Verliebt in alte Rockklassiker

Verliebt in alte Rockklassiker

Breiter, bunter, lauter: Das zweite Trierer Beatfestival in der Tufa hat mit gleich vier Bands aufgewartet. Neben den Fireworkers und Terra Nova setzte die Gruppe Partisan S aus Köln mit aktuellem Deutschrock und der markanten Stimme von Klaus Schiffgen Akzente. Zum Finale des vierstündigen Konzerts riss die Bernkasteler Band Jimmy Beat die rund 230 Zuhörer mit Rock aus den 1960er Jahren buchstäblich von den Sitzen.

Trier. Deutschrock und die Beatmusik der 1960er- und 1970er Jahre: Passt das zusammen?
Es passt! "Verliebt sein (Love Affair)" aus der Feder des Neu-Trierers Klaus Schiffgen orientiert sich zwar am Stil der Klassiker, klingt aber frisch und ist ganz aktuell von der dritten CD.
Der Song lässt die rund 230 Besucher in der Tufa erst verstummen, dann jubeln und zeigt, dass es guttut, über den Tellerrand hinauszuschauen: musikalisch wie räumlich.
Comeback nach langer Pause


Schiffgen und Gitarrist Wolfgang Eichholz, die zusammen die Kölner Band Partisan S bilden, spielen neben eigenen Stücken auch Lateinamerikanisches und Rockklassiker.
Unterstützt werden sie von Khaled Lachiheb (Percussion), Dieter Bergmann (Bass) und Herbert Kohr (Drums), dem Organisator des zweiten Beatfestival-Revivals.
Es knüpft an eine Konzertreihe an, die 1967 im Apollo in der Saarstraße endete.
"What A Wonderful World", singt Lothar Simonis: tief, satt, rauchig.
Der Sänger von Terra Nova aus Koblenz hat seine Gitarre aus der Hand gelegt, widmet sich ganz dem Gesang.
Simonis ist aber auch für die hohen Töne zuständig, etwa bei "Lady Madonna" und in Beach-Boys-Stücken. Terra Nova, die einstige Schülerband von Drummer Paul Schuh und Gitarrist Lothar Herz, beide ebenfalls Leadsänger, hat sich nach 36 Jahren 2007 neu formiert und spielt die Hits ihrer Jugend und die des Publikums.
Schmalzlocke und Pilzkopf


Ebenso wie die Fireworkers aus Trier um Schlagzeuger Kohr, der krankheitsbedingt nicht mitsingen darf, und Gitarrist Manfred Lauter.
Sie haben sich mit Marcus Kleefisch am Bass verstärkt, der mit Udo-Lindenberg-Songs frisches Liedgut und mit "Hoochie Coochie Man" den Blues mitbringt.
"Schiebt die Stühle auf die Seite und tanzt!", fordert Ralf Bloch, Sänger der Band Jimmy Beat aus dem Raum Bernkastel, die Zuhörer auf.
Die Sitze fliegen zwar nicht in die Ecke, doch einige Tanzwütige kommen nach vorne und schwingen die Hüften zu den Songs der Beatles, Stones, Rattles und Monkees.
Zum Dank packen die fünf Musiker, stilecht herausgeputzt in grauen Anzügen, mit Schmalzlocke oder Pilzkopf, ihre Instrumente und mischen sich unters Publikum, beten auf Knien liegend, spielend und singend die Damen an, die kreischend Respekt zollen. Ganz wie damals in den wilden 1960ern.
Zum Schluss drehen sie mit "My Generation" von The Who nochmal voll auf. Das Trierer Beatfestival ist alles andere als eingeschlafen. mehi

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