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Umarmen verboten – Wir waren mit dem Ordnungsamt in Trier unterwegs

Kostenpflichtiger Inhalt: Halten sich alle an das Verbot? : Umarmen verboten – Wir waren mit dem Ordnungsamt in Trier unterwegs

Mit verstärkter Präsenz sorgt die Stadt Trier dafür, dass die Corona-Verhaltensregeln eingehalten werden. Auch in den Verbandsgemeinden wird kontrolliert. Der TV war mit auf Streife durch die Stadt. Und es gibt bereits erste Strafen.

Die Regeln sind einfach. Höchstens zwei nicht miteinander verwandte Menschen dürfen gemeinsam unterwegs sein. Zudem müssen 1,5 Meter Sicherheitsabstand zwischen Personen eingehalten werden. Daneben gibt es noch eine ganze Menge weiterer Verhaltensmaßregeln. Unter anderem, dass man nicht mehr in Restaurants sitzen darf und Friseure oder Bekleidungsgeschäfte ihre Läden nicht mehr öffnen dürfen. Aktuell 35 Mitarbeiter aus dem Ordnungsamt der Stadtverwaltung Trier kümmern sich darum, dass sich jedermann an die Regeln hält. Der TV hat zwei Beamte bei einer Streife begleitet. Doch dazu später mehr.

Denn neu ist: Ihre Kollegen haben nach Auskunft der Stadtverwaltung die ersten Unverbesserlichen erwischt. In Trier-Pfalzel hatten am Donnerstagabend drei Personen im Bereich der Bastion gegrillt. Gegen sie wurde ein Verfahren eingeleitet, voraussichtliches Bußgeld: 250 Euro pro Person. In einem benachbarten Stadtteil stellten die Beamten bei der Kontrolle eines Imbissbetriebs fest, dass die Gäste innerhalb des Imbisses auf ihre Speisen warteten. Dies sei nach geltender Rechtslage nicht erlaubt, sie müssten auf der Straße warten. Der Besitzer des Betriebs wurde aufgeklärt, Nachkontrollen angekündigt. Sollte er wiederholt gegen die Verordnung verstoßen, muss er mit einem Bußgeld von voraussichtlich 1000 Euro rechnen.

Zudem wurde dem Ordnungsamt eine Gruppe von Jugendlichen auf dem Rundweg BU 13 auf dem Trimmelter Hof gemeldet, die dort Alkohol konsumierten. Die Streife fand diese Gruppe tatsächlich vor, die allerdings bei Eintreffen des Fahrzeugs flüchtete. Ein solcher Verstoß würde ein Bußgeld von voraussichtlich 200 Euro pro Person nach sich ziehen.

Es geht jedoch auch anders. Das zeigt die Eröffnung eines neuen Baumarkts in Trier-Euren am Freitag. Sowohl am Donnerstag als auch am offiziellen ersten Verkaufstag am Freitag sind zwar viele Kunden da. An beiden Tagen haben sich Teams des Ordnungsamts die Lage angesehen. Es sei alles in Ordnung gewesen, teilt die Stadtverwaltung auf TV-Anfrage mit.

Und auch in der Altstadt scheinen derzeit viele Vernünftige unterwegs zu sein. Normalerweise würden sich dort die Menschen auf den Stühlen der Außengastronomie in der Simeonstraße oder auf dem Trierer Hauptmarkt die Frühlingssonne ins Gesicht scheinen lassen und den Einkäufern zuschauen, die durch die Trierer Fußgängerzone bummeln oder hasten. Doch was ist schon normal dieser Tage. Zwar scheint die Sonne. Die Stühle sind jedoch weggeräumt, die Geschäfte haben geschlossen. An einen Kaffee ist nicht zu denken. Robert Kassube, Michael Junk und ihre Kollegen vom Ordnungsamt der Stadtverwaltung Trier sorgen dafür, dass es so bleibt.

Das erste Mal bei dieser vom TV begleiteten Streife müssen Kassube und Junk im Rautenstrauchpark unweit der Trevirispassage tätig werden. Dort sitzen friedlich vereint vier Männer, die nach Auskunft der Männer vom Ordnungsamt Wohnungslose sind – alte Bekannte. „Wir haben schon mehrfach mit ihnen zu tun gehabt“, sagt Kassube. Nicht nur einmal ist ihnen erklärt worden, dass sie sich in der Öffentlichkeit nicht zu viert aufhalten dürfen. Auch sollen sie Abstand halten. Geholfen haben die Gespräche nichts. Nun soll die Polizei helfen. Die Beamten, so sagt Michael Junk später, hätten die vier Obdachlosen noch einmal nachdrücklich an die Regeln erinnert. Ob es hilft? Junk und sein Kollege sind sich nicht sicher.

