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Umfrage bei Jugendamt und Kita gGmbH ergibt Auslastung in Kitas von bis zu 75 Prozent

Corona : Kitas in Trier und Kreis im Lockdown bis zu 75 Prozent ausgelastet

Derzeit gilt in den Kindertagesstätten ein „Regelbetrieb bei dringendem Bedarf“. Eltern sollen ihre Kinder nach Möglichkeit zu Hause betreuen. Der TV hat nachgefragt, wie stark die Belegung der Kitas ist.

 Es ist eine Illusion zu glauben, dass die Kitas derzeit geschlossen sind. Zwar wird das oft berichtet, aber es entspricht nicht der Realität. Die Einrichtungen sind offen. Jeder, der sein Kind nicht zu Hause betreuen kann, darf es in die Kita bringen. Allerdings appelliert das Land an die Eltern, ihre Kinder möglichst zu Hause zu betreuen. Eine Situation, die für Eltern wie Erzieher nicht unbedingt befriedigend ist. Während Eltern versuchen, ihren Arbeitsalltag anzupassen, sehen sich die Erzieher der Gefahr einer Infektion ausgesetzt, weil sie bei kleinen Kindern nicht auf Abstand gehen können.

Um darzustellen, wie die Auslastung der Einrichtungen in der Stadt Trier und im Kreis Trier-Saarburg derzeit ist, hat der TV bei den Jugendämtern der Stadt Trier und des Kreises Trier-Saarburg angefragt, wie die durchschnittliche Belegung in den Kitas ist.

Michael Schmitz, Pressesprecher der Stadt Trier, meldet, dass in der zweiten Kalenderwoche bis auf sechs Einrichtungen alle Zahlen an die Stadtverwaltung gemeldet hätten. In diesen Einrichtungen gibt es laut Schmitz 4710 genehmigte Plätze, Plätze für Kinder mit Behinderungen sind darin enthalten. „Davon waren 1683 belegt“, sagt Schmitz. Das entspreche 35,73 Prozent.

Die Frage nach einzelnen Kitas, in denen die Auslastung besonders groß sei, beantwortet der Pressesprecher nicht. Dadurch würden Rückschlüsse auf das konkrete Verhalten von Familien in einzelnen Stadtteilen möglich. „Vorhandene Schwankungen zwischen den Einrichtungen sind durchaus erklärbar, weil es Einrichtungen gibt, die unmittelbar systemrelevanten Institutionen wie Krankenhäusern zugeordnet sind.“ Das Jugendamt prüfe nicht, ob Bedarf für einen Betreuungsplatz bestehe, betont Schmitz. „Durch das Land wurden starke Appelle an die Eltern gerichtet, die Betreuung nur bei dringendem und unausweichlichem Bedarf in Anspruch zu nehmen.“

Die bistumseigene Kita gGmbH, der größte Kita-Träger im Raum Trier, liefert auf TV-Anfrage aktuelle Zahlen zu den bistumseigenen Kitas im Bereich Trier/Trier-Saarburg. In der Stadt Trier wurden demnach in der ersten Kalenderwoche 28,17 Prozent aller Kinder in den Einrichtungen des Trägers betreut. In der zweiten Kalenderwoche waren es 35,33 Prozent, in der dritten 37,68 Prozent. Im Kreis Trier-Saarburg sind die Kitas der Kita gGmbH stärker ausgelastet: 32,5 Prozent der Plätze waren in der ersten Januar-Woche belegt, in der zweiten waren es 43,48 Prozent und in der dritten 44,55 Prozent.

 Sarah Hoffmann, Pressesprecherin der Kita gGmbH folgert: „Insgesamt gehen die Eltern sehr verantwortungsbewusst mit dem Angebot der Betreuung bei dringendem Bedarf um.“

Die Pressereferentin der Kreisverwaltung, Martina Bosch, beschreibt auf Anfrage des Trierischen Volksfreunds zur Kita-Auslastung unter der Vorgabe „Regelbetrieb bei dringendem Bedarf“ in Trier-Saarburg die Situation folgendermaßen: „Diese Regelung führte in den Kitas im Kreis dazu, dass in der Kalenderwoche 51 (14. bis 20. Dezember) im Vergleich zur Woche vorher nur noch weniger als die Hälfte der Kinder betreut wurden. Es gab einen Rückgang der tatsächlich betreuten Kinder von 5321 auf 2446. Diese Zahl reduzierte sich in der Weihnachtswoche auf 742 Kinder. In der Woche zwischen den Feiertagen hatten alle Kitas Ferien.“

 In der ersten Woche des neuen Jahres wurden laut Bosch von 6004 Kindern in den Kitas 1980 Kinder betreut (circa 31 Prozent).

In der zweiten Woche wurden von den 6160 angemeldeten Kindern in den Kitas 2630 Kinder betreut (circa 43 Prozent). Hierbei handele es sich um die Zahlen, die die Kitas im Kreis im Portal des Landesjugendamts eingestellt haben.

Auf die Frage, welche Kindertagesstätten besonders ausgelastet seien, antwortet die Pressereferentin, die Auslastung der Kitas sei in der Tat unterschiedlich: „In wenigen Kitas werden annähernd 75 Prozent der Kinder betreut und in anderen Kitas lediglich 15 bis 20 Prozent. Allerdings gibt es auch große Unterschiede im Bereich der tatsächlichen Betreuungsstunden. So ist erkennbar, dass in den Kitas, in denen prozentual viele Kinder betreut werden die tatsächlichen Betreuungsstunden deutlich rückläufig sind.“

Auch Martina Bosch will die Kitas mit einer hohen Auslastung nicht nennen, „da dies gerade im ländlichen Raum dazu führen könnte, dass die Eltern in den einzelnen Orten dann – auch unberechtigt – an den Pranger gestellt werden.“

Und wie gehen die Jugendämter vor, wenn eine hohe Auslastung registriert wird? Dazu teilt Kreis-Pressereferentin Martina Bosch mit, Unterschiede in der Platzauslastung in den Kitas würden durch das Jugendamt des Kreises zur Kenntnis genommen. „Wir haben als Jugendamt hier jedoch keinen Handlungsspielraum. Vielmehr geht das Jugendamt davon aus, dass Eltern sehr verantwortungsbewusst mit der Inanspruchnahme von institutioneller Betreuung umgehen und auch Anstrengungen leisten, um die Kinder zu Hause betreuen zu können. Immer dann, wenn dies nicht leistbar ist, können die Kinder die Kitas besuchen“.