Unbekannter legt mit Schneckenkorn vergiftete Frikadelle am Trierer Moselstadion aus

Tiere : Versuchter Giftanschlag auf illegalem Hundeklo

Die Kripo sucht nach einem Unbekannten, der eine präparierte Frikadelle am Trierer Moselstadion ausgelegt hat.

  „Wie kann jemand nur so unmenschlich sein?“ Elke Stock ist entsetzt. Mit Hund Max an der Leine steht sie an der Ecke Zeughaus-/Max-Brandts-Straße. Genau dort haben aufmerksame Passanten wenige Stunden vorher einen für die 74-Jährige „ungeheuerlichen“ Fund gemacht und sofort die Polizei informiert. Die Beamten bestätigten denn auch gleich, dass es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen Giftköder handelt.

Wer die nach ersten Untersuchungen mit Schneckenkorn (Ungeziefer-Vernichtungsmittel) präparierte Frikadelle dort ausgelegt hat, ist noch nicht bekannt. Einigkeit herrscht aber darüber, dass es in der Absicht geschah, einen Hund zu vergiften. Denn davon gibt es offenkundig viele in der Gegend: Entlang des Zauns um das direkt angrenzende Moselstadion-Gelände liegen reihenweise Hundehaufen. „Besonders gut konnte man das vorletzte Woche sehen, als Schnee lag“, sagt Raimund Ackermann (63), der ganz in der Nähe wohnt: „Alle paar Meter eine Tretmine.“

Auch Zeughausstraßen-Bewohnerin Elke Stock und ihr Mann kommen täglich mit ihrem Max hier vorbei: „Aber wir sammeln selbstverständlich die Häufchen  auf und entsorgen sie – so wie man das von verantwortungsbewussten Hundehaltern erwarten darf.“

3530 Hundehalter mit insgesamt 3991 Tieren gibt es laut Stadtverwaltung derzeit in Trier. Die meisten der Tierbesitzer  verhalten sich verantwortungsbewusst. „Aber es gibt auch manche, die nehmen die Problematik auf die leichte Schulter“, weiß der Ortsvorsteher von Trier-Nord, Christian Bösen (51).

Der Zaun rund ums Stadiongelände wird nach seiner Beobachtung häufig als illegales Hundeklo zweckentfremdet: „Es gibt immer wieder Klagen von Anwohnern, die den Zustand als unerträglich empfinden. Dafür habe ich vollstes Verständnis.“ Allerdings sei die – in der Nordstadt bisher beispiellose – Giftköder-Attacke „aufs Schärfste zu verurteilen“.

Bösen kündigt an, nun noch einmal „intensiv mit der Stadt zu reden“. Denn es mangele in der Gegend an Hundekot-Tütenspendern, sogenannten Belloboxen. Der Ortsbeirat habe bereits vor drei Jahren beantragt, acht bis zehn neue Belloboxen aufzustellen, Standorte dafür benannt und eine Mitfinanzierung zugesichert. Passiert sei nichts, weil die Verwaltung bisher darauf bestehe, dass ehrenamtliche Paten das Nachfüllen der Tütenspender übernehmen.

Dabei berücksichtigt er allerdings nicht den neuen Hundeauslaufplatz an der Franz-Georg-Straße, für den eine Patin gefunden worden ist (TV vom 12. Februar).

Vorsorglich warnt die Polizei vor möglicherweise weiteren ausgelegten Ködern. Eine Suche am Dienstagvormittag verlief negativ. Nun befasst sich die Kripo mit dem Fall und bittet um Hinweise unter Telefon 0651/9779-2240 oder -2290.

Die Polizei rät dazu, Hunde grundsätzlich angeleint auszuführen. Insbesondere sollten Hundehalter darauf achten, dass ihre Tiere nichts fressen, was sie unterwegs finden. Wer verdächtige Gegenstände findet, sollte sie sofort der Polizei melden, „damit wir direkt vor Ort die Ermittlungen aufnehmen können“.

Wer vergiftete Köder auslegt und ein Tier davon krank wird oder gar stirbt, macht sich schuldig der Tierquälerei und der Sachbeschädigung (da auf Tiere die gleichen Vorschriften wie auf Sachen angewendet werden). Es drohen Geld- oder Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren.

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