Vom Park geht es in die Fußgängerzone. Mit einem Transportfahrzeug des Ordnungsamts. „Normalerweise sind wir hauptsächlich zu Fuß unterwegs. Derzeit eher mit dem Auto“, sagt Kassube. Denn aktuell schauen die Mitarbeiter der Stadtverwaltung auch gezielt dort vorbei, wo man sie normalerweise nicht so häufig antrifft. Beispielsweise am Wasserband auf dem Petrisberg, wo sich noch vor wenigen Tagen die Spaziergänger tummelten, auf gesperrten Spielplätzen oder am Mattheiser Weiher, der inzwischen auch an normalen Werkstagen stark frequentiert ist.

Und noch einen Grund gibt es dafür, dass das Auto derzeit wichtiger denn je ist. Denn immer wieder melden Anrufer, dass irgendwo im Stadtgebiet sich jemand nicht an die Regeln hält (siehe Info). So auch jetzt. Angeblich soll ein Laden in der Neustraße geöffnet haben. Kunden sollen dort ein- und ausgehen.

Wenn dem so wäre, könnte es für den Ladenbesitzer teuer werden. Grundsätzlich gibt nach Auskunft von Ordnungsamtsleiter Christian Fuchs das Infektionsschutzgesetz den Rahmen vor. Und das sieht Strafen in Höhe von bis zu 25 000 Euro vor. Inzwischen gibt es für Rheinland-Pfalz einen eigenen Bußgeldkatalog für die Verstöße gegen die Corona-Schutzregeln. 2500 Euro werden fällig, wenn man unerlaubterweise seinen Betrieb öffnet. Mindestens 200 Euro pro Teilnehmer müssen gezahlt werden, wenn man sich zum gemütlichen Grillen in größerer Runde im Palastgarten treffen würde. Wobei größere Runde derzeit schon bei drei Personen beginnt. Die Ladenbesitzerin in der Neustraße muss übrigens nicht zahlen. Zwar brennt Licht im Geschäft. Doch die Eingangstür ist verschlossen, niemand ist zu sehen.

Auch die zahlreichen Radler aller Altersgruppen müssen keine Strafe zahlen. Auch wenn sie ihr Rad zwischen 11 und 19 Uhr eigentlich schieben müssten, wie ihnen die Mitarbeiter des Ordnungsamts erklären. Das gilt ebenfalls in Zeiten von Corona. Und auch, wenn aktuell so wenig Fußgänger zwischen Porta Nigra und Kornmarkt unterwegs sind, dass jede Menge Platz ist.

Wenig Platz ist kurze Zeit später zwischen mehreren Leuten in der Fleischstraße. Das ist der Moment, wo routinierten Männer vom Ordnungsamt mehr als nur eine Spur grundsätzlich werden. Denn da wird sich umarmt als ob ein Teil der Gruppe eine Weltreise antreten will. Kassube weist einen der Männer eindringlich daraufhin, dass sie Abstand wahren müssen. Auch dann, wenn es sich um Brüder im Geiste handelt.

Am Ende des Ausflugs in die Innenstadt äußern sich Michael Junk und Robert Kassube trotzdem lobend über das Verhalten der Trierer. Diese Einschätzung teilt auch Ordnungsdezernent Thomas Schmitt. „Wir haben bisher sehr wenige Verstöße und die meisten Trierer setzen die Regeln mit großer Einsicht eigenverantwortlich um. Dafür sag ich ein herzliches Dankeschön.“ Er stellt jedoch auch noch einmal klar, dass die Stadt weiter empfindliche Bußgelder verhänge und Strafanzeigen erstatte.

Corona hin, Corona her. Tagsüber darf man nicht mit dem Rad durch die Fußgängerzone fahren. Auch darauf achten Michael Junk und Robert Kassube. Foto: TV/Harald Jansen
Hier laufen die Fäden zusammen. In der Einsatzzentrale des Ordnungsamts sind zum Zeitpunkt der Aufnahme (von vorne nach hinten) Stephanie Schneider, Markus Hettinger, Romy Maas und Heino Zschiedrich aktiv. Foto: TV/Harald Jansen

Einen Text zur Lage im Landkreis Trier-Saarburg gibt es auf Seite 10.