Vortrag : Beispielhafter Neubeginn nach Niederlagen: Vom Sport fürs Leben lernen

Olympische Spiele und mehr: Im Vortrag „Die Macht des Sports“ im Dom St. Peter in Trier war die Meinung des erfahrenen Trierer Olympiateilnehmers Richard Schmidt zum Thema zu hören.

Sie sind das große Sportereignis in diesem Jahr, die Olympischen Winterspiele, die bis zum gestrigen Sonntag unter strengen Auflagen in der chinesischen Hauptstadt Peking stattfanden. Insgesamt bewiesen 2900 Athletinnen und Athleten aus 91 Nationen ihr Können in ganz verschiedenen Wintersport­disziplinen.

Trotz der langen Tradition und Geschichte der erstmals 1924 in Frankreich ausgetragenen Winterspiele fiel die Begeisterung in diesem Jahr aus verschiedenen Gründen bei vielen Zuschauern und Teilnehmern nicht mehr so euphorisch aus wie einst. Gründe dafür sind etwa die eigenwillige Politik des massiv in der Kritik stehenden IOC-Präsidenten Thomas Bach, aber vor allem die kaum zu bagatelli­sierende politische Lage in China. In einem Land, das demokratische Werte wie Meinungsfreiheit, informationelle Selbstbestimmung und allgemeine Menschenrechte offenkundig ablehnt, in dem Journalisten so abgeschottet werden, dass sie keine Berührungspunkte mit der Bevölkerung haben und in dem jede Bewegung und Textnachricht systematisch aufgezeichnet und ausgewertet wird. Ganz zu schweigen vom Umgang mit der muslimischen Volksgruppe der Uiguren.

 Weihbischof Franz Josef Gebert, Mitorganisator der Veranstaltungsreihe.
Weihbischof Franz Josef Gebert, Mitorganisator der Veranstaltungsreihe. Foto: Fabian Pütz-Antony

Was denken die Athleten selbst darüber? Was halten sie allgemein von Olympia 2022? Wie sehen sie ihre heutige Rolle in diesem medial stark ver­einnahmten Finanz­konstrukt. Und darf oder sollte sich ein Athlet überhaupt zu politischen Themen öffentlich äußern?

Darum und um so manches mehr ging es am Freitag beim dritten Vortrag der Reihe „Domwort“ mit dem Titel „Die Macht des Sports“. Es referierte Richard Schmidt, ehemaliger Riemenruderer, Athletensprecher des deutschen Ruderverbands und Olympia-Legende. Ein Mann, der durch seine Erfolge bei den Sommerspielen 2012 in London (Goldmedaille im Achter), sechs Weltmeistertitel und neun Europameistertitel die richtige Expertise mitbringt. Schmidt sprach in der sakralen Atmosphäre der Hohen Domkirche St. Peter. Er kennt die Entwicklungen nicht nur im Profisport, sondern auch in der Vereins- und der Jugendarbeit, im Training und in der Professionalisierung des Leistungs­sports. „Viele Sportler werden als Vorbilder von Jugendlichen zum Motivator für eigene Anstrengungen. Sport und körperliche Fitness können für manche zum zentralen Lebens­mittelpunkt werden“, sagte der 34-Jährige zur meist im Vordergrund stehenden „positiven Seite des Sports“. „Sich ständig herausfordern und anspornen nach Niederlagen wieder neu zu beginnen, das ist auch für andere Bereiche beispielhaft.“

Olympia als besondere Faszination hat Schmidt im Deutschland-Achter mehrfach erlebt und den besonderen Geist der Spiele mit Athleten aller Nationen gespürt. Dieser ist derzeit aller­dings merklich im Wandel und verliert scheinbar einiges von seiner einstigen Strahlkraft. Denn: „Sport hat bekanntlich eine gesellschaftliche und oftmals auch politische Dimension“, beginnt der Ex-Ruderer seine Kritik an der Macht des Sports. Seine eigenen Erfahrungen mit dieser Dimension im selbst­ ernannten Reich der Mitte beschreibt der Olympionike wie folgt: „Ich selbst erlebte China als sehr streng und perfektionistisch. Die Strahlkraft von Sport wird hier sehr stark von der Politik instrumentalisiert, und vieles geschieht auf dem Rücken der Athleten, die kaum ein Mitsprache­recht haben. Der ökonomische Hintergrund und Geld allgemein spielen eine sehr große Rolle bei fast allen wichtigen Entscheidungen, von denen die meisten erst mal intransparent für uns Athleten sind.“ Schmidt berichtet: „Da wir uns jahrelang auf dieses Event vorbereiten und sehr viel dafür investieren, ist es nicht leicht, aus politischen Gründen einfach abzusagen. Man spürt hier ständig dass es einfach nicht gewollt ist, dass Athleten sich zu Dingen äußern, die über den Sport selbst hinausgehen.“ Auch wenn viele sich gerne äußern würden oder bereit zu einem Statement wären – „es wird ihnen dort nicht leicht gemacht. Im schlimmsten Fall kann das ernste Folgen mit sich bringen.“

Die persönliche Definition des Sportbegriffs ist dagegen allgemein sehr positiv assoziiert. Der Vollständigkeit halber berichtet der Ex-Ruderer neben all den positiven Auswirkungen von Sport, die er gesteht, auch sehr differenziert und offen über die Erfahrung mit der Schattenseite: „Lange bei hohem Niveau kompetitiv vorn mit dabei zu sein hat den eher ungesunden Nebeneffekt, dass man sich irgendwann chronisch mit anderen vergleicht und oft mit sich selber unzufrieden ist.“ Druck und Erwartungen seien zum Teil so hoch, „dass man sich nicht mehr krankschreiben lassen darf, weil man sonst vielleicht schneller aus dem Team rausfliegt als einem lieb ist“. Schmidt sagt: „Freude sollte wieder eine größere Rolle für die Trainer spielen und ist wichtiger als Erfolg“. 

Organisiert hat die Veranstaltungsreihe das Bistum Trier unter der Leitung der Domkapitel-Vertreter Simone Thiel und Weihbischof Franz Josef Gebert. Letzterer beendete den Vortrag eindringlich mit den passenden Worten: „Wir sollten alle nie vergessen, dass Macht vielseitig negativ wirksam sein kann und dass es immer auch eine andere Seite gibt. Die Macht des Sports ist eine allgemein gute und wichtige Gestaltungsmacht für viele junge Menschen und bereichert die Gesellschaft durch die Freude, die wir daraus schöpfen.“