Versöhnung ist ein Gewinn

In der zue Ende gehenden Woche spielt das Thema Versöhnung eine besondere Rolle: Versöhnung zwischen Völkern, besonders nach dem Zweiten Weltkrieg und unter Feinden in den kriegerischen Auseinandersetzungen unserer Zeit. An Buß- und Bettag war es Thema im Rundfunk (SWR 4).

Natürlich hat auch der ökumenische Gottesdienst zum Buß- und Bettag, der dieses Jahr in der evangelischen Kirche zum Erlöser stattfand, etwas mit Versöhnung zu tun.

Es ist nicht selbstverständlich, dass der Bischof an einem evangelischen Feiertag in einem ökumenischen Gottesdienst predigt, und im anderen Jahr in der Hohen Domkirche an Buß- und Bettag ein ökumenischer Gottesdienst gefeiert wird, in dem der Präses predigt. Diese Gottesdienste sind Zeichen der Gemeinschaft, von denen es mittlerweile viele, meist unspektakuläre gibt.

Auch das Totengedenken ist mit Gedanken der Versöhnung verbunden. Jesus legt Christinnen und Christen durch das Gebot der Feindesliebe Versöhnung ans Herz: "Liebt eure Feinde, bittet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel"(Mt 5,4344). Das hört sich unrealistisch an, höchstens erreichbar für Fortgeschrittene im Glauben. So ist es aber nicht gedacht, sondern für alle, die mit dem christlichen Glauben ernstmachen wollen.

Dabei bedeutet Versöhnung nicht, etwas aufzugeben, "um des lieben Friedens" willen, sondern eine Annäherung und ein Neuanfang durch offenen Umgang und Auseinandersetzung auf Augenhöhe. So verstanden ist Versöhnung immer ein Gewinn. Wie es auch in dem Liedtext von Kurt Rommel zum Ausdruck kommt: "Ich möchte nicht zum Mond gelangen, jedoch vor meines Feindes Tür." Wo das gelingt, ist Versöhnung, und damit ein Stück christliches Leben, Wirklichkeit geworden.

Elke Füllmann-Ostertag,

Pfarrerin, Saarburg.

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