Unesco-Weltkulturerbe: Ein Tag, sieben Bauwerke

Unesco-Weltkulturerbe: Ein Tag, sieben Bauwerke

Keine fünf Minuten von der Porta Nigra bis zum Dom: In keiner anderen Stadt Deutschlands liegen die Welterbestätten so dicht beieinander wie in Trier. Trotzdem schenken auch viele Einheimische ihnen wenig Beachtung. Der gestrige Unesco-Weltkulturerbetag sollte das ändern.

Wer genau hinsieht, kann im Mauerwerk des Trierer Doms sämtliche Baustile der deutschen Geschichte entdecken. Hier ein zugemauerter Eingang, dort eine altrömische Säule - Domführerin Andrea Riesbeck zeigt den Besuchern die Spuren der Vergangenheit.
Auch eine 48-Jährige, die ihren Namen nicht nennen wollte, hat noch nie so genau hingesehen, obwohl sie seit mehr als zehn Jahren in Trier lebt. "Ich laufe ständig an den Bauten vorbei, ohne sie zu beachten", sagt sie. Vielen Trierern geht es wie ihr. Zum Unesco-Welterbetag hatte die Tourist-Information sich deshalb das Ziel gesetzt, den Einheimischen ihre Welterbestätten näherzubringen.

Von 11 bis 17 Uhr konnten Interessierte an kostenlosen Rundgängen durch die Bauwerke teilnehmen. Dabei führte ein Parcours sie von der Porta Nigra über insgesamt sieben Stationen zur Konstantin-Basilika. Zwischen den halbstündigen Rundgängen blieb den Besuchern Zeit, um zur nächsten Welterbestätte zu pilgern.
In einer halben Stunde die gesamte Geschichte des Doms erzählen? "Unmöglich", sagt Andrea Riesbeck. "Ich muss rund 1400 Jahre aussparen." Einen inhaltlichen Schwerpunkt legten die Organisatoren auf das antike Erbe der Stadt. Der Welterbetag solle schließlich auch das Interesse an einer längeren Führung wecken. Ihre Gruppe führt Riesbeck zunächst zu den römischen Ausgrabungen unter dem Dom. Bereits 280 n. Chr. habe an diesem Ort eine frühchristliche Hauskirche gestanden, erklärt sie. Damals seien die Christen noch eine verfolgte Sekte gewesen.
Der Frankfurter Toni Lauterbach (24) hört gespannt zu. Für den jungen Bankangestellten und seine Freundin ist das alles neu. Sie sind zum ersten Mal in Trier und haben zufällig vom Welterbetag erfahren. Ein attraktives Angebot, findet er, gerade für Touristen. Schließlich könne er in kurzer Zeit möglichst viel von der Stadt sehen und einiges lernen. Zum Beispiel, dass die alten Römer schon eine Fußbodenheizung hatten oder dass die Konstantin-Basilika streng genommen keine Basilika ist. Vielleicht wird Toni Lauterbach bald wiederkommen und die 1400 Jahre Domgeschichte nachholen, die er heute nicht hören konnte.