Umbau des Trierer Auguste-Viktoria-Gymnasiums: Von Containern in die neuen Räume
Trier · Ein einsturzgefährdetes Dach, Millionenkosten, Asbest: Der Klosterbau des Auguste-Viktoria-Gymnasiums war mit Hürden verbunden. Das Gebäude erstrahlt nun im neuen Glanz - und weitere Arbeiten stehen an.
Mit Gefühlen ist das manchmal so eine Sache. Als im Auguste-Viktoria-Gymnasium (AVG) noch vor wenigen Jahren die Dielen knarrten, Schüler das Wischwasser für die Tafeln in Eimern in die Klassen schleppten und das Dach einzustürzen drohte, waren das unwürdige Zustände. "Das ändert nichts daran, dass wir unser Gebäude immer geliebt haben", sagt Bernhard Hügle.
Noch mehr liebt der Schulleiter es jetzt. Hügle steht in einem funkelnagelneuen Klassenraum, dessen Wände edle Wappen aus den Urzeiten des 1730 entstandenen Baus zieren. An der Wand hängt ein moderner Flachbildschirm.
Vergangenheit und Gegenwart kommen hier zusammen. Arbeiter schafften im ersten Bauabschnitt von Dezember 2011 bis heute im Dachgeschoss neue Klassenräume, renovierten die Bibliothek, erhielten alte Relikte wie die Wandfliesen. Schreiner richteten Türen aus dem 19. Jahrhundert so her, dass sie wie frisch gekauft aussehen. Es riecht nach Politur, Holz und Arbeit. 200 Kinder, die lange in Containern lernten, zogen hier nach den Sommerferien ein.
Der Klosterbau erstrahlt im neuen Glanz - und das nach Jahren des Umbaus, die nicht nur die Nerven der Stadtvertreter strapazierten. Die Dezernentinnen Simone Kaes-Torchiani und Angelia Birk begutachten die Entwicklungen mit Erleichterung. Birk erinnert sich an den mühsamen Weg, zunächst die Landesregierung zu überreden: "Bei jedem Sturm mussten wir zittern, dass was passiert."Kosten: 5,82 Millionen Euro
Gestiegen sind die veranschlagten Kosten. Kalkulierte die Stadt ursprünglich mit 4,82 Millionen Euro, an denen Mainz sich mit etwas weniger als der Hälfte beteiligt, sind es inzwischen 5,82 Millionen Euro. Kaes-Torchiani nennt den Hauptgrund: "Auf dem Dachboden wurde schwach gebundenes Asbest gefunden, das entsorgt werden musste." Die Arbeiten in dem Teil des Baus, der sich über 250 Jahre kaum verändert habe, verzögerten sich so. Jetzt sind die Schüler angekommen. "Sie gehen ganz sorgfältig mit dem Gebäude um", findet Hügle. Im Foyer müssen nun noch die Kacheln auf dem Boden ausgelegt werden. Schneller voranschreiten soll der zweite Bauabschnitt in dem Teil des Hauses, der in den 80er Jahren bereits entkernt worden sei, wie der Schulleiter erklärt. Dort sind weitere Klassenräume und ein Aufzug geplant. Dann ist die Schule auch barrierefrei.
Ostern 2015 sollen die letzten Schüler von Containern in den Umbau ziehen. Anschließend geht es daran, die Außenanlagen bis Herbst des kommenden Jahres fertigzustellen. Ein echter Pausenhof fehlt den Kindern bislang. Das "Lernen in der Box", wie es auf einem Plakat auf einem der Gymnasiumscontainer steht, soll spätestens dann Geschichte sein.
Das heutige Auguste-Viktoria-Gymnasium trägt seinen Namen seit 1913 und ist seitdem eine staatliche Schule. Ursprünglich startete die Bildungseinrichtung 1652 als reine Mädchenschule, die von Augustinerinnen aus Lothringen gegründet wurde.