Unter-/Oberkaiser Konstantin

Wir Trierer kennen uns natürlich aus in Stadtgeschichte und den Daten. Wenn Touristen nach dem Alter der Porta Nigra fragen, dann antworten wir stolz: Gut 2000 Jahre, so alt wie die Stadt. Amis, Holländer und Saarländer mögen das glauben - trotzdem stimmt es nicht.

Die Porta hat "nur" rund 1800 Jahre auf dem Buckel. Erst im späten 2. Jahrhundert erhielt Trier eine gewaltige Rundum-Befestigung. Dazu gehörte auch die Porta, die als einzige von mehreren Torburgen heute noch steht. Woher ich das weiß? Von einem Mitarbeiter des Landesmuseums, den Viezbruder Heinz letztens zum Stammtisch mitbrachte. Heinz meint nämlich, er müsse unsere "lokalhistorische Allgemeinbildung" auf Vordermann bringen, denn 2007 zur Ausstellung über "unseren" Kaiser Konstantin müssten wir doch fit sein für Touri-Fragen. Leicht gesagt! Denn unser Freund Konni stellt selbst Experten auf harte Proben. Auch der TV schrieb kürzlich was vom "1700. Geburtstag Konstantins" am 25. Juli. Völliger Quatsch, wie ich jetzt weiß. Am 25. Juli 306, direkt nach dem Tod seines Vaters Constantius Chlorus, wurde Konstantin zum Nachfolger bestimmt. Da war der Sohnemann, der so um 275 im heutigen Serbien (und nicht etwa in Trier) geboren wurde, schon um die 30. Das Dicke kommt aber erst: Unser Konni nannte sich direkt "Augustus", was doppelt anmaßend war. Augustus ist nämlich Oberkaiser. Wenn schon, dann hätte er als "Caesar" (Unterkaiser) anfangen müssen, aber das damalige Staatssystem mit mehreren Regenten, die sich die Herrschaft über das große Imperium teilten, sah gar keine Titelvererbung vor. Deshalb waren die Kollegen knatschig. Sie duldeten den Emporkömmling zwar, stuften ihn aber erst mal wieder zurück. Doch Schlitzohr Konstantin blieb am Ball. Bis 309 wechselte er noch mehrfach die Kaisertitel, um dann bis zu seinem Tod 337 dauerhaft auf Augustus zu machen und fleißig Widersacher aus dem Weg zu räumen. Spannend! Ich glaube, der gute Mann vom Museum muss nochmal zum Stammtisch kommen.