Verhärtete Fronten: Umzug des Müllhofs bleibt Streitthema im Ruwertal

Mertesdorf · Die mögliche Ansiedlung des Zweckverbands Abfallwirtschaft im Raum Trier (ART) in Mertesdorf sorgt weiterhin für Zündstoff und Konflikte. Auch in den Arbeitskreisen der Dorfmoderation prallen die unterschiedlichen Standpunkte zu dem Thema aufeinander.

Mertesdorf. Viele grüne Kreuzchen sind auf der Karte von Mertesdorf eingezeichnet. Ein gutes Zeichen, denn die farbig markierten Häuser zeigen: Diese Dächer lassen sich für Solartechnik nutzen. In Gruppenarbeit haben die zehn Teilnehmer der Arbeitsgruppe "Wirtschaft, Verkehr, Energie und Umwelt" eingezeichnet, welche Häuser für die neue Art der Energiegewinnung geeignet sind. Das Ergebnis: Auf rund 85 Prozent der Mertesdorfer Dächer ließen sich Solarmodule aufbauen.
ART-Verlagerung schürt Konflikt


Doch nicht immer verläuft die Dorfmoderation, mit der sich Mertesdorf wie andere Gemeinden auch (siehe Extra) als attraktiver Wohn- und Lebensort zukunftsfähig machen möchte, so harmonisch wie beim Thema Energie. Bei der möglichen Ansiedlung des ART in Mertesdorf fliegen in den Dorfrunden auch schon mal die Fetzen.
Hintergrund: Der Zweckverband überlegt, an der K 77 auf der Gemarkung Mertesdorf seinen Betriebshof und seine Verwaltung unterzubringen. Nötig wird der Umzug, weil die Stadt Trier das Gelände an der Löwenbrückener Straße in Trier-Süd, auf dem der ART seinen Sitz hat, anderweitig nutzen möchte. Diese Planungen haben in Mertesdorf einen Konflikt ins Rollen gebracht, aus dem auch eine Interessengemeinschaft (IG) "Zukunftsfähige Ortsentwicklung" entstanden ist. Der lose Verbund von Mertesdorfer Bürgern hat es sich zum Ziel gesetzt, den Zuzug des ART zu verhindern.
Diese kritische Sichtweise der IG-Mitglieder hat sich auch bei einem ersten Treffen der Arbeitsgruppe "Wirtschaft, Verkehr, Energie und Umwelt" bemerkbar gemacht. Bei diesem Termin Ende September ging es um die Wirtschaftsentwicklung in Mertesdorf und auch darum, welche Konsequenzen die Ansiedlung des ART in der Gemeinde haben könnte. "Es entstanden heftige und längere Diskussionen an diesem Abend", berichtet Moderatorin Rosa Vollmuth. In ihrem Protokoll über diese Sitzung schreibt sie: "Hier spiegelt die Bürgerbeteiligung die Sicht einiger sehr aktiver Bürger wider, die vor allem ruhig und beschaulich in ihrer Gemeinde leben wollen und zu aggressiv auf viele Vorschläge reagieren."
In der jüngsten Sitzung der Runde entflammte wegen solcher Sätze erneut eine Diskussion. Einige Teilnehmer werfen der Moderatorin mangelnde Neutralität vor. "Es ist keine Schande, in einem Schlafdorf wohnen zu wollen. Es ist legitim, wenn die Leute versuchen, ihre Wohnqualität zu verteidigen", meint Projektgegner Jörg Hasler. Vollmuth, die seit zehn Jahren Dorfmoderationen leitet, wehrt sich dagegen. "Ich habe so eine verbale Gewalt wie an diesem Abend noch nie erlebt." Es sei richtig, dass eine Moderatorin neutral sein müsse. Es sei aber auch wichtig, dass offen über alle Möglichkeiten diskutiert werde.
Im Gespräch mit dem TV erklärt Vollmuth, dass sie einem Zuzug des ART durchaus positiv gegenüberstehe. Sie könne aber auch die Bedenken vieler Bürger aus Mertesdorf verstehen. Der Zuzug des ART locke weitere Gewerbebetriebe nach Mertesdorf, auch ließen sich die Reststoffe der Abfallentsorgung "vielleicht irgendwann zur Energiegewinnung nutzen". Den konfliktauslösenden Passus aus dem Protokoll will Vollmuth dennoch streichen lassen. Ruth Wilhelm, Ortsbürgermeisterin von Mertesdorf, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.Meinung

