Verteidiger und Staatsanwalt streiten über Zeugen

Trier · Der Prozess gegen einen 36-Jährigen aus Konz, dem vorgeworfen wird, mit sieben Kilo Cannabis gehandelt zu haben, ist gestern vor dem Landgericht Trier fortgesetzt worden. Staatsanwaltschaft und Verteidigung beurteilen die Glaubwürdigkeit der Zeugen nach wie vor unterschiedlich.

Trier. Haschisch oder Marihuana? Um die Antwort auf diese Frage dreht sich am zweiten Prozesstag alles, als Verteidiger Christoph Rühlmann einen Zollfahnder ins Kreuzverhör nimmt: "Als Sie mit einem der Hauptbelastungszeugen das erste Mal gesprochen haben, wurde über welche Droge gesprochen?" Als der Zollfahnder auf die Frage des Verteidigers mit den Achseln zuckt, hält Rühlmann ihm vor: "In ihrer Zeugenvernehmung schreiben sie ,Haschisch\'. Die Anklage wirft meinem Mandanten aber den Handel mit Marihuana vor."
Aus Sicht des Anwalts wieder ein Punkt, der Zweifel an der Glaubwürdigkeit eines der Belastungszeugen nährt. Und zum Zeugen sagt er: "Wenn Sie den Unterschied zwischen Marihuana und Haschisch nicht kennen, sind Sie unprofessionell."
Eine Aussage, die Staatsanwalt Wolfgang Barrot im Verhandlungssaal nicht stehenlassen will: "Ihnen steht es nicht zu, die Professionalität des Zeugen zu beurteilen. Ich sage ja auch nichts über die Qualität ihrer Verteidigung." Rühlmann kontert: "Natürlich steht es mir zu, festzustellen, ob Belastungszeugen von den Ermittlungsbehörden professionell vernommen wurden." Für den Angeklagten geht es um eine mehrjährige Freiheitsstrafe. Ihm wird vorgeworfen, mit rund sieben Kilogramm Cannabis und mehr als einem Kilogramm Amphetamin gehandelt zu haben (der TV berichtete). Bei dem Disput geht es um ein Geschäft mit zwei Kilogramm Marihuana. Deshalb versucht Rühlmann so oft wie möglich, die Kronzeugen (siehe Extra) als unglaubwürdig darzustellen. Und Teil dieser Strategie ist für ihn, vermeintliche Fehler bei der Vernehmung dieser Zeugen aufzudecken. Einen Teil der Vorwürfe räumt der Angeklagte gestern ein. Er gibt zu, dass er einem Bekannten wiederholt etwa 40 Gramm Amphetamin verkauft hat. Die in seiner Wohnung gefundenen Anabolika wollte er angeblich selbst schlucken. Besorgt hat er sich die Medikamente über das Internet.
Der nächste Verhandlungstermin ist am 20. Februar. itz
Extra

Paragraf 31 des Gesetzes über den Verkehr mit Betäubungsmitteln (BtMG) erlaubt es dem Gericht, die Strafe zu mildern oder von Strafe abzusehen, wenn der Täter den Behörden dabei hilft, Drogendelikte aufzudecken. Diese Kronzeugenregelung wird kritisiert, weil die Gefahr besteht, dass dieser Zeuge durch seine Angaben Unschuldige einem Strafverfahren aussetzt. itz

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