Verstaubtes Image aufpoliert

17 Jahre leitete Jutta Reuter die Familienbildungsstätte in Trier. Am Samstag wird die 63-Jährige verabschiedet. In ihrer Zeit wandelte sich die Einrichtung zu einer modernen Begegnungsstätte.

Jutta Reuter leitete 17 Jahre die Familienbildungsstätte in Trier. Nun wird sie in den Ruhestand verabschiedet.TV-Foto: Bernd Wientjes

Trier. (wie) "Das ist mein Haus." Voller Stolz zeigt Jutta Reuter Besuchern die Räume in dem äußerlich eher schmucklos wirkenden Flachbau im Garten der Vereinigten Hospitien in Trier. Die 63-Jährige fühlt sich hier zu Hause. Reuter hat 17 Jahre lang die Familienbildungsstätte geleitet. Die in der Nähe von Danzig geborene Gemeindereferentin übernahm den Chefposten 1991, zwei Jahre bevor die Einrichtung von der Trierer Dietrichstraße in die ehemalige Pflegeschule der Vereinigten Hospitien umzog. Reuter gestaltete aber nicht nur die Räume in der heruntergekommenen Pflegeschule, sie krempelte auch die gesamte Bildungsstätte um, machte aus der 1957 als katholische Mütterschule gegründeten Einrichtung eine moderne, gefragte Anlaufstelle für Familien, "eine Begegnungsstätte von der Wiege bis zur Bahre", wie sie nicht ohne Stolz sagt. Trafen sich in den ersten Jahren in der Familienbildungsstätte Mütter zu Koch- und Malkursen, getreu dem Motto Kinder und Küche, passte Reuter nach und nach das Angebot dem Bedarf an. "Das Familienbild hat sich in den vergangenen Jahren geändert. Familien brauchen mehr Unterstützung und Hilfe", sagt Reuter. Nun gibt es eine Sprechstunde für gestresste Eltern, Krabbelgruppen, Eltern-Kind-Gruppen, Gesprächsabende über Umgang mit Trauer oder auch Gymnastik für Ältere und Kurse für Orientalischen Tanz. Bedauerte Reuter damals zunächst den Wegzug aus der Innenstadt, so hat die Nachbarschaft zum Altenzentrum St. Irminen mittlerweile sogar Vorteile. "Die älteren Bewohner freuen sich, wenn sie junge Familien und Kinder sehen, die Kinder werden gleichzeitig mit dem Alter konfrontiert." Und im regelmäßigen Generationenfrühstück treffen sich Alt und Jung in der Bildungsstätte. Familienbildung im besten Sinne also ohne erhobenen Zeigefinger und vor allem ohne konfessionelle Scheuklappen. Auch wenn die Einrichtung vom Bistum getragen wird, hat sich die engagierte Christin Reuter immer darum bemüht, die Hilfe für Familien "unabhängig von ihrem Glauben und ihrer Konfession" in den Vordergrund zu stellen. Mittlerweile ist die Familienbildungsstätte zu einem wichtigen Eckpfeiler für die Familienpolitik des Landes geworden, von dem sie finanziell unterstützt wird. Nach 17 Jahren sei es der richtige Zeitpunkt, einen Schnitt zu machen, zumal ihr Mann seit kurzem im Ruhestand ist und die beiden erwachsenen Söhne längst aus dem Haus sind. Beruflich will die 63- Jährige, die vor 34 Jahren der Liebe wegen an die Mosel gekommen ist und sich mittlerweile als Triererin bezeichnet, etwas kürzer treten, sich aber nicht völlig aus der Arbeit zurückziehen. "Das kann man bei einem solchen Job nicht." Sie wird weiter als zweite Vorsitzende der Einrichtung tätig sein. Sie verlasse ihren Schreibtisch aber mit einem "guten Gefühl". Ihre Arbeit sei bei Nachfolgerin Birgit Pallien, bisherige pädagogische Leiterin, "in guten Händen." Am Samstag wird Jutta Reuter mit einem Gottesdienst um 10 Uhr in der Kirche St. Irminen verabschiedet.