Verstehen statt verbieten
"Nikotin und Alkohol - Alltagsdrogen im Visier" heißt es seit gestern im Trierer Cinemaxx-Kino. Rund 1200 Schüler aus der Stadt und dem Kreis nehmen dort an einer großangelegten Präventionskampagne teil.
Trier. (eg) Was auf den ersten Blick aussieht wie eine ganz normale Taucherbrille, sorgt nach dem Aufsetzen schlagartig für Wackelknie und Sehprobleme. Dank Spezialgläsern hat es die Brille in sich: Sie vermittelt dem Träger den Eindruck, 1,2 Promille Alkohol im Blut zu haben - ein ordentlicher Rausch, der es fast unmöglich macht, auf einer geraden Linie zu gehen.
Mit dieser und anderen Mitmachaktionen sollen rund 1200 Jugendliche aus Trier und dem Kreis Trier-Saarburg an zwei Tagen die Wirkungen von Alkohol und Nikotin kennenlernen. Die Aktion "Jugendfilmtage: Nikotin und Alkohol - Alltagsdrogen im Visier" verbindet Filmvorführungen und Info-Angebote im Trierer Cinemaxx-Kino zu einem Gesamtpaket für Schüler im Alter von zwölf bis 19 Jahren.
Während die Zahl der rauchenden Jugendlichen inzwischen auf einem historischen Tiefstand angekommen ist, macht vor allem der Alkoholkonsum den Experten Sorgen. Nach wie vor trinken laut einer repräsentativen Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZGA) mehr männliche als weibliche Jugendliche regelmäßig Alkohol.
Das sogenannte Binge-Trinken oder Koma-Saufen - Experten sprechen davon ab einem Konsum von mehr als fünf alkoholischen Getränken hintereinander - bejaht ein Fünftel der Befragten im Alter von zwölf bis 17 Jahren.
Kein erhobener Zeigefinger
"Wir wollen spielerisch zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Alltagsdrogen motivieren", sagt Malte Schmidt-Kohl von der BZGA, die das Projekt koordiniert.
Ingeburg Brandt vom Arbeitskreis Suchtprävention des Landkreises Trier-Saarburg ergänzt: "Es geht uns nicht darum, als Spielverderber aufzutreten, sondern Denkanstöße zu liefern. Der ehemaliger Trierer Basketball-Nationalspieler James Marsh, der die Aktion unterstützt, drückt es drastischer aus: Es ist ein großer Unterschied, ob man hin und wieder ein Bier trinkt, oder am Ende kotzend neben einer Grillhütte liegt."
Abschreckende Bilder von Raucherlungen und Raucherbeinen sucht man deshalb an diesem Vormittag im Kino vergeblich - die Organisatoren setzen auf Kommunikation und Gruppendynamik statt auf den erhobenen Zeigefinger. Jugendgerechte Spielfilme statt langweiliger Erziehungsstreifen - das kommt bei den meisten Jugendlichen an.
"Der Film hat mir gut gefallen", sagt Kathrin aus Trier. "Der Kino-Film war sehr realistisch, das fand ich gut", meint Lukas aus Waldrach. Einzelne Jugendliche nutzen allerdings die Gelegenheit, die anderen Schüler mit Popcorn zu bewerfen, so dass die Vorführung für einige Minuten unterbrochen werden muss. Michael Tischleder, Lehrer an der Realschule plus in Waldrach, sagt: "Unsere Schüler haben sich einwandfrei benommen, und die Aktion kommt bei ihnen gut an. Wir überlegen jedoch, ob wir beim nächsten Mal lieber abends eine Vorführung ohne andere Klassen besuchen."
Meinung
Dringend nötig
Dass Suchtprävention dringend nötig ist, zeigen die aktuellen Studien der BZGA. Suchtexperten, Polizei, Politik und Pädagogen sind mit ihrem Aufklärungs-Konzept auf einem richtigen Weg. Verstehen statt verbieten, das kommt bei den Jugendlichen an. Traurig nur, dass einige wenige Störenfriede für Frust sorgen. e.grosseastroth@volksfreund.de