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Verkehrsserie, Teil 6: Neue Erkenntnisse, neue Prioritäten - Kreuzung statt Kreisel im Norden Triers

Verkehrsserie, Teil 6: Neue Erkenntnisse, neue Prioritäten - Kreuzung statt Kreisel im Norden Triers

Was nützen schnellere Trassen in der City, wenn der Verkehr danach an anderen Engstellen steckenbleibt? Baudezernent Andreas Ludwig will daher zuerst die Grünebergumgehung bauen und möglichst auch den Verteilerkreis Nord umgestalten, bevor kleinere Projekte umgesetzt werden.


Nicht nur der Verkehr selbst staut sich in Trier des Öfteren. Auch bei der Planung neuer Trassen und Verbindungen geht es nicht zügig voran. Was neben chronischem Finanzmangel auch daran liegt, dass es offenbar immer wieder neue Erkenntnisse und Einschätzungen darüber gibt, wie insbesondere Autos am besten durch die Stadt geleitet werden könnten - und welches Verkehrsprojekt dafür Vorrang haben muss.

Der einst als dringend erachtete Moselbahndurchbruch (1, siehe Grafik) ist dabei erst im vorigen Herbst ins Hintertreffen geraten. Nach neuerlicher Durchsicht der Unterlagen verkündete Triers neuer Baudezernent Andreas Ludwig, dass eine andere Trasse Vorrang haben müsse - nämlich die Grünebergumfahrung (2).

Erst am Donnerstag hatte Ludwig ein Arbeitstreffen mit dem Fachbüro R&T, das das Trierer Mobilitätskonzept erarbeitet hatte. Eine höhere Priorität als bislang zeichnet sich nun auch für den Umbau des Verteilerrings Trier-Nord (3) ab. "Es macht keinen Sinn, den Moselbahndurchbruch auf die Schnelle zu machen, wenn wir zuvor nicht dafür sorgen, dass der Verkehr auch hinter dem Durchbruch anständig abfließen kann", sagt Ludwig. "Es sind halt viele, viele Einzelheiten, die berücksichtigt werden müssen. Jedes Drehen an der einen Stellschraube hat Auswirkungen auf die Belastungen an einer anderen Stelle. Deshalb ist es wichtig, dass wir ganz genau planen."

Das Ergebnis der Studie - die die gesamten Verkehrsströme in Trier-Nord neu untersucht und die Ludwigs Vorgängerin im Amt, Simone Kaes-Torchiani, noch in Auftrag gegeben hatte - will Ludwig in der ersten Sitzung des Bauausschusses nach den Sommerferien vorstellen. Im September soll dann eine neue Prioritätenliste für die Realisierung feststehen. Der Wasserwegdurchbruch (4) könnte dann möglicherweise ganz aus der Planung gestrichen werden.

Die Großprojekte im Einzelnen:
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Moselbahndurchbruch (1): Die geplante Trasse zwischen Kürenzer Straße und Avelsbacher Straße/Wasserweg soll den innerstädtischen Verkehr schneller Richtung Metternichstraße und Autobahn bringen. Das Problem: Noch mehr Autos würden auf die ohnehin schon völlig überlastete Kreuzung Avelsbacher Straße/Metternichstraße/Kürenzer Straße geleitet - und dann dort im Stau stehen. "Deshalb ist es wichtig, dass wir vor dem Moselbahndurchbruch den Verkehr an dieser Kreuzung reduzieren", sagt Ludwig. Idealerweise soll das geschehen durch die:
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Grünebergumfahrung (2): Wer im Aveler Tal bergab unterwegs ist und in Richtung Gewerbegebiet Nord, Ruwer oder Autobahn will, soll auf einer neuen Trasse über den Grüneberg, die Bahngleise, Metternich- und Ohmstraße stadtauswärts geleitet werden. Nötig ist dafür allerdings nicht nur der Neubau einer Brücke über die Schienen, etwa auf Höhe der Dasbachstraße.

Nach Vorstellungen von Baudezernent Ludwig soll auf Höhe der Ruwerer Bahnbrücke auch eine neue Auffahrt auf die Autobahn geschaffen werden. Aus dem Seifenblasenstatus sind diese Planungen mittlerweile heraus: "Ich habe mit dem Landesbetrieb Mobilität dazu ein sehr konstruktives Gespräch gehabt, bei dem die Landesbehörde auch Kooperationsbereitschaft gezeigt hat", sagt Ludwig. "Wenn mir der Stadtrat grünes Licht gibt, marschiere ich sofort los zum Bundesverkehrsministerium."

