Vertröstet, abgewiesen, ignoriert: 81-Jährige wartet seit einem Monat auf Reparatur ihres Telefonanschlusses

Trier · Heidi Schweizer hängt bei ihren täglichen Anrufen mitunter mehr als eine Stunde in der Warteschleife der Service-Rufnummer. Immer wieder ist sie im Telekom-Laden gewesen. Trotzdem ist der Telefonanschluss ihrer Mutter seit Anfang Juli tot.

"Was die Telekom mit mir macht, ist himmelschreiend!" Cecilia Keil ist verzweifelt. Anfang Juli hat es einen Telefonkabelschaden in der Töpferstraße in Trier-Süd gegeben. Etwa 300 Haushalte hatten vorübergehend keinen Telefonanschluss. Schuld daran seien die vorausgegangenen Unwetter gewesen, teilt die Telekom auf Anfrage des TV mit.
Doch während die Störung bei allen anderen bis zum 21. Juli behoben wurde, blieben zwei Anschlüsse tot. Einer davon gehört Cecilia Keil. Bis heute kann die 81-Jährige nicht mit ihrem Festnetzanschluss telefonieren. "Ich bin seit 46 Jahren Kundin bei der Telekom. Sogar dieselbe Telefonnummer habe ich noch", erzählt Keil. Umso unverständlicher ist es für sie, dass bis heute niemand von der Telekom bei ihr war. Die herzkranke Frau fühlt sich im Stich gelassen.
"Ich höre schlecht. Mit dem Handy zu telefonieren ist für mich sehr schwierig", sagt sie. Und außerdem teuer: Ihre Handyrechnung ist im Juli auf 58 Euro gestiegen. "Meinen Sohn in Luxemburg rufe ich gar nicht mehr an, das kostet einfach zu viel", erklärt Keil. "Außerdem werden die Kinder immer sauer, weil ich am Handy nichts verstehe."
Ihre Tochter Heidi Schweizer belastet die Situation ebenfalls stark. Täglich probiert sie, über die Service-Nummer der Telekom endlich einen Techniker zu erreichen. Mehrfach war sie im Telekom-Laden in Trier, in der Hoffnung, dort endlich weiterzukommen. "Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich jetzt dort angerufen habe", erzählt sie. Oftmals hänge sie mehr als eine Stunde in der Warteschleife. "Und in dem Laden können sie einem auch nicht weiterhelfen. Die landen ja selbst immer bei dieser Service-Nummer", sagt Schweizer.
Besonders ärgert sie, dass immer wieder versucht werde, eine Ferndiagnose zu stellen: "Es muss endlich jemand in die Wohnung meiner Mutter kommen und die Buchse überprüfen." Insgesamt hat sie schon vier Termine vereinbart - die alle nicht wahrgenommen worden seien. "Ich habe extra meine Telefonnummer hinterlegt, damit man mich vorher anruft, weil meine Mutter ja so schlecht hört", erzählt Schweizer. Aber ihr Handy sei jedes Mal genauso still geblieben wie das Telefon ihrer Mutter.
"Mir fällt hier die Decke auf den Kopf, wenn ich tagelang auf diesen Techniker warte", sagt Keil. Zuletzt sollte am Samstag, 9. August, zwischen 12 und 16 Uhr ein Mitarbeiter der Telekom vorbeikommen. Doch wieder passierte nichts.
Die Telekom erklärt, beide offenen Aufträge in der Töpferstraße seien in Bearbeitung. Mit einem Kunden sei bereits ein Termin vereinbart.
Dass diese Vereinbarung aber noch lange nicht bedeutet, dass das Problem tatsächlich behoben wird, haben Keil und ihre Tochter in den vergangenen Wochen oft genug erlebt. "Ich habe den Eindruck, dass die da total überfordert sind", sagt Schweizer. Wenn die modernen Anschlüsse nicht so kompliziert wären, würde sie am liebsten die alten Werkzeuge ihres Vaters auspacken und selbst das Problem suchen. Denn Keils Mann war 20 Jahre Angestellter des Fernmeldeamts und zuständig für Telefonanschlüsse.
"Mein Mann würde sich im Grabe umdrehen, wenn er wüsste, was seine Nachfolger jetzt mit mir machen", seufzt Cecilia Keil. Für sie ist das Telefon die Verbindung zu ihren Kindern, die Rettung in Notfällen und der Kontakt nach außen. Sie möchte endlich wieder erreichbar sein und sich nicht von der Welt abgeschnitten fühlen.