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Vereinigte Hospitien Trier präsentieren zehn berührende Lebenswege

Buchvorstellung : Vereinigte Hospitien präsentieren zehn berührende Lebenswege: Leben, erleben, gelebt

Die Vereinigten Hospitien haben ein Buch mit zehn Biografien ihrer Bewohner herausgegeben. Der TV hat mit der Autorin und einem Protagonisten über das besondere Buchprojekt aus Trier gesprochen.

Die Triererin Anneliese Lürenbaum sollte im September 1944 in Dresden ihre Ausbildung zur Dolmetscherin beginnen. Als sie hörte, dass die Fahrtstrecke von Trier nach Dresden bombardiert worden war, entschied sie sich, bei ihrer Mutter in Trier zu bleiben. Diese Entscheidung hat ihr vielleicht das Leben gerettet. Vielleicht wäre Lürenbaum im Februar 1945 im Bombenhagel auf Dresden ums Leben gekommen.

Die Geschichte von Anneliese Lürenbaum ist eine von zehn spannenden Kurz-Biografien aus dem Buch „Lebenswege. Leben, erleben, gelebt“, das die Vereinigten Hospitien frisch herausgegeben haben. Die zehn Biografien von Bewohnern der Einrichtungen der Vereinigten Hospitien sollen stellvertretend für die vielen tausend Menschen stehen, die in den vergangenen Jahren bei den Vereinigten Hospitien ein neues Zuhause gefunden haben. Sie sollen zeigen, wie einzigartig die Biografien aller Bewohner sind. „Das Buch gibt den vielen Menschen ein Gesicht“, sagt die Stiftungsdirektorin der Vereinigten Hospitien, Dr. Yvonne Russell.

Die Ideengeberin und Verfasserin des Buches ist die in Trier lebende Marianne Binzen. Sie hat über ein Jahr lang Gespräche mit den zehn Protagonisten geführt, nachgefragt und porträtiert. Die Interviewpartner entschieden, welche Ereignisse sie als prägend und wegweisend erlebten. Binzen schrieb die Erzählungen dann auf und passte sie dem Sprachstil ihrer Protagonisten an. „Mir hat diese Arbeit durchgehend Spaß gemacht“, erzählt die Autorin. Besonders dankbar sei sie dafür, wie offen und ehrlich die Interviewpartner ihr begegnet seien.

Einige hätten dem Projekt jedoch zunächst skeptisch gegenübergestanden. Sie hätten gefragt: „Mein Leben in einem Buch? Aber mein Leben war doch ganz normal!“ Binzen widerspricht: „Jeder, der keinen Promifaktor hat, denkt, sein Leben sei es nicht wert, aufgeschrieben zu werden.“ Dabei seien die Lebenswege der Protagonisten so interessant und individuell. Sie war daher froh, dass sie die anfängliche Skepsis schnell beseitigen konnte und viele spannende Gespräche führen durfte.

Walter Bongartz lebt im Willibrordstift der Vereinigten Hospitien und ist einer der zehn Protagonisten. „Ich war überrascht, dass ich angesprochen wurde, etwas aus meinem Leben zu erzählen“, erinnert sich der 85-jährige Pfarrer im Ruhestand. „Mein Leben ist noch viel reicher gewesen, als es hier beschrieben ist“, sagt er. Aber das Buch gebe einen Gesamtüberblick und es sei schön, dass er seiner Verwandtschaft auf diese Weise seine Geschichte erzählen könne.

„In diesem Buch geht es um die Erlebnisse. Das ist viel wichtiger als Ahnenforschung“, findet Bongartz. Die Gespräche mit Binzen fand er stets interessant. Die Autorin habe eine sehr angenehme Art und Weise.

Die Idee zum Buch kam Marianne Binzen schon vor mehreren Jahren. Damals besuchte sie ihre Mutter regelmäßig im Alten- und Pflegeheim der Vereinigten Hospitien und lernte dadurch viele andere ältere und hochbetagte Bewohner der Einrichtung kennen. Dabei wurde ihr klar, wie anders die Lebenswege von Menschen der Kriegsgeneration im Vergleich zu heutigen Biografien seien. Sie wollte einige Geschichten der dort lebenden Menschen daher unbedingt für nachfolgende Generationen erhalten.

Als sie das Konzept für ihr Buch der Stiftungsdirektion vorstellte, sei diese von der Idee begeistert gewesen und erklärte sich bereit, als Herausgeber des Buches die Kosten zu tragen.

Im Januar 2020 startete Binzen dann mit den Interviews. Durch die Pandemie und zwei Besucherstopps in den Einrichtungen der Vereinigten Hospitien wurde das Projekt zwangsläufig unterbrochen und auch der Erscheinungstermin musste verschoben werden. Jetzt ist das Buch endlich erschienen.

Zur Buchvorstellung im Römersaal der Vereinigten Hospitien sind alle noch lebenden Protagonisten mit Angehörigen erschienen. Zwei der porträtierten Bewohner der Vereinigten Hospitien sind inzwischen verstorben. „Ich bin gerührt, und für mich ist es ein wunderbarer Tag“, sagt Binzen bei der Buchvorstellung.

Für die Stiftungsdirektorin Yvonne Russell ist das Buch „ein Herzensprojekt“. Der Stiftungsrat der Vereinigten Hospitien hat das Buch bereits erhalten. Und auch alle mehr als 500 Mitarbeiter der Vereinigten Hospitien bekommen das Buch zu Weihnachten geschenkt. Marianne Binzen empfiehlt das Buch „jedem, der sich auch nur einen Funken für Menschen interessiert.“

Das Buch „Lebenswege. Leben, erleben, gelebt“, herausgegeben von den Vereinigten Hospitien und verfasst von Marianne Binzen, ist für 15 Euro exklusiv erhältlich bei den Vereinigten Hospitien.