Unterm Strich fehlen 5000 Wohnungen in Trier

Kostenpflichtiger Inhalt: Stadtentwicklung : Unterm Strich fehlen 5000 Wohnungen in Trier

In Trier sind zu viele Wohnungen gebaut worden. Das sagt eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft. Dabei suchen viele Menschen vergebens nach einer Unterkunft. Der TV hat sich die Zahlen angeschaut und erklärt, wie das zusammenpasst.

Es ist ein Balanceakt. Sind zu viele Häuser und Wohnungen auf dem Markt, droht Leerstand. Ist die Nachfrage höher als das Angebot, steigen die Preise ins Uferlose. Es droht eine Immobilienblase. Laut einer Studie des Kölner Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) sind in Trier von 2016 bis 2018 zu viele Wohneinheiten fertiggestellt worden. Um genau zu sein 1531 und damit rund 30 Prozent mehr als nach dem vom Institut errechneten Bedarf. Dieser Zahl widerspricht die Stadtverwaltung Trier nicht. Sie rechnet jedoch vor, dass bei einer Betrachtung eines längeren Zeitraums die ganze Sache anders aussieht. Laut Amt für Stadtentwicklung sind seit 1985 rund 5000 Wohneinheiten weniger gebaut worden, als die bisherigen Stadträte als Zielvorgabe beschlossen haben (siehe Grafik). Somit sind laut Stadt nur knapp 89 Prozent der benötigten Wohneinheiten gebaut oder umgebaut worden.

Um sich diese 5000 Häuser und Wohnungen vorstellen zu können, muss man Vergleiche anstellen. Die Ortsgemeinde Waldrach in der Verbandsgemeinde Ruwer kommt beispielsweise laut Statistischem Landesamt auf rund ein Fünftel des Fehlbedarfs. Ziemlich genau 1000 Wohneinheiten. Die Stadt Saarburg mit ihren rund 3500 Wohneinheiten lässt sich locker in der Fehlbedarfszahl unterbringen.

Zahl der fertiggestellten Wohneinheiten in Trier. Foto: TV/Schramm, Johannes

Das sagt die Stadtverwaltung Die Fachabteilungen der Stadtverwaltung Trier haben auf einer fünfseitigen Informationsvorlage ihre Sicht der Dinge zusammengefasst. Das Ergebnis: Die Studie betrachte nur die Jahre 2016 bis 2018. „Für die vorherigen Jahre trifft die Studie keine Aussage“, sagt Stadtsprecher Ernst Mettlach. „Aus diesen Jahren resultieren jedoch entsprechende Nachholbedarfe.“ Eben die rund 5000 Wohneinheiten. Es sei „teils sehr viel weniger Wohnraum neu geschaffen worden, als benötigt wurde“. Das habe Folgen. Das Institut für Stadt-, Regional- und Wohnforschung habe 2013 festgestellt: „Gemessen an der stabilen Nachfrageentwicklung im Zeitraum 2001 bis 2011 belief sich die Neubautätigkeit in den kreisfreien Städten auf einem niedrigen bis sehr niedrigen Niveau. In Mainz und Trier führte diese Bauzurückhaltung zu den bereits heute erkennbaren Angebotsengpässen auf dem Markt.“

Das sagt der Verfasser der IW-Studie Professor Dr. Michael Voigtländer ist Leiter des Kompetenzfelds Finanzmärkte und Immobilienmärkte beim IW. Er sagt: „Gerade die fallenden Zinsen der letzten Jahre haben die Preise deutlich steigen lassen.“ Nach Daten des Forschungstitituts F+B stagnierten jedoch die Wiedervertragsmieten (neue Verträge im Bestand) in Trier seit 2017. Dies passe sehr gut zum Befund der von ihm und von Dr. Ralph Hengler erarbeiteten Studie und dem Überangebot in Trier. Voigtländer rät dazu, beim Wohnungsbau „vor allem vorsichtig zu sein“. Der langfristige Bedarf an Wohnungsneubau in Trier sinke auf unter 300 jährlich bis 2030. „Demnach ist es durchaus geboten, vorsichtiger im Wohnungsneubau zu agieren.“ Zu beachten sei auch, dass die Zahl der Studierenden nur noch bis Mitte der 20er Jahre wachse. Danach sei mit einem Rückgang zu rechnen. „Natürlich kann sich die Lage auch besser darstellen, etwa aufgrund von Migration aus Luxemburg oder Belgien, aber dies ist keineswegs sicher“, sagt der Professor.

