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Verseuchte Sauer: Pflanzengift könnte am Freitag in Luxemburger Trinkwassernetz gelangen

Verseuchte Sauer: Pflanzengift könnte am Freitag in Luxemburger Trinkwassernetz gelangen

Das Pestizid Metazachlor breitet sich weiter in der Sauer aus. Voraussichtlich am Freitag wird das Planzengift auch an der Trinkwasserentnahmestelle des Luxemburger Stausees in Esch nachweisbar sein. Das teilte der Versorger Sebes mit. Das rheinland-pfälzische Umweltministerium kündigte mittlerweile an, die Messungen in der Grenzsauer ausweiten zu wollen.

Die Giftgefahr in der Sauer ist immer noch nicht gebannt. Am Mittwoch hat das luxemburgische Trinkwassersyndikat Sebes (Syndicat des eaux du barrage d'Esch-sur-Sûre) neue Messwerte aus dem Bereich der oberen Sauer und des Wasserreservoirs veröffentlicht.

Demnach hat das Labor der luxemburgischen Wasserwirtschaftsverwaltung bereits an der Messstation "Bavigne", in der Mitte des Stausees, leicht erhöhte Werte festgestellt. Wie bereits an den Vortagen beobachtet, seien ausschließlich die unteren Wasserschichten betroffen, erklärt Sebes. Solange die oberen Wasserschichten unbelastet bleiben, könne an der Staumauer weiter Trinkwasser entnommen werden. Das gelte auch, wenn das Gift nach jetzigen Prognosen voraussichtlich am Freitag die Trinkwasser-Entnahmestelle erreicht.

Die Sprecherin des rheinland-pfälzischen Umweltministerium, Stefanie Lotz, sagt auf Anfrage des TV, dass in Rheinland-Pfalz keine Beeinträchtigungen zu erwarten sind. Die Flüssigkeit, die am 17. September in Belgien ins Gewässer geflossen ist, enthalte laut offiziellen Angaben der luxemburgischen Wasserbehörde eine Menge von 7,5 kg des Wirkstoffs Metazachlor. "Die Verdünnung durch die Größe des Stausees sowie durch weitere Zuflüsse im Verlauf der Sauer ist so groß, dass nach derzeitigem Stand in Rheinland-Pfalz der zulässige Grenzwert für Gewässer von 0,4 Mikrogramm pro Liter nicht überschritten wird", erklärt Lotz. Die Warnung vor dem Verzehr von Fisch aus der Sauer, gelte bisher nur für die obere Sauer, also den kontaminierten Bereich oberhalb des Stausee.

Die Trinkwasseraufbereitung von Sebes wird die Belastung mit Metazachlor an der Entnahmestelle nach jetzigem Stand unter die zulässigen Richtwerte drücken. Außerdem sorge ein erhöhter Grundabfluss des Stauseewasser dafür, dass die Verschmutzung abgetragen werde.

Lotz betont: "Eine Gefährdung von Trinkwasser in Rheinland Pfalz besteht auch deshalb nicht, weil hier kein Wasser aus der Sauer zur Trinkwasserversorgung genutzt wird." Vorsorglich weite das Umweltministerium seine Messungen aus, auch wenn nur geringe Konzentrationen in der Grenzsauer zu erwarten seien. Da das Wasser aus dem Stausee einen langen Zeitraum bräuchte um abzufließen, würden die Messungen bis zum Jahresende 2014 durchgeführt.

An der Unfallstelle und dem angrenzenden Bach in Belgien entnehmen die belgischen Autoritäten ebenfalls Proben. Der luxemburgische und belgische Zivilschutz errichten außerdem eine Sperre mit Aktivkohle, die das Pestizid so früh wie möglich binden soll.

Das luxemburgische Trinkwassersyndikat Sebes entnimmt derzeit täglich an fünf Messtationen im luxemburgischen Stausee Proben. Das Landesamt für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht (LUWG) misst wöchentlich an zwei Messpunkten.