Verrenkungen der Stadt

Zum Bericht "Bürgerhaushalt verzichtet nicht auf Blutgeld" (TV vom 15. Dezember):

Bei der Lektüre der argumentativen Verrenkungen, die die Stadt zur Begründung der Zahlungen an die Pfarrei Liebfrauen unternimmt, kann es einem richtig schwindelig werden. Was die juristische Seite angeht, sei nur auf die Möglichkeit der Kündigung eines Darlehensvertrags hingewiesen, die besteht, wenn kein Zeitpunkt für die Rückzahlung vereinbart ist. Ansonsten liefe ein solcher Vertrag ja (so wie hier) bis in alle Ewigkeit weiter.

Im Übrigen genügt es, noch mal deutlich auf die Fakten hinzuweisen: Der Kreditgeber wurde in einem durch und durch ungerechten und rechtsstaatswidrigen Prozess, bei dem die katholische Kirche wie bei Tausenden Prozessen dieser Art eine tragende Rolle spielte, zum Tode verurteilt. Sein Vermögen und damit auch die Darlehensforderung landete bei ebendieser Institution: der Kirche. Dass der besagte Herr zuvor viele Jahre lang selbst Todesurteile dieser Art ausgesprochen hat, kann man als eine gewisse Ironie der Geschichte betrachten, ändert aber nichts an der moralischen Gesamtbewertung dieses Vorgangs. Was hieran "sympathisch" sein soll, bleibt das Geheimnis des städtischen Pressesprechers.

Besonders originell fand ich das Argument, dass durch die städtischen Zahlungen an die Kirche (also die Urheberin der Hexenverfolgungen) "der vielen unschuldigen Opfer des Hexenwahns gedacht" werde. Das ist ungefähr so, als würde man zum Gedenken an die Judenverfolgung jährlich einer rechtsex tremen Partei ein paar Hundert Euro überweisen.

Schließlich ist auch die Bemerkung, dass der Betrag "die Stadt Trier nicht ärmer" mache, Unsinn. Die Stadt Trier wird durch diese äußerst fragwürdige Zahlung jedes Jahr um genau 362,50 Euro ärmer, und auch solche Beträge sollte man in Anbetracht der Haushaltslage nach Möglichkeit einsparen.

Stefan Spies, Trier

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