Verantwortung übernehmen

Die Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und in Baden-Würtemberg haben gezeigt, dass die Frage nach dem Nutzen der Kernenergie für die Menschen in unserem Land eine große Rolle spielt. Die Beschädigung der Reaktoren in Fukushima hat die Gefährlichkeit der Kernenergie erneut vor Augen geführt.

Jenseits der Wahlen geht es dabei für mich um die Grenze des menschlich Machbaren und um Verantwortung. Wer diese Grenze missachtet und überschreitet, setzt sich an die Stelle Gottes - mit negativen Folgen für die Menschen.

Jetzt höre ich Sätze wie: "Der Reaktor liegt in Gottes Hand." Wenn etwas schief läuft, rufen Menschen nach Gott, auch solche, die ansonsten nicht nach Gott fragen. Wie ein Kind, das sich hilfesuchend an Vater oder Mutter wendet, wenn es etwas angestellt hat. "Der Papa wird's schon richten", heißt es in einem Lied. Gott soll die Katastrophe eindämmen und eine Ausbreitung der Verstrahlung und Verseuchung verhindern und damit die Folgen der menschlichen Fehler eindämmen. Der Einsatz der Arbeiter, die freiwillig oder gezwungen bis zur völligen Erschöpfung arbeiten und ihr Leben opfern, wird vergessen werden, in dem Maße, wie man sich an Katastrophenmeldungen gewöhnt.

Ich halte es allgemein für wichtig, im Vertrauen auf Gott zu leben und zu handeln, aber in mündiger Weise. Dazu gehört, verantwortungsvoll mit Energie umzugehen und sie in Einklang mit der Schöpfung zu nutzen. Die neuen Regierungsbündnisse können dazu beitragen. Entscheidend aber ist das schöpfungsgemäße verantwortungsbewusste Handeln des Einzelnen.

Pfarrerin Elke Füllmann-Ostertag, Saarburg