem Baugebiet und dem Freizeitsee ist nach dem geltenden Bebauungsplan der Gemeinde für ein Hotel mit maximal 100 Betten vorgesehen.
Dies war vor einigen Jahren die Perspektive, als zahlreiche Rioler Neubürger ihre Grundstücke im benachbarten Baugebiet "Hinter Difenis" kauften. Doch nachdem die Gemeinde drei Jahre lang vergebens nach einem Hotelinvestor gesucht hatte, sollte das Gelände für ein großes Seniorenprojekt genutzt werden. Einen Interessenten gab es auch schon: Die Frankfurter ProjectCare GmbH präsentierte die Idee einer aus dreigeschossigen Einzelhäusern gestalteten Wohnanlage für etwa 80 Senioren und einem größeren Zentralbau für Pflegefälle. Etwa 40 Prozent der 11 000 Quadratmeter umfassenden Fläche sollten überbaut werden. Die Reaktionen waren unterschiedlich: Ortsbürgermeister Arnold Schmitt nannte die Seniorenanlage eine nützliche und wichtige Strukturverbesserung, und viele alteingesessene Rioler stimmten dem zu. So sahen es im Prinzip auch die Neubürger aus "Hinter Defenis" - sie sträubten sich jedoch gegen einen Seniorenheimstandort in der Nachbarschaft.
Inzwischen deutet sich eine überraschende Wende an: Wie Ortsbürgermeister Schmitt auf TV-Anfrage bestätigt, interessiert sich auch ein Hotel-Investor für das Grundstück. Außerdem ist noch ein zweiter Seniorenheim-Investor auf den Plan getreten. Letzterer plant nach Angaben von Schmitt eine Seniorenwohnanlage mit sieben bis neun zweigeschossigen Einzelhäusern - der andere Seniorenheim-Investor aus Frankfurt besteht hingegen wegen der Rentabilität auf drei Geschossen. Schmitt: "Die zweigeschossige Bauweise dürfte den Anrainern in Hinter Difenis wohl mehr entgegenkommen."
Am Bau eines Hotels ist nach Angaben des Ortsbürgermeisters ein dritter Investor interessiert. Es handele sich um eine renommierte Firma aus der Region, die noch nicht genannt werden wolle. Derzeit lasse der Interessent über ein Gutachten klären, wie rentabel ein Hotel an diesem Standort sein könnte. Das Gutachten werde in etwa vier Wochen vorliegen.
"Ich hätte gerne beide Projekte, das Hotel und die Seniorenanlage, verwirklicht", erklärt Schmitt. Ein Hotel passe gut in die touristische Entwicklung Riols und der Verbandsgemeinde, eine Seniorenanlage wäre die ideale Ergänzung der Rioler Gemeindestruktur.
Ob beides auf dem Gelände am See gehe, sei zu prüfen, aber "den Anliegern dürfte die Idee nicht gefallen". Nicht undenkbar sei aber auch ein anderer Standort für die Seniorenanlage.
Voraussichtlich am 30. Oktober ist die nächste Sitzung des Rioler Ortsgemeinderates, in der dann der jüngste Stand der Entwicklung auf die Tagesordnung kommt. Sollte der Hotel-Investor zuvor zu einer positiven Entscheidung kommen, ist eine Sondersitzung vorgesehen.
Pluwig

Extra

Der Bau von Senioreneinrichtungen hat in der Region Hochkonjunktur, währenddessen die Zahl der Hotelbetriebe eher rückläufig ist. In Pluwig entsteht ein neun Millionen Euro teures Seniorenprojekt privater Investoren. In dem Seniorenzentrum im Pluwiger Ortskern sollen 64 Einzelzimmer und 16 Wohneinheiten für betreutes Wohnen sowie 60 Arbeitsplätze entstehen. In den Neubaukomplex ziehen auch die Gemeindeverwaltung, zwei Kitagruppen und Gewerbe ein. Nebenan entsteht ein Supermarkt mit Bäckerei und Poststelle. In Lorscheid wird das Senioren- und Pflegeheim Holunderbusch von bisher 60 auf künftig 70 Betten erweitert. In Kasel gibt es für eine Einrichtung mit 80 Betten zwar Investor, Betreiber und einen Plan. Zunächst muss aber der Flächennutzungsplan der Verbandsgemeinde Ruwer fortgeschrieben werden. Weder Betreiber noch Investor sind für ein geplantes Seniorenprojekt in Waldrach in Sicht. In Schweich laufen die Arbeiten an einem Neun-Millionen-Euro-Seniorenprojekt mit 90 Arbeitsplätzen. Das Seniorenheim St. Martin ist mit 90 vollstationären Pflege- und Kurzzeitpflegeplätzen geplant. Trierweiler: Noch in der Planungsphase ist das Demenzzentrum im Park der Seniorenresidenz Niederweiler Hof. f.k.

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