Verkehr verkehrt

FEYEN-WEISMARK. Von den Stadtbussen vernachlässigt, vom Durchgangsverkehr überrollt: Angesichts dieser Situation könnten so manchem Stadtteil-Bewohner graue Haare wachsen.

Morgens zwischen 7 und 8 Uhr ist die Welt in Weismark alles andere als in Ordnung. Autofahrer aus Richtung Pellingen, die das Moselufer umfahren wollen, brettern mit hohem Tempo über die Straßen Zum Pfahlweiher und Auf der Weismark in die City. Ab 16 Uhr an Werktagen rollt die Blechlawine dann wieder stadtauswärts durch die Wohngebiete. Bitter enttäuscht darüber, dass der Verkehr nicht gleichmäßig aufgeteilt wird, ist Willi Lenz. Er wohnt Im Reutersfeld. Seitdem die Clara-Viebig-Straße an der ehemaligen Franzosensiedlung in eine Anliegerstraße umgewandelt wurde, bahnen sich ungeduldige Autofahrer auf der engen Straße über viele Schlaglöcher und holpriges Kopfsteinpflaster ihren Weg in die City. Das ist nicht nur sehr laut, sondern auch gefährlich: Die Kinder, die von der "Siedlung" um die Kirche St. Valerius zum Kindergarten gehen, müssen den engen Bürgersteig bei dem morgendlich sehr starken Verkehr passieren. Schleichverkehr auch Am Römersprudel

Nicht nachvollziehbar ist für Willi Lenz, wieso die Straße um das neue Wohngebiet an der Clara-Viebig-Straße vor zwei Jahren verkehrsberuhigt wurde, der Verkehr dafür aber durch das Wohngebiet Zum Pfahlweiher geführt wird. "Wir wohnen schon 60 Jahre hier oben. Jetzt schiebt man uns den Verkehr hierher", macht er seinem Ärger Luft. Seine Forderung: Gleichbehandlung, also Tempo 30, auch für den Pfahlweiher und so den Verkehr aus dem Umland aus dem Wohngebiet möglichst fernhalten. Einen weiteren Missstand schildert Sigurd Liebeskind aus der Straße Am Römersprudel: "Seit mehreren Jahren bitten wir Polizei und Stadt um Hilfe, da einige Verkehrsteilnehmer den Fuß-/Radweg, der an unseren Gärten vorbeiführt, regelmäßig als Durchfahrtsstraße benutzen. ‚Da hängt ein Schild, und dann dürfen die das auch nicht.‘ war leider das einzige, was uns gesagt wurde. Aber Kontrollen gibt es keine." Während sich die einen vom Durchgangsverkehr überrollt fühlen, empfinden andere, dass der Stadtteil vom Linienverkehr vernachlässigt wird. Einen Bus in die Innenstadt kann man in Feyen-Weismark nur alle halbe Stunde nehmen, samsags nach 17 Uhr und sonntags sogar nur einmal die Stunde. Abends ist um 23.30 Uhr Zapfenstreich, dann fährt der letzte Bus am Hauptbahnhof ab. "Wenn man in die Stadt runter will, kann man sich ja noch danach richten. Aber schlecht ist es, wenn man wieder heimfahren will", berichtet Rosa Lenz. "Mir ist es schon oft passiert, dass der Bus gerade eben weg war. Dann musste ich eine halbe Stunde warten." Die 79-Jährige wohnt Am Bildstock und weiß: Das war nicht immer so. Früher fuhr alle 15 Minuten ein Bus. Erst seit der Fahrplanumstellung im Dezember 2002 rangiert Feyen-Weismark auf den hinteren Plätzen bei der Anbindung an den Stadtbusverkehr. Die Linie 3 wurde mit der Linie 40 (Zewen/Igel) zusammengelegt. Wenn Rosa Lenz jetzt aus der Stadt nach Hause fahren will, muss sie ganz genau schauen, bevor sie in einen Bus der Linie 3 einsteigt. Nur die Linie 3 mit der Aufschrift "Feyen Weismark" bringt sie zurück, nicht aber die Linie 3 "Igel" oder "Feyen St. Medard". Für die Stadtwerke kein Grund zur Beunruhigung: "Wie die aktuellen Fahrgastzahlen belegen, reicht dieses Angebot gut aus, um den ÖPNV-Bedarf zu decken", sagt Andreas Wagner, verantwortlich für Marketing und Kommunikation. Er verweist darauf, dass zu Spitzenzeiten, vor allem morgens im Schülerverkehr, das Busangebot unverändert sei. Schlechte Bus-Anbindung auch für Südbad-Besucher

"Überhaupt nicht bedacht haben die Stadtwerke, dass wir hier das Südbad haben", kontert Ortsvorsteher Michael Jacoby. Nun im Sommer quetscht sich so dort eine lange Fahrgast-Schlange in den hoffnungslos überfüllten Gelenkbus. Die Änderungvorschläge des CDU-Kommunalpolitikers stießen bislang bei den Stadtwerken auf taube Ohren. Auch diejenigen, die früher gerne den Bus zur Arbeit genommen haben, fahren wegen der großen Zeitspanne zwischen den Abfahrten inzwischen wieder mit den Auto - und sie reihen sich damit in die Blechlawine auf der Weismark ein.

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