Verkehr : Nachwuchs für den Poar-Bus

Seit mehr als drei Monaten fährt der Bürgerbus Poar Menschen kostenlos zum Arzt und zum Einkaufen. Nun haben die Aktiven eine erste Bilanz gezogen.

Es sind nicht nur Senioren, die sich im Schöndorfer Andreashaus versammelt haben, um gemeinsam zu frühstücken und über ihre Arbeit zu reden. Es ist auch eine junge Familie unter ihnen: Dominik Göbel, seine Frau Laura und ihr acht Monate altes Baby Dirk. Seit zwei Jahren wohnen sie in Holzerath und möchten sich nun als Helfer im Bürgerbus-Projekt einbringen, weil nach ihrer Meinung die Mobilität auf dem Land ein wichtiges Thema  der Zukunft ist.

Und wenn einmal künftig das Telefon in der Zentrale des Rufbusses klingeln und ein Bewohner der sogenannten Poar (steht für Pfarreiengemeinschaft der Orte Hinzenburg, Ollmuth, Schöndorf, Bonerath, Holzerath) Bedarf für eine Fahrt zum Arzt oder zum Physiotherapeuten anmelden sollte, kann es sein, dass Baby Dirk, bei der Mutter verweilend, nun auch ein lautstarkes Wörtchen mitreden möchte.

Den neuen Nachwuchs begrüßt Projektleiter Albert Backes mit sichtbarem Stolz: Ehrenamtler 31, 32 und 32einhalb. In einer professionellen Power-Point-Präsentation stellt Backes den rund 40 Anwesenden die Ergebnisse des seit etwas mehr als 100 Tagen laufenden Projektes vor. „Wir fahren zwei Mal die Woche und haben pro Tag im Schnitt fünf Fahrgäste. Eine 40-jährige Frau, die wegen einer Verletzung nicht mehr Auto fahren konnte und zum Physiotherapeuten gefahren werden musste, war der jüngste Fahrgast. Insgesamt haben wir schon 181 mobil eingeschränkte Menschen kostenlos befördert, wobei die Arzttermine vor dem Friedhof und der Kirche kommen“, erklärt der 65-jährige tatkräftige Holzerather. „Unsere Fahrer nehmen immer einen Beifahrer mit, und wenn die Einkäufe mal zu schwer sein sollten, tragen unsere Begleiter auch gerne die Lebensmittel in die Küche.“

Einer der hilfsbereiten Beifahrer ist der 70-jährige Arnold Haupenthal aus Ollmuth, der mit dem 66-jährigen Hinzenburger Josef Jäckels die Touren im Ford Transit gemeinsam fährt. „Wir beide sind ein gutes Team und haben viel Spaß“, erzählt der humorvolle Rentner Jäckels. „Wenn unsere Fahrgäste kommen, müssen wir unser Radio ausmachen, denn sie haben meist viel zu erzählen.“ Die meisten seien schließlich Damen, berichtet Haupenthal und schmunzelt.

„Eine Dame wurde von uns schon dreimal in die Augenklinik auf den Petrisberg gefahren. Sie war sehr froh und dankbar darüber. Wenn es Probleme gibt beim Einsteigen, dann helfen wir natürlich und schieben ein bisschen“, verraten die beiden fröhlichen Senioren. Neben dem Duo Haupenthal/Jäckels berichtet auch ein anderer Fahrer von positiven Erfahrungen. Er habe eine ältere Dame befördert, die zu ihm gesagt habe: „Es ist so schön, in diesem Alter noch mal so umsorgt zu werden.“ Woraufhin Projektleiter Backes von einer „riesengroßen Dankbarkeit der Fahrgäste“ spricht.

Die sozialen Kontakte spielen beim Fahrdienst in der Poar eine große Rolle. Das Angebot ist kostenlos und wird durch Spenden und kommunale Zuschüsse gefördert.  „Das ist auch der entscheidende Unterschied zum ÖPNV (Öffentlichen Personennahverkehr)“, so berichtet Holger Jansen, Berater von Bürgerbusprojekten in Rheinland-Pfalz, der auch am Arbeitsfrühstück teilnimmt.

„Busfahrer im ÖPNV helfen Menschen mit Mobilitätseinschränkungen in der Regel nicht beim Ein- oder Aussteigen“, sagt der studierte Verkehrsplaner. Der Poar-Bus will und kann keine Konkurrenz für den ÖPNV sein, darüber sind sich der Fachmann und die Ehrenamtler beim Arbeitsfrühstück einig. Während die Helfer gemütlich und in entspannter Atmosphäre frühstücken, verteilt Koordinator Erwin Bales die im neuen Jahr anstehenden Touren an freiwillige Fahrer.

Inzwischen sind nach der Jungfernfahrt am 31. August mehr als 100 Tage vergangen. Die Trendlinie in der Fahrgaststatistik zeigt steil nach oben. Im September wurden 26 Fahrgäste gezählt. Im Oktober waren es 46 und im November bereits 59 Fahrgäste. Die Projektmacher und Ehrenamtlichen sind zufrieden. Verbesserungsvorschläge werden im Laufe des Arbeitsfrühstückes keine gemacht. Und von Stephanie Nickels, der designierten Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Ruwer, gibt es am Ende des gemütlichen Arbeitsfrühstücks auch noch ein dickes Lob.

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