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Verkehrsserie: Das sagen die Leser zu Blitzern und der Bahnverbindung in Trier

Verkehrsserie: Das sagen die Leser zu Blitzern und der Bahnverbindung in Trier

Zu unserer Verkehrsserie, die noch bis Ende der Woche läuft, haben uns zahlreiche Leserreaktionen erreicht. Hier bilden wir einige Meinungen ab.

Zu unserer Doppelseite zu den Blitzern in Trier:

Dank an die kontrollierenden Behörden
Bei der Lektüre über die Geschwindigkeitskontrollen der Stadt musste ich doch schmunzeln. Da fährt jemand "schneller als die Polizei erlaubt", wird erwischt und bekommt tatsächlich ein Knöllchen! Ja Dinge gibt's! Verstößt jemand gegen eine Geschwindigkeitsbegrenzung, riskiert er eine Strafe. Wird mehr Milch (oder Öl) produziert als verbraucht, wird es billiger. Kosten die Eier 10 Cent, werden die pus cheligen Hähnchen sofort getötet. Kosten die Eier 50 Cent, werden dieselben Hähnchen später getötet. Kann man sich irgendwo risikoarm auf Kosten anderer bereichern, dann findet sich schon jemand. Überall: ob bei Arbeit oder Steuer; im Sport, Krieg oder Finanzsektor; im Asylrecht; beim Einkauf; in der Automobil-, Lebensmittel- und Pharma-Industrie; in der Kinderversorgung, Ausbildung, Altenpflege, Rechtspflege; in Kirche, Politik und Partnerschaft; im Bau- und Gesundheitswesen, kurz: überall, worüber Menschen sich aufregen. Darum wurden "Knigge", Regeln, Regelungen und Gesetze geschaffen, um unter Sanktionsandrohung den sozialen Frieden aufrecht zu erhalten.

Dennoch werden Regeln gebeugt, unterlaufen oder gebrochen. Unrechtsbewusstsein schwindet zunehmend. Konsequenterweise sehen sich viele (zum Beispiel Knöllchenempfänger) als Opfer der Gesellschaft, die ihn doch schützen soll. Die "sozialen" Netzwerke sorgen dafür, dass sich jeder "Asoziale", der die Konventionen nicht respektiert, sein Forum sucht und sich seinen Opfermythos zurechtzimmert. Ursache und Wirkung werden vertauscht. Wann begreifen Bürger, die Konsequenzen ihres selbstbestimmten Handelns zu tragen? Als ich gestern zwei Frauen ungläubig anguckte, die direkt in einer Feuerwehrzufahrt parkten, streckten die mir ihre Zunge raus. Lustige Geschichte, aber solche Gesten fördern nicht gerade den sozialen Frieden, eine der zentralen Errungenschaften unserer Republik. Solange es Bürger gibt, die sich vor dem Gesetz für "gleicher" halten, werden sie sich durchsetzen, wenn ihnen nicht durch eine übergeordnete Organisation Einhalt durch Strafe geboten wird. Wann steht endlich eine Behörde am Moselufer und schnappt sich die egoistischen Rotlichtfahrer, Kreuzungsverstopfer, Drängler, Radwegparker, Handytelefonierer? Zudem muss Trier akzeptieren, keine autogerechte Stadt zu werden. Jeder kann dies leicht mit einem Blick auf den Stadtplan erkennen. Daraus ergibt sich die Konsequenz, die wenigen vorhandenen Ressourcen zu pflegen. Wenn jeder die Verkehrsregelungen respektiert, sind die Blitzer arbeitslos. Sollte es Ziel der Behörden sein, möglichst viele Knöllchen zu verteilen, wäre ihre Mission vielleicht erfüllt. Sollten die Behörden anstreben, Missbrauch und Unfälle auf ein erträgliches Maß zu reduzieren und dem geltenden Recht Respekt zu verschaffen, läge noch ein langer Weg vor Ihnen. Ich für meinen Teil genieße es neuerdings, mit den erlaubten 50 Kilometern pro Stunde am Moselufer entlangzufahren, ohne mich als "mobiles Hindernis" wüsten Beschimpfungen auszusetzen. Dafür danke ich den verantwortlichen kontrollierenden Behörden.
Johannes Binsfeld, Trier