Denn üblicherweise müssen Anschlussstellen an Autobahnen immer in beide Fahrtrichtungen gebaut werden. "Auf der anderen Seite der A.602 bekommen wir das aber nicht hin, unter anderem, weil dort ein Naturschutzgebiet ist", sagt Ludwig. Beim Bundesverkehrsministerium will er daher eine Ausnahmegenehmigung erwirken. An finanziellen Gründen dürfte die Autobahnauffahrt nicht scheitern. "So eine Auffahrrampe kostet zwischen einer halben und einer Million - das ist aufzubringen", ist sich der Baudezernent sicher.
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Verteilerkreis Nord (3): Wie die Grünebergtrasse ist auch die Umgestaltung des Knotenpunkts in Triers Norden einer der unzähligen Mosaiksteine, die zwar im Mobilitätskonzept genannt werden, aber bislang nicht vorrangig diskutiert wurden. Doch auch hier ordnet Baudezernent Ludwig die Prioritäten neu: "Morgens Stau von der Autobahn her, abends Stau aus der Stadt hinaus - und das nahezu täglich", kommentiert Ludwig. Wenn der innerstädtische Verkehr schneller aus der Stadt herausgeleitet werde - etwa durch den Moselbahndurchbruch -, dürfe es am Verteilerkreis keinen Flaschenhals geben. "Sonst gibt's unterm Strich keinen Vorteil", sagt Ludwig.

Wie der Kreisel ausgebaut und verändert werden soll, stehe allerdings noch nicht fest. "Aber dass Autos, die Richtung Aldi oder IAT-Hotel wollen, eine Autobahnabfahrt kreuzen müssen und Fahrer, die von der Autobahn kommen, ebenfalls abbiegen müssen, um in den Kreisel zu kommen - das kann nicht so bleiben."

Änderungsmöglichkeiten gebe es mehrere. "Es ist ja sehr viel Platz da, wenn man das große Innere des Kreisels oder den Platz unter der Autobahnbrücke mit einbezieht", sagt Ludwig. Ob ein einziger Riesenkreisel, mehrere kleinere Kreisel oder möglicherweise eine Kreuzung die beste Lösung ist, sollen die weiteren Untersuchungen zeigen.
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Wasserwegdurchbruch (4): Weit nach hinten gerutscht auf der Prioritätenliste der Verkehrsprojekte ist der Wasserwegdurchbruch, über den der Verkehr schneller Richtung Moseluferstraße abgeleitet und so Paulinstraße, Reichsabtei und Zeughausstraße entlastet werden sollen. Je nachdem, wie die vorher genannten Vorhaben umgesetzt werden - inklusive kleinerer Maßnahmen wie der Ausbau der Paulinstraße und die Umgestaltung des Vorplatzes am Hauptbahnhof - könnte der Wasserwegdurchbruch nach TV-Informationen sogar ganz aus der Planung genommen werden.
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Südtangente (5): Während in Trier-Nord die Prioritäten neu geordnet werden, ist die Gemengelage am anderen Ende der Stadt eindeutig: Entlastung für Saarstraße und Südallee soll die sogenannte Südtangente bringen. Für den schnellen Lückenschluss zwischen Straßburger Allee und Konrad-Adenauer-Brücke über Arnulfstraße und Aulbrücke soll etwa 20 Meter neben der alten Brücke in Richtung Hauptbahnhof eine neue Brücke über die Gleise gebaut werden. Die Aulstraße müsste dazu ab der Ludolfstraße nordwärts verlegt werden, über die neue Brücke führen und am Knotenpunkt Aulstraße/Arnulfstraße wieder in die alte Aulstraßen-Trasse führen. Im Mobilitätskonzept genießt der Ausbau der Südtangente eine hohe Dringlichkeitsstufe. Absehbar sind die Arbeiten allerdings noch nicht. Zurzeit wird erstmal der Fußgänger- und Radüberweg über die Gleise erneuert. Entstanden war dieser 2008 - als Provisorium, bis 2014 die neue Brücke fertig sein sollte.

Im siebten Teil unserer Verkehrsserie geht es am Wochenende um die Probleme, die Fußgänger in Trier haben.