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"Und hier sehen Sie..." - Wenn der Baudezernent den Stadtführer gibt

"Und hier sehen Sie..." - Wenn der Baudezernent den Stadtführer gibt

Wie geht’s weiter mit dem Weisshaus? Wie lebt es sich in Trier-West? Und warum wird im Theater gerade die Karl-Marx-Statue nachgebaut? Baudezernent Andreas Ludwig hat seinen Aushilfsjob als Stadtführer anhand von 366 Trier-Bildern bestens erledigt.

Vielleicht ist es an diesem Montag, irgendwann Ende der 1970er, als Andreas Ludwig aus Idar-Oberstein seine Liebe zu Trier entdeckt. Der Gymnasiast ist auf Klassenfahrt in der Römerstadt, viel lernen sollen die Schüler, vor allem Geschichtliches natürlich. Nun hat an diesem Montag, irgendwann Ende der 1970er Jahre, aber nur das Landesmuseum geöffnet. Bald haben Ludwig & Co. dort alles gesehen. "Und so endete die Klassenfahrt in der Löwenbrauerei."
Seitdem hat sich viel verändert. Die Brauerei gibt's nur noch in wehmütigen Erinnerungen vieler Trierer. Als Baudezernent lebt Andreas Ludwig mittlerweile hier. Und sein Blick fällt nicht zuerst auf das Bild mit dem Bierglas, sondern auf das eines Geschäfts, das Wein, Schokolade und Kaffee anpreist. "Genau mein Geschmack", sagt Ludwig, "ich bin ein Süßer." Er tippt das Bild vorsichtig von der Seite an, so lange, bis es ganz gerade hängt.
Gemalt hat dieses Werk, so wie die 365 anderen auch, Josef Hammen (der TV berichtete). Jeden Tag eines, ein ganzes Jahr lang. Blicke auf Trier, die jeder Tourist sofort erkennt. Und Detail-Eindrücke, bei denen selbst Ur-Trierer zweimal hingucken müssen. Architektur und Alltagsszenen, Konsumtempel und Konzerte, Schandflecken und Schönheiten.
Zwischen all den mit Ölfarben bemalten Quadraten wird Baudezernent Ludwig an diesem Abend zum Stadtführer. Verrät - inspiriert von den Bildern - private Momente, die er mit der Stadt verbindet, in der er seit knapp zwei Jahren lebt. Spricht über den künstlerischen Aspekt ("wunderschöne Farbwahl", "so impressionistisch - toll!"). Erkennt seine Baustellen, abgeschlossene und künftige, wieder. Muss sich bei manchen Motiven von Moderator Rainer Breuer (éditions trèves, Tufa Trier) oder vom Künstler persönlich auf die Sprünge helfen lassen. Und plaudert bei einigen Themen darüber, was die Stadt vorhat.
Eine Auswahl:
Weisshaus: "Zweieinhalb Interessenten" am Weisshaus gebe es, verrät Ludwig auf die Frage, die alle Teilnehmer interessiert: Wann geht's da oben endlich weiter? Seit Ende 2014 steht das beliebte Ausflugsziel leer. "Wir würden das Weisshaus im Frühjahr gerne übergeben." Wohl im März müsse der Stadtrat darüber entscheiden, welcher Bewerber den Zuschlag bekommt.
Karl-Marx-Statue: Ja, auch er habe sich anfangs über die geplante Größe der Karl-Marx-Statue erschrocken. Nein, Angst haben müsse in Trier aber niemand - weder vor der Statue, noch vor dem Spender, der Volksrepublik China. "In meinen Augen ist der Simeonstiftplatz ideal dafür, der Platz hat keinen Mittelpunkt und kann das vertragen." Derzeit erstelle die Theaterwerkstatt ein maßstabgetreues Modell des Werks von Künstler Wu Weishan - dann könne sich bald jeder ein Bild davon machen, wie die Statue am Simeonstift wirken wird.
Stadt am Fluss: "Die Sandsteinmauer bröckelt, die Treppen sind zu" - der Baudezernent bedauert den Zustand des Krahnenufers, jedoch: "Das würde Millionen kosten, und wir haben Probleme ohne Ende: die Sporthallen, die Feuerwehr - und vom Theater will ich gar nicht erst sprechen." Trotzdem sei die Stadt bemüht, Wege zu finden, die Barriere zwischen Stadt und Mosel zu überwinden. Beim Vorschlag aus dem Publikum, die Uferstraße einzutunneln, winkt Ludwig allerdings gleich ab. "Das wäre dermaßen teuer - das bekomme ich in meiner Lebenszeit ganz sicher nicht mehr hin."
Bahnhofsvorplatz: Ein Projekt, das er in seiner Amtszeit für umsetzbarer hält, ist die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes: "Das ist ja dermaßen chaotisch da." Seine Vorstellung: "Aus dem Bahnhof rauskommen, auf einen schöner gestalteten Platz blicken, am liebsten auf viele Fahrräder, die dort abgestellt sind - das möchte ich noch erleben."
Trier-West: Der boomende Stadtteil Trier-West, laut Ludwig ein Ort mit großem Potenzial. Er selbst wohnt dort auch, könnte sich unter gewissen Umständen aber vorstellen, umzuziehen ("Falls jemand eine Wohnung oder ein Häuschen im Domviertel anzubieten hat, bitte melden!"). Dabei wurde ihm vor seinem Amtsantritt in Trier sogar vom Westen abgeraten: "Ich habe die Wohnungsanzeigen in der Zeitung durchforstet, die dritte war eine in Trier-West. Als ich mich dann vorgestellt und erzählt habe, was ich mache, wurde mir gesagt: ‚Nein, das ist nichts für Sie!'" Er zog trotzdem ein, unter anderem "wegen der guten Nahversorgung und weil ich mit dem Rad schnell in der Innenstadt bin".
Paulusplatz: Es könnte alles so schön sein - ist es aber nicht. "Am Paulusplatz muss dringend etwas passieren", findet eine Zuhörerin, "es ist so schade drum". Konkrete Ergebnisse kann Ludwig noch nicht verkünden, wohl aber, dass die Ideensuche und Diskussionen weitergehen. "Im Februar sitzen Stadt, Land und Kirche an einem Runden Tisch zusammen. Dann schauen wir, was wir aus dem Paulusplatz machen können."
Extra

Veranstaltungen: Nach Baudezernent Ludwig führt Oberbürgermeister Wolfram Leibe heute ab 14.30 Uhr durch die Ausstellung - mal sehen, was er zu den 366 Trier-Motiven zu erzählen hat. Die letzte Gelegenheit, die Werke zu begutachten, gibt es am Sonntag, 29. Januar. Die Finissage beginnt um 15 Uhr im zweiten Obergeschoss der Tufa Trier.