Unwetter sorgt für Überflutungen im Ruwertal, in Kenn und im Hunsrück

Unwetter sorgt für Überflutungen im Ruwertal, in Kenn und im Hunsrück

Erdrutsche, überflutete Keller, umgestürzte Bäume, gesperrte Straßen – Einsatzkräfte waren am Donnerstag nach ungewöhnlich heftigen Regenfällen im Dauerstress. Betroffene sprechen von einem Jahrhundert-Unwetter.

Gewitter und Starkregen sorgten am Donnerstag am frühen Abend für chaotische Zustände in Teilen der Region. Besonders stark betroffen waren das untere Ruwertal und die Moselgemeinde Kenn. Auch der Hunsrück-Ort Hinzerath bekam einiges ab .

Allein 50 Einsatzstellen gab es nach Auskunft von Josef Hartmann, Wehrleiter der Verbandsgemeinde Ruwer, in Mertesdorf, Kasel und Waldrach. Etwa eine Stunde lang, von 16.30 bis 17.30 Uhr, regnete es ungewöhnlich stark - 30 bis 40 Liter auf den Quadratmeter. 15 Wehren mit rund 150 Feuerwehrleuten waren im Dauerstress: Sie pumpten Keller von Wohnhäusern leer und räumten Straßen frei, die durch umgestürzte Bäume oder abgerutschte Weinbergshänge unpassierbar wurden. In der Ortsmitte von Waldrach hatte sich so viel Wasser gesammelt, dass die Landesstraße 149 in Richtung Ruwer gesperrt werden musste.

Laut Wehrleiter Hartmann war auch die Rheinstraße in Trier-Ruwer überflutet - Durchkommen zwecklos. "Es kam alles ganz schnell", sagt Anwohner Hans Schneider, "das Wasser lief von der Kirche in einem Sturzbach herunter." Pfarrer Rainer Justen schaufelte mit einigen Helfern den Matsch aus der Kirche, da standen Keller und Sakristei schon unter Wasser.

Monika Thenot, Ortsvorsteherin von Trier-Ruwer, berichtet: "Zwei Stunden lang hat es in Strömen geschüttet, geblitzt und gedonnert. Man hatte das Gefühl, das Gewitter dreht sich über dem Ruwertal im Kreis." Eine der Hauptursachen der Wassermassen im Kenner Weg war offenbar der völlig überlastete Wenzelbach, der vom Berg oberhalb des Sportplatzes kommend teilweise unterirdisch vermauert unter dem Trierer Stadtteil hindurchführt und in die Ruwer mündet.

Im Kenner Weg, auf Höhe des Hauses Nummer elf, brach die unterirdische Mauer ein, der Wenzelbach trat an die Oberfläche und schwemmte Massen an Geröll und Schlamm auf die Straßen. Die Bewohner hatten am Abend regelrecht Angst, ihr Wohnhaus wieder zu betreten. "Hier sagen alle: So etwas haben wir noch nie erlebt", sagt Monika Thenot.

Auch der Ruwerer Ortsteil Eitelsbach war abgeschnitten. Thenot kam erst gegen 21.30 Uhr durch und sprach davon, es sehe "ganz furchtbar aus". Auf den Straßen habe sich der Asphalt gehoben. Am frühen Abend herrschte Chaos auf den Straßen, die Autofahrer wussten nicht nicht mehr, wohin sie noch ausweichen konnten. Zwischen der Raulsmühle und Lonzenburg, Nähe Gusterath, musste die Straße wegen eines umgestürzten Strommastes gesperrt werden.

Einen besonders heiklen Einsatz hatten die Feuerwehrleute im Neubaugebiet Am Johannesberg in Mertesdorf, unweit des Sportzentrums. Dort drohte der Damm eines Regenrückhaltebeckens zu brechen, weil es voll gelaufen war. Mit Hilfe zweier Tauchpumpen und Sandsäcken, mit denen der brüchige Erdwall befestigt wurde, konnte die Feuerwehr die Situation entschärfen und die angrenzenden Häuser vor großen Schäden bewahren.

Ortsbürgermeisterin Ruth Wilhelm war vor Ort: "So was habe ich noch nicht erlebt, das war ein Jahrhundert-Unwetter. Schon früher sagten die Leute hier, wenn's von Fell rüberzieht, dann wird's schlimm."
In der Verbandsgemeinde Schweich war Kenn am stärksten betroffen. "Stellenweise verheerend", so der Kommentar von Wehrleiter Alexander Loskyll. Mehrere Straßenzüge seien von Geröll- und Schlammlawinen überzogen worden, die sich aus Richtung Kenner Sang in den Ort ergossen. Die Feuerwehren der halben Verbandsgemeinde Schweich waren im Räumeinsatz, unterstützt von schwerem Gerät des Technischen Hilfswerks (THW) und von Privatfirmen.

TV-Wetterexperte Dominik Jung von wetter.net macht die tropisch schwüle Witterung ("Wie im Dschungel") für die Unwetter verantwortlich. Entwarnung kann er nicht geben: "Abkühlung ist nicht in Sicht - am Freitag kommen neue Gewitter."

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