Andere Argumente zulassen
Die Diskussionen um die mögliche ART-Verlagerung sorgen für ordentlich Zündstoff in Mertesdorf. Es ist durchaus legitim, wenn die Bewohner des Ortes um ihre Ruhe und Abgeschiedenheit in der Stadtrandgemeinde fürchten. Es ist klar, dass diese Aspekte für so manchen einen größeren Stellenwert haben als steigende Gewerbesteuereinnahmen und mögliche Energieressourcen. Keinesfalls gutheißen lässt sich aber, wenn die Projektgegner den Argumenten der anderen Seite erst gar keine Chance einräumen und kein Ohr schenken. Eine Diskussion funktioniert nun mal nur, wenn beide Parteien klare Positionen beziehen können. Nur auf dieser Basis lässt sich eine Lösung finden. Und nur so entwickelt sich Mertesdorf weiter. a.scholz@volksfreund.deExtra

Die Arbeitsgruppe "Wirtschaft, Verkehr, Energie und Umwelt" ist nur eine von vier Arbeitsgruppen, die seit Mai im Rahmen einer Dorfmoderation unter dem Titel "Zukunftswerkstatt Mertesdorf" Kritik und Ideen einbringt und eigene Projekte erarbeitet (der TV berichtete). Auch zu den Themenfeldern "Kinder und Jugendliche", "Kultur und Soziales" und "Ortskern-Entwicklung" erarbeiten Mertesdorfer gemeinsam mit Moderatorin Rosa Vollmuth (Planungsbüro Vollmuth aus Kanzem) neue Konzepte. Zu jedem Arbeitstreffen gibt es Protokolle, die auf der Homepage der Gemeinde Mertesdorf veröffentlicht werden. Das Planungsbüro hat rund ein Jahr lang Zeit, neue Konzepte für Mertesdorf zusammen mit den Bürgern zu erarbeiten. Am Ende der Dorfmoderation bekommt der Gemeinderat eine Fülle von Projektvorschlägen, deren Realisierungspotenzial er prüfen kann. asExtra

Föhren: Unter Federführung eines Steuerungskreises wird parteiübergreifend und in Zusammenarbeit mit zahlreichen Bürgern an der sozialen Weiterentwicklung des Meulenwaldortes gearbeitet. Seit etwa einem Jahr tagen die Arbeitskreise Freizeit, Mobilität und Gesundheit. Es wurden unter anderem monatliche Treffs organisiert (Volksliedersingen) und Kurse (Senioren online) angeboten. In Vorbereitung sind Betreuungsangebote für an Demenz erkrankte Mitbürger. Am Sonntag, 30. Oktober, werden ab 11.30 Uhr die Aktivitäten der Arbeitsgruppen im Bürger- und Vereinshaus vorgestellt. Trierweiler: Der Gemeinderat und das Uni-Institut "Taurus pro" präsentieren am Donnerstag, 20. Oktober, ab 19 Uhr im Gemeindehaus Trierweiler die Ergebnisse der Dorfmoderation. In drei Arbeitsgruppen und einem Online-Forum wurden in dem 3700-Einwohner-Ort Lösungsansätze für die Themenfelder Senioren, Jugendliche, Ortskern Sirzenich, bürgerschaftliches Engagement, Bürgerbus und Bürgerbüro entwickelt. Langsur: Erste Projekte wurden bei der Dorfmoderation in Langsur umgesetzt. So wird der diesjährige Kirmessonntag (20. November) als Tag der Vereine ausgerichtet. Dort sollen sich Vereine vorstellen und neue Mitglieder werben. Ein Bürgerbus soll künftig Strecken bedienen, die für Busunternehmen unrentabel sind. Ferner geplant: ein Dorfcafé als kommunikativer Treffpunkt und eine Bücherei. alf