Zum Aspekt der Bahnverbindungen nach Trier:
Bahnfahren macht keine Freude
Ein Teil der Stauproblematik liegt sicher auch (zumindest für die Koblenz-Trier-Strecke) am neuen Rheinland-Pfalz-Takt. Die Umstellung vom 30-minütigen Abstand auf 20/40, der Wegfall von Verbindungen am frühen Morgen (zwischen 6 und 7). Und dann auch immer noch die horrenden Preise. Da macht Bahnfahren keine Freude. Und ich bin in meinem Kollegen- und Freundeskreis nicht die einzige, die gezwungenermaßen von der Bahn auf das Auto gewechselt ist. Ich würde liebend gerne mit den Nahverkehrsmitteln von Föhren aus in die Stadt fahren, aber so funktioniert es einfach nicht. Leider verkauft das Land und die Bahn aber den Rheinland-Pfalz-Takt immer noch als großen Wurf. Für mich absolut unverständlich. Wenn zwischen Wittlich und Trier Züge im 20-Minuten-Takt verkehren würden (zu fairen Preisen), würde sicherlich ein großer Teil der jetzigen Autofahrer auf den Nahverkehr wechseln. Ich wäre sicherlich eine der Ersten.
Margit Haubrich, Föhren

Die Lage und die Geschichte
Ihren einleitenden Artikel zu den Verkehrsproblemen von Trier habe ich mit Interesse gelesen. Bei den Gründen für die Probleme speziell in Trier haben Sie - denke ich - nicht tief genug gegraben. Es ist nicht nur ein großer Andrang aus der Umgebung, der die Probleme schafft, oder Versäumnisse der Stadtplanung (die zwar vorwiegend), sondern es sind zwei ältere Gesichtspunkte: 1. Einfach die Geographie und Topographie von Trier: Sternförmig von Trier ausgehend reichen viele Täler in die Umgebung und zwingen den Verkehr über das Zentrum (Wall-Ring). (Stellen Sie sich einen Weg von Tarforst zum Mariahof vor - oder nach Kasel ...). Hieraus resultiert die Unmöglichkeit von entlastenden Umgehungen. 2. Die Zerstörung der Stadt nach der Römerzeit - mit der Folge, dass im Mittelalter über das ursprüngliche Schachbrett ein polyzentrales Straßensystem gestülpt wurde. Ein Schachbrettsystem lässt bei Sperrungen eine bessere Verteilung (Umgehung) des Verkehrs zu; die vielen strahlenförmigen (polyzentralen) Straßenführungen bringen das unter 1. genannte Problem in die innere Struktur der Stadt (Die Römer waren immer die besseren Ingenieure - verstandgelenkt). Die Stadt- und Verkehrsplanung wird ohne Befreiungsschläge die in die Landschaft eingreifen (Tal-Querungen) nicht aus diesem Dilemma herauskommen.
Michael Fuchs, Trier

Hinweis der Redaktion: Die Geschichte des Verkehrs in Trier wird in dieser Woche noch ausführlich thematisiert.

Wer erwischt wird, muss damit leben
Es ist doch ganz einfach: Es gibt Regeln und Vorschriften. Da sich nicht immer alle an diese halten, muss mit geeigneten Mitteln kontrolliert werden. Und wer dann erwischt wird, muss damit leben! Und das ganze Gerede von wo, wann und wie, was soll das denn? Kontrollen bringen nur etwas, wenn sie unangekündigt stattfinden. Ist schon bei kleinen Kindern so.
Helmut Reimers, Trier

Das Problem ist der Binnenverkehr
Lieber Volksfreund, ich fände wichtig, dass sich in den Köpfen (und den Herzen) der Trierer die Tatsache festsetzen würde, dass der weitaus größte Anteil am gesamten Verkehrsaufkommen der Stadt seit Jahren der stadtinterne Binnenverkehr ist, den wir Trierer täglich selbst verursachen. In einer Untersuchung aus den 1990er Jahren - Auftraggeber unter anderem die Straßenverwaltung Rheinland-Pfalz (jetzt Landesbetrieb Mobilität, LBM) ließen sich in der Verkehrsprognose für das Jahr 2010 die Anteile griffig auf die glatten Anteilzahlen 60-30-10 am gesamten Verkehrsaufkommen reduzieren: 60 Prozent stadtinterner Binnenverkehr der Trierer, der in der Stadt entsteht und in der Stadt endet. 30 Prozent Ziel- und Quellverkehr, der entweder in der Stadt entsteht und außen endet oder der von außen in die Stadt hereinkommt und in der Stadt endet. Zehn Prozent Durchgangsverkehr, der nur durch das Stadtgebiet durchfährt. Im Großen und Ganzen hat das im Rahmen des Mobilitätskonzepts Trier 2025 (MoKo) von der Stadt beauftragte Verkehrsgutachten des Büros R+T (Darmstadt) diese Verkehrsanteile bei einem gesamten Verkehraufkommen von 580.000 Ortsveränderungen pro Tag bestätigt. Bei weiterer Differenzierung wird sehr schnell erkennbar, wo der Schwerpunkt zur Lösung der städtischen Verkehrsprobleme liegen muss beziehungsweise liegen müsste.

