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Uni Trier: Projekt der Sozialpädagogik will Bildungsungleichheit abbauen

Bildung : Neues Projekt soll Ungleichheit in der Bildung reduzieren

Die Sozialpädagogik der Universität Trier untersucht , wie es gelingt, Kita-Kindern gleiche Chancen auf Bildung zu ermöglichen.

Eine erhebliche Ungleichheit der Bildungschancen junger Menschen ist auch in den Staaten Europas nach wie vor ein großes Problem. Mit der Frage, wie sich diese Bildungsungleichheit wirksam bekämpfen lässt, beschäftigt sich das gerade gestartete europäische Verbundprojekt Pioneered, an dem sich auch die Universität Trier beteiligt.

Das Projekt beschäftigt sich weniger mit den Ursachen von Bildungsungleichheit von Kindern und Jugendlichen, zu denen laut Sabine Bollig, Professorin für Sozialpädagogik an der Universität Trier, bereits viel geforscht wurde. Vielmehr geht es um Musterbeispiele für den erfolgreichen Abbau von Ungleichheiten. Gesucht wird also nach Modellen, die dafür sorgen, dass sich Benachteiligungen nicht als Bildungsungleichheiten verfestigen.

In den nächsten drei Jahren werden dazu politische Rahmenbedingungen und Praktiken in Bildungseinrichtungen untersucht, die Bildungsungleichheit bereits im Vorfeld verhindern oder erfolgreich bekämpfen. Am Ende sollen konkrete Handlungsempfehlungen für pädagogische Fachkräfte und die Politik stehen.

Das Besondere an dem Verbundprojekt: Geforscht wird zum Abbau von Bildungsungleichheiten von der frühen Kindheit bis zum Studium. Auch wird ein Schwerpunkt auf das Zusammenspiel verschiedener Bildungsorte gelegt. Die Trierer Wissenschaftlerinnen unter Leitung von Sabine Bollig und Magdalena Joos schauen sich in ihrem Teilprojekt insbesondere den Bereich der Kitas sowie den Übergang in die Grundschule an.

Dazu gehen die Wissenschaftlerinnen direkt in ausgewählte Kitas, befragen Erzieherinnen und Erzieher sowie weitere Experten. Sie beobachten zudem die konkrete Fachpraxis und die lokalen Netzwerke, durch welche die frühe Bildung vor Ort gestaltet wird.

Gleichzeitig analysieren die Wissenschaftlerinnen der Universität Trier die bildungspolitischen Rahmenbedingungen. Die Kita-Gesetzgebung wird ebenso unter die Lupe genommen wie politische Programme, die Bildungsungleichheit abbauen sollen. Sabine Bollig: „Wir wissen beispielsweise, dass die Senkung der Kita-Gebühren allein noch nicht dafür sorgt, dass alle Familien gleichen Zugang zu früher Bildung haben. Unter Umständen kommen solche Gießkannen-Politiken eher der Mittelschicht zugute als einkommensschwächeren Familien.“

Spannend für die Forschenden ist der europäische Vergleich mit den Ergebnissen anderer PIONEERED-Teilprojekte. Bildungsungleichheit gibt es in allen europäischen Gesellschaften, in Deutschland ist sie an manchen Stellen aber stärker zu finden als beispielsweise in Finnland oder auch in Spanien. „In Deutschland hängt der Bildungserfolg besonders stark von der sozialen Herkunft ab. Das heißt aber nicht, dass es hier nicht auch besonders gute Ansätze gibt, dies zu bekämpfen. Daher schauen wir für jedes Land sehr genau hin und vergleichen ganz konkret, unter welchen Bedingungen sich besonders gute Praxis entwickelt “, so Sabine Bollig.

Ein anderes Pilotprojekt an der Universität Trier kann hier weitere Erkenntnisse bringen: Das Team des Forschungsprojektes „Grenzräume früher Kindheit“ in der Sozialpädagogik forscht aktuell zu Kitas in der so genannten Großregion (Deutschland, Luxemburg, Frankreich und Belgien). Immer mehr Eltern lassen beispielsweise ihre Kinder im Nachbarland betreuen oder ziehen von dort aus zu. Dadurch werden hier auch die dörflichen Kitas zunehmend multikulturell und transnational ausgerichtet.

Das Verbundprojekt Pioneered wird mit insgesamt 3,5 Millionen Euro durch das Programm Horizon 2020 der Europäischen Union gefördert. Forschungseinrichtungen aus neun Ländern sind beteiligt.

Mehr Infos: www.pioneered-project.eu