VERKEHR

Zum Leserbrief "Die Stadt will keinen Präzedenzfall" (TV vom 15. Juni):

Eine Verwaltung, der die Bedürfnisse ihrer Bürger lästig sind, verliert ihre Existenzberechtigung. Wenn man den Leserbrief liest, muss man sich um die Existenzberechtigung des Trierer Tiefbauamts ernsthafte Sorgen machen. Ein viel genutzter Schleichweg von den Höhenstadtteilen in die Stadt führt über den Petrisberg. Die Anlieger sind überwiegend Jungfamilien mit kleinen Kindern. Entsprechend ist die Straße als Tempo-30-Zone ausgewiesen - was von den Autofahrern aber weitgehend ignoriert wird. Der Ortsbeirat Kürenz hatte deshalb dem Tiefbauamt vorgeschlagen, die Zone durch sogenannte Berliner Kissen zu stärken. Das Amt hat diesen Vorschlag ein Dreivierteljahr liegenlassen und dann eine knapp begründete Ablehnung übermittelt. Die Begründung des Tiefbauamtes ist in zweifacher Hinsicht schockierend: Sie offenbart eine tief verankerte Unwilligkeit, sich mit neuen preiswerteren Lösungsansätzen überhaupt nur zu befassen. Und sie stellt klar, dass das Amt konstruktive Vorschläge allein deshalb schon blockiert, weil sie sich auch für andere Bürger anbieten könnten ("Ein Einbau von Berliner Kissen würde eine Vielzahl von Begehrlichkeiten im gesamten Stadtgebiet nach sich ziehen."). Eine bürgerorientierte Behörde würde aus eigener Initiative auf gute Lösungsvorschläge für die Sorgen und Probleme ihrer Bürger kommen. Wenn sie dies versäumt hätte, dann würde sie wenigstens prüfen, ob der vom Ortsbeirat angebotene Lösungsvorschlag vielversprechend ist. Sie hätte bei der Stadtverwaltung in Mayen angerufen, die seit Jahren mit Berliner Kissen arbeitet und eine überzeugte Verfechterin dieses Konzeptes ist. Sie hätte dem Ortsbeirat Kürenz mitgeteilt, dass die eigenen Recherchen ergeben haben, dass das Konzept auch in Trier ausprobiert werden sollte - zunächst im Rahmen eines Pilotprojektes. Die Führungsebene des Trie rer Tiefbauamts offenbart mit ihrem Vorgehen, dass ihr die Bedürfnisse ihrer Bürger einfach nur lästig sind. Das haben weder die Trierer Bürger noch die vielen engagierten Mitarbeiter der Stadtverwaltung verdient. Ludwig von Auer, Trier