Natürlich sind die verschiedenen Verkehrsmittel (modal split) in den verschiedenen Verkehrsanteilen unterschiedlich stark vertreten: Der Fußgängerverkehr findet mit etwa 82.200 täglichen Ortsveränderungen ausschließlich im Binnenverkehr statt. Von den insgesamt ca. 36.100 täglichen Fahrten mit dem Fahrrad bleiben etwa 34.200 (95 Prozent) in der Stadt, ca. 1.900 (5 Prozent) wechseln täglich über die Stadtgrenze. Von den insgesamt etwa. 76.000 Fahrten im ÖPNV finden rund 55.500 (73 Prozent) im Binnenverkehr statt, etwa 18.700 (25 Prozent) im Ziel- und Quellverkehr und nur ca. 2500 (3 Prozent) im Durchgangsverkehr. Auch beim Kfz-Verkehr hat der Binnenverkehr mit 171.200 (45 Prozent) den höchsten Anteil, gefolgt von 166.000 (43 Prozent) im Ziel- und Quellverkehr und etwa 48.000 (12 Prozent) Fahrten im Durchgangsverkehr. Ich finde, das ist ein erstaunliches Ergebnis: 82.200 plus 34.200 tägliche Wege zu Fuß und mit dem Fahrrad im Binnenverkehr sind weit mehr als die doppelte Menge des Kfz-Verkehrs im Durchgangsverkehr, der lediglich das Stadtgebiet durchquert, ohne auch nur einmal anzuhalten. Andererseits zeigt der hohe Kfz-Verkehrsanteil am Binnenverkehr, dass es sinnvoll ist, gerade den Fokus der Anstrengungen vom Durchgangs- auf den Binnenverkehr zu verlagern und den Mitbürgern bei der täglichen Verkehrsmittelwahl nahezubringen. Wenn sich die Bewohner des urbanisierten Speckgürtels um Trier herum ebenso motivieren lassen, dann werden die 48.000 Kfz-Fahrten des Durchgangsverkehrs zu einer vernachlässigbaren Restgröße schrumpfen.
Raimund Scholzen, Trier

Hinweis der Redaktion: Raimund Scholzen ist der ehemalige Leiter des Trierer Verkehrsplanungsamtes

Zu unserer Doppelseite über die Blitzer:
Endlich die Abbiegespur kontrollieren! Gemeldete Blitzer-Standorte und Unfallschwerpunkte in Trier: Laut der angegebenen Statistik passieren am St.-Barbara-Ufer /Südallee die meisten Unfälle. In der Statistik der Blitzerstandorte ist dieser Unfallort nicht aufgeführt. Wie kann das sein? Gerade im Ampelbereich St.-Barbara-Ufer rasen in den Abendstunden sowie in den frühen Morgenstunden die Autos und Motorräder mit einem Affentempo dort entlang. Sei es stadteinwärts oder -auswärts. Tempo 100 ist da keine Seltenheit. In der Abbiegespur St.-Barbara-Ufer / Südallee ist eine durchgezogene Linie. Ich habe in der Fahrschule gelernt, dass man die nicht überfahren darf. Aber etwa 80 Prozent der Autofahrer interessiert dies nicht. Kein Wunder, dass hier immer wieder Unfälle passieren. Es wäre toll, auch im Interesse der Bewohner an der Abbiegespur, dass hier endlich mal kontrolliert wird. Elke Mayerer, Trier

Hinweis der Redaktion: Tatsächlich ist auch der Redaktion aufgefallen, dass ausgerechnet die Top-Unfallstelle nicht bei den Blitzerstandorten vorgekommen ist. Eine Erklärung ist, dass die Autofahrer im Rahmen ihrer Angaben für die Blitzer-App von volksfreund.de oft nicht die genaue Straße angeben, sondern unter "Moselufer" oder "Pacelliufer" subsummieren, was alles entlang der Mosel an Blitzern zu sehen ist. Daher ist es durchaus möglich, dass auch dieser Standort kontrolliert wurde.