Verborgene Schätze

TRIER. (kat) Das Theaterschiff "Niagara" legte am Zurlaubener Ufer an. Die "TheaterCompagnie Lion" reist mit ihrem neuen zweisprachigen Theaterstück "Schule der Piraten – L´école des pirates" durch das Dreiländereck und fesselte in Trier kleine und große Piratenschüler.

Die schwarze Piratenflagge mit Totenkopf flattert im Herbstwind. Regen prasselt auf den Schiffssteg. Hundert Erwachsene und Kinder gehen am Zurlauberner Ufer an Bord der "Niagara". Im Bauch des Theaterschiffes, eines umgebauten alten Lastkahns, nehmen die Zuschauer auf Kisten, Bänken und Sandsäcken Platz. Die Schiffsglocke läutet. Der Seeräuberspaß beginnt. "Ahoi. Willkommen in der Piratenschule", begrüßt Compagnie-Leiter Frank Lion, der das neue Stück geschrieben und inszeniert hat, die abenteuerhungrigen Zuschauer. Er erzählt, dass sie vor zwei Wochen in Nancy die Leinen losgelassen haben und durch Frankreich, das Saarland, Rheinland-Pfalz und Luxemburg schippern, anlegen und Theater spielen. Dann überlässt Lion Piraten, einem sprachbegabten Papagei, einer schönen reichen Insulanerin, die sich in ihrem goldenen Käfig langweilt, und ihrem nervenden Verehrer die Bühne. "In der Schule der Piraten wird man schnell zum Teufelsbraten…", singen der Pirat Barbue (Gabriele Bernstein) und zwei Leichtmatrosen (Purk Reuleaux und Andreas Mathieu). Säbel blitzen, die Seeleute pöbeln. Einigen Kindern, die einen Platz vor der Bühne ergattert haben, ist das Geschehen am Steuerrad nicht geheuer. Sie "flüchten" zu ihren Eltern. Nachdem sich alle in Sicherheit wägen, wandern der Spot und die Blicke Richtung Kajütentür. Robert (Vincenzo Di Rosa) rollt auf einem Miniboot, vorbei am Publikum, zur Bühne. Die Handlung: Robert, der kleine Pirat, der bisher mehr Erfahrungen in der Kombüse sammelte, als Schiffe zu entern, wurde ausgesetzt. Piratenkapitän Barbue heuert ihn als Koch an. Kaum an Bord, spülen die Wellen Robert eine Flaschenpost in die Kombüse. Der Brief ist von Pirouette, der Tochter des französischen Inselkommandanten. Sie verspricht demjenigen, der sie rettet, einen Schatz. Die Geschichte ist so spannend und witzig, die schauspielerische Leistung der Akteure so gut, dass die französisch gesprochenen Passagen auch die nicht Französisch sprechenden Zuschauer nicht aus der Handlung reißen. Die Rechnung von Piratenschule-Chef Frank Lion, Kinder früh und mit Begeisterung an eine fremde Sprache heranzuführen, ging in Trier auf. Es ist ihm gelungen, anspruchsvolle und kindgerechte Unterhaltung zu vereinen. Lediglich die Anfangsszenen könnten die Frage aufwerfen, ob sie nicht sanfter gestaltet werden könnten. Aber auch die ängstlicheren Kinder hatten schnell wieder Zutrauen gefunden und sich dann doch von den Eltern gelöst. Die Neugierde, ganz vorne zu sein, wenn die Piraten von Popelpaste und flambierten Schnürsenkeln erzählen, hatte das flaue Gefühl besiegt.

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