Und dein Himmel?

Wie sieht der Himmel aus, der jetzt über dir steht? Dort wo die Sonne im Sommer nicht untergeht. Wo fängt dein Himmel an, und wo hört er auf?" tönte es am Dienstagabend aus dem Auto-radio. Während ich von einer Sitzung heimfahre, besingt ein junger Mann die unerfüllte Liebe und seine Sehnsucht nach einer bestimmten Frau.

Kurz zuvor waren die Nachrichten zu hören mit neuen Details über jene Frau und ihre Kinder, die mehr als 20 Jahre in einem Keller gefangengehalten wurden - Frau und Kinder von demselben Vater. Da bleibt mir die Frage "Wo fängt dein Himmel an?" im Halse stecken und gewinnt eine andere Bedeutung. Mit diesen Nachrichten im Ohr geht es wohl nicht mehr nur um die Sehnsucht nach einer Frau - wohl eher um Sehnsucht nach Leben und dem puren Anblick des Himmels.Ich bleibe nachdenklich im Auto sitzen und frage mich: "Wo fängt dein Himmel an?" Mein Himmel? Mein Himmel fängt an, wo ich frei bin. Wo ich keine Angst habe. Wo ich weiß, dass Menschen einander respektieren, sich nicht einsperren, sich nicht quälen. Mein Himmel ist, wo keiner dem anderen auf der Seele herumtrampelt. Mein Himmel ist, wo ich frei atmen kann und tatsächlich den Himmel sehen kann. Mein Himmel ist da, wo ich so sein kann, wie ich bin. Zu Hause angekommen, wandert mein Blick durch die Auto-scheibe zum sternenklaren Himmel. Und mir wird klar: Mein Himmel fängt da an, wo gelingendes Leben möglich ist - mitten auf dieser Erde. Vielleicht ist das ja der rechte Blick für Christi Himmelfahrt. Mit beiden Beinen auf der Erde stehend und in den Himmel guckend, weil einer schon das Leben hier in seinen Höhen und Tiefen gemeistert hat und bis heute zeigt: Es geht.Und - wo fängt dein Himmel an? Pfarrerin Vanessa Kluge kluge.ehrang@ekkt.de