Verkehrs-Opfer

TRIER. Nanu? Das Gebäude rechts im Hintergrund kennt man doch. Aber das davor? Des Rätsels Lösung: Das Foto zeigt die Martinsmühle am Trierer Martinsufer. Im Herbst 1963 verschwand sie von Bildfläche, weil sie dem Ausbau der Moselufer-Straße im Wege stand.

Das östliche Moselufer zwischen Zurlauben und der einstigen Benediktinerkloster St. Martin zählt zu den Stellen Triers, die in den vergangenen 150 Jahren gleich mehrfach radikalen Veränderungen unterworfen waren. Im ausgehenden 19. Jahrhundert war es vorbei mit der Vorstadt-Idylle. Nach dem Fall der überflüssig gewordenen Stadtmauer expandierte die zuvor eingeengte Stadt und verleibte sich rasch das einstige Fischerdorf Zurlauben ein. 1913 weihte Kaiser Wilhelm II. die nach ihm benannte "neue" Moselbrücke ein, und Ende der 20er-Jahre entstand der Moseldamm, der die Stadt vor Hochwasser schützen soll und gleichzeitig als Straßentrasse diente. Auch die aus der Mitte des 15. Jahrhunderts stammende alte Klostermühle blieb nicht von Veränderungen verschont. Ab 1822 diente sie als Farbenfabrik. 1876 kaufte der Blaufärber Andreas Hupperschwiller die Mühle und ließ sie bis auf das Untergeschoss mit Wassergang und Mühlrad abreißen, um darüber eine Färberei zu errichten. Sein plötzlicher Tod durchkreuzte die Pläne. Hupperschwillers Witwe erbaute über den unveränderten Grundmauern im Geschmack der damaligen Zeit das so genannte "Martinsbad".Domizil für Kanuten und Karnevalisten

Die Trierer sprachen aber in Anlehnung an den Besitzernamen auch gerne von "Hupperschs Villa". Das repräsentative Bauwerk diente im Lauf der Jahrzehnte vielen Zwecken. Es war zeitweilig Restaurant, beherbergte die Karnevalsgesellschaft "M'r wieweln noch en Zalawen", war Domizil des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV) mit Restauration und betreut von Künstler Hans Dornoff, der dort auch sein Atelier hatte. In den späten 50er-Jahren wieder diskutierte Ideen aus der Vorkriegszeit, ein "Moselcafé" anzubauen, waren schnell wieder vom Tisch: Das Martinskloster stand der Verkehrsplanung im Weg. Im September 1963 begann der Abriss, am 15. Oktober war ein markantes Stück Stadtbild verschwunden und der Weg frei für den Ausbau der Uferstraße und des östlichen Kaiser-Wilhelm-Brückenkopfes. Das Foto von 1931 stellte uns freundlicherweise das städtische Amt für Denkmalpflege zur Verfügung. Wenn auch Sie ein historisches Foto besitzen, im TV veröffentlichen wollen und dazu eine Geschichte erzählen können, dann senden Sie beides unter dem Stichwort "Historische Fotos" mit Namen, Adresse und Telefonnummer für etwaige Rückfragen an die E-Mail-Adresse trier@volksfreund.de Wichtig für eine rasche Veröffentlichung ist, dass Ihre Geschichte knapp formuliert ist (etwa 60 Druckzeilen à 30 Anschläge). Das (gescannte) Foto sollte von hinreichender Qualität sein. Die Lokalredaktion freut sich auf Ihre persönliche(n) Geschichte(n).

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