Nun kann man sich auf den Standpunkt stellen, dass es für jede Meinung eine passende Studie gibt. In diesem Fall lohnt es sich besonders, Experten zu fragen.
Die Immobilienverwalter Dr. Stefan Ahrling ist Vorstand der Wohnungsbau und Treuhand AG (gbt), die nach eigener Angabe rund 6200 Wohnungen vor allem in der Stadt Trier betreut. Er sagt: „Wir sehen den Bedarf an bezahlbarem Wohnraum nach wie vor ungebrochen hoch. Leider gibt es nicht ausreichend Grundstücke auf dem Trierer Markt, so dass es auch uns schwer möglich ist, weitere freie Flächen zu bebauen.“ In den vergangenen Jahren hätten sich auf der Warteliste der gbt „konstant immer circa 750 Interessenten, die nach einer geeigneten Wohnung suchen“ befunden.

Die Bürger Auf der Seite der Redaktion Trier des Trierischen Volksfreunds im sozialen Netzwerk Facebook haben zahlreiche Trierer von ihren Erfahrungen mit dem Wohnungsmarkt berichtet. So würden nach Ansicht eines Kommentators in Trier zwar Wohnungen gebaut. „Die wenigen, die zur Miete gebaut werden, sind für einen Normalverdiener nicht zu bezahlen.“ Denn viele Menschen arbeiteten in Trier und nicht in Luxemburg, weswegen ihre Löhne und Gehälter um ein vielfaches niedriger seien.

Eine andere Kommentatorin nennt es eine Frechheit, „dass man in unserer Stadt keinen bezahlbaren Wohnraum mehr findet“. Sie suche für ihre Familie seit knapp drei Jahren nach einer Fünf-Zimmer-Wohnung, die nicht knapp 1100 Euro Kaltmiete pro Monat koste. Dies bestätigt ein weiterer Kommentator, wonach man für 110 Quadratmeter 1300 Euro Kaltmiete zahlen müsse. Er kommt zum Schluss: „Trier ist einfach nicht für Familien gemacht.“

Die Folgen Wie stark die Nachfrage nach Bauplätzen ist, hat sich jüngst gezeigt. Das Baugebiet BU 14 ist der letzte Bauabschnitt im Entwicklungsgebiet „Tarforster Höhe – Erweiterung“. Es gibt dort unter anderem 88 Baustellen für Einzelhäuser, von denen bereits 84 an private Bauherren vergeben wurden. Die letzten vier Baustellen wurden im Juli öffentlich ausgeschrieben. Daraufhin sind nach Auskunft der Stadtverwaltung 82 Bewerbungen beim Amt für Bodenmanagement und Geoinformation eingegangen.

Alle weiteren Infos zur Wohnbauentwicklung in Trier finden Sie hier auf einer Studie der Stadtverwaltung Trier.

Die Kommunalpolitik Bislang gibt nur eine Fläche, auf der die Stadt  großflächig Bauland ausweisen und vermarkten möchte. In Sichtweite des Stadtteils Mariahof sollen auf 30 Hektar rund 1000 Wohnungen entstehen. Bis zum Jahr 2034 sollten nach bisheriger Planung unweit des Brubacher Hofs bis zu 2600 Bürger ein neues Zuhause finden.

Laut Verwaltungssprecher Ernst Mettlach sind wegen eine Antrags von Grünen, UBT und Linken sowie des Antrags der AfD für den Stadtrat am 29. August „derzeit alle weiteren Arbeiten seitens der städtischen Ämter bezüglich der Vorbereitung der Suche eines Entwicklungsträgers eingestellt“. Auch weitere Beauftragungen oder Gespräche zum Grunderwerb seien ausgesetzt. Lediglich im Jahr 2018 beauftragte Untersuchungen zum Besucherlenkungskonzept Mat­theiser Wald und Artenschutz würden noch fertiggestellt.

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