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Kolumne Viez-Jupp: Uns schöner Trier 2.0

Kolumne Viez-Jupp : Uns schöner Trier 2.0

Ein blechernes „Hallo, Julia!“ schallte uns entgegen, als ich neulich ganz arglos mit meiner Frau durch die Glockenstraße spazierte. „Wer ist denn bitte Julia?

“, polterte mich meine Bärbel an, die nicht nur leicht reizbar, sondern auch ziemlich eifersüchtig ist. „Ich kenne keine Julia!“, verteidigte ich mich reflexhaft und fragte mich gleichzeitig, wie man bloß Bärbel mit der adretten Julia aus meiner Viez-Kneipe verwechseln kann. Da tönte es schon wieder: „Hallo, Julia!“ – und zwar aus dem Mülleimer neben uns. Aus dem Mülleimer? Der Sache musste ich auf den Grund gehen. Also Mülleimerklappe auf, die durchfeuchtete Einweg-Maske von letzter Woche rein, und prompt sprach der Eimer zu uns. Allerdings nicht „Hallo, Julia!“ sondern „Halleluja“. Jetzt war es an mir, sich aufzuregen. „Gelobt sei Gott“ rufen nun also die Mülleimer in Trier als Dank dafür, dass man etwas hineinwirft statt daneben? Wenn das so weitergeht, macht demnächst niemand mehr Dinge, die selbstverständlich sind, ohne dafür mindestens mit zehn Ave Marias belohnt zu werden, oder was? Wobei das nach der Lobigung Gottes zumindest geschlechtergerecht wäre... Und wäre unsere weltoffene Stadt tatsächlich so weltoffen, wie manche behaupten, könnten die Eimer sich auch mit „Inschallah!“ bedanken – was auch nix anderes heißt als „so Gott will“, nur halt auf Arabisch.

Wo wir schon dabei sind: Wie wäre es, wenn die Geschwindigkeitsmessgeräte des Ordnungsamts den Rasern doch ein herzhaftes „Ätsch!“ beim Blitzen hinterherriefen? Und die Karl-Marx-Statue auf dem Simeonstiftplatz sollte nach jedem Grinse-Selfie, das Trierer oder Touristen davor machen „Völker, hört die Signale!“ anstimmen! Denn ganz ernsthaft: Wo die Mülleimer Halleluja singen, da kann das letzte Gefecht nicht mehr weit sein.

Meint zumindest: Euer Viezjupp!