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Unbekannte Seiten des Trierer Doms

Unbekannte Seiten des Trierer Doms

Trier (red) Die im 11. Jahrhundert entstandene Westfassade des Trier er Doms fand bislang vor allem wegen ihrer Gestaltung Beachtung. Neue Forschungen legen nahe, dass der Westbau einst große Bedeutung als räumlicher Eingangsbereich hatte.

Vermutlich erfüllte dieser Teil des Doms darüber hinaus wichtige liturgische Funktionen. Diese Teilergebnisse eines Kooperationsprojekts unter Leitung des Kunsthistorikers Professor Gottfried Kerscher von der Uni Trier und des Bauforschers Professor Manfred Schuller von der Technischen Universität München wurden bei einem Kolloquium in Trier mit internationalen Fachspezialisten diskutiert.
Besonders interessant waren die Begehungen der Westfassade. Von den Wendeltreppen der seitlichen Rundtürme über die Galerien bis hin zum oberen Apsisgeschoss konnten die Teilnehmer Wege nachgehen, die vor 1000 Jahren für Kleriker konzipiert wurden. Die Wege und Aussichtspunkte hätten Reliquien-Zeigungen gedient, unterstützten die Fachwissenschaftler die von Kerscher vorgetragene These.
Unterstützt werden diese kunsthistorischen Überlegungen auch durch Erkenntnisse der Bauforschung, die Dominik Jelschewski und Manfred Schuller vorstellten. Auf Basis dieser Hinweise sowie der Ergebnisse der Domgrabung, die Professor Winfried Weber vortrug, ergebe sich eine neue Sachlage für den Westbau. Die Kunsthistorikerin Nicole Fleckinger plant nun eine zusammenfassende Analyse der Bedeutung des Westbaus, von dem immer deutlicher wird, dass er wohl formal und inhaltlich keine direkten Vorläufer oder gar Vorbilder hat.
Der Schwerpunkt des Kolloquiums lag auf der Diskussion von Teilergebnissen und Fragestellungen des Forschungsprojekts mit internationalen Fachvertretern und der mehrfachen Begehung des Domes. "Wir haben Wert darauf gelegt, die Veranstaltung nicht nur in verdunkelten Hörsälen stattfinden zu lassen, sondern bewusst das Gespräch mit den Experten vor Ort gesucht. Daher war es uns wichtig, mit einem kleinen Teilnehmerkreis möglichst viel am Original selbst zu sichten", sagte Gottfried Kerscher, der die Veranstaltung organisierte.