Versammlung des Bauern- und Winzerverbands Trier-Saarburg: Wie Landwirte mit Blüten etwas für die Natur tun

Versammlung des Kreis-Bauernverbands Trier-Saarburg : Mit Blüten etwas für die Natur tun

Die Landwirte im Kreis lassen mehr Blumen sprechen. Auf bis zu 50 Hektar Grünland werden Kräuter sprießen und Blumen blühen. Dieser Beitrag zur Artenvielfalt lohnt sich.

Die Wiese unweit der Mosel bei Palzem ist im Grunde genommen der optimale Standort, um die aktuelle Lage der Bauern und Winzer zu dokumentieren. Nicht nur die Teilnehmer an der Vorstands- und Delegiertenversammlung leiden unter den gefühlten 50 Grad Celsius in der Mittagssonne. Die Blumenwiese wirkt eher wie ein Stück brauner afrikanischer Trockensteppe. Und auch die Reben in unmittelbarer Nähe kommen nicht mit der Hitze klar. Sie bekommen Sonnenbrand und stellen ihr Wachstum ein. Gepaart mit den Schäden durch Fröste im Frühjahr führt das zu Ertragseinbußen (siehe Info).

Der Ernteertrag spielt bei der Wiese an der Mosel hingegen keine Rolle. Landwirtin Anja Boesen aus Kirf-Beuren hat dort eine Saatmischung ausgebracht, die mehrere Jahre lang das früher als Grünland genutzte Gelände in eine blühende Wiese verwandelt. Das geschieht auch deshalb, da Landwirte fünf Prozent ihres Grund und Bodens als Ausgleichsfläche ausweisen müssen. Eine Möglichkeit ist es, ganze Wiesen oder auch nur sogenannte Blühstreifen anzulegen. Dafür gibt es dann eine Prämie.

Nach Auskunft der Kreisverwaltung sind so bisher im Landkreis Trier-Saarburg rund 40 Hektar Blumenwiese entstanden, die auch als Lebensraum für Tiere dienen. Denn die Artenvielfalt in den Flächen mit Wilder Möhre, Rainfarn, Dill, Steinklee oder Sonnenblume ist naturgemäß viel höher als in benachbarten sortenreinen Kulturen. Weitere zehn Hektar Blumenwiesen sollen folgen.

Für Walter Clüsserath, Vorsitzender des Trier-Saarburger Bauern- und Winzerverbands, sind die Blühstreifen ein Mosaikstein in den Bemühungen der Landwirte und Winzer für Insektenschutz und Artenvielfalt. Rund ein Drittel der im Land genutzten Landwirtschaftsfläche würden unter besonderer Berücksichtigung des Naturschutzes bewirtschaftet. Clüsserath macht in diesem Zusammenhang deutlich, dass dabei nicht nur Landwirte gefragt sind. „Vom Steingarten bis zum Flächenverbrauch für öffentliche Planungen muss die Gesellschaft ihr Handeln überdenken“, sagt Clüsserath.

Die Worte des Vorsitzenden sind bei der Sitzung in Palzem nicht die einzigen kritischen Töne. So berichtet ein Landwirt davon, dass in seinem Betrieb beispielsweise eine Wiese mit Orchideen besonders schonend bewirtschaftet werde. Er habe jedoch nicht vor, diese bei einem der zahlreichen Förderprogramme anzumelden. Wegen der bürokratischen Hürden und der ständigen Gefahr, irgendetwas falsch zu machen.

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