Verurteilt wegen Kindesmissbrauchs

Verurteilt wegen Kindesmissbrauchs

Ein 37-jähriger Trierer ist wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines 13-jährigen Jungen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Der mehrfach vorbestrafte Angeklagte hatte ein Geständnis abgelegt.

Trier. Mit einer Stunde Verspätung beginnt die Verhandlung vor der Ersten Großen Jugendkammer des Landgerichts Trier. Grund ist eine sogenannte Verständigung (Deal) zwischen den Prozessbeteiligten hinter verschlossenen Türen (siehe Extra).Der Deal: Die Erste Große Strafkammer sichert dem Angeklagten im Fall eines Geständnisses einen Strafrahmen von zwei bis zweieinhalb Jahren zu. Vorsitzender Richter Albrecht Keimburg: "Ziel ist es, zu vermeiden, dass junge Zeugen vor Gericht zu derart intimen Sachverhalten vernommen werden müssen."Die Straftat: Am 22. September 2012 besucht der spätere Angeklagte eine Bekannte in deren Wohnung und übernachtet dort. Er trinkt Alkohol, hat zuvor auch Haschisch geraucht. Zum Fernsehen legt sich der 37-Jährige neben den 13-jährigen Sohn der Bekannten aufs Bett und missbraucht ihn sexuell. Ein Freund des Jungen ist ebenfalls im Zimmer, seine Mutter schläft in einem anderen Raum.Das Geständnis: Der Angeklagte sagt, dass er öfter auf den Jungen aufgepasst und in der Wohnung übernachtet habe. Zu Übergriffen sei es nie gekommen - bis zur Tatnacht: "Ich habe bisexuelle Neigungen und war an dem Abend stark angetrunken. Ich habe keine Abwehr von ihm gespürt. Ich habe gedacht: Er will das, und ich mach\' das. Ich habe damit mein Leben zerstört und anderen wehgetan."Der Lebenslauf: Der Angeklagte wächst mit drei Geschwistern bei einer alleinerziehenden Mutter auf. "Wir Jungs konnten machen, was wir wollten. Die strenge Hand hat gefehlt", erinnert sich der Trierer. Nach der achten Klasse verlässt er die Hauptschule. Eine Ausbildung bricht er vorzeitig ab, arbeitet als Helfer auf dem Bau. Eine Ehe scheitert, seine Tochter lebt bei seiner Ex-Frau. Der 37-Jährige häuft 30 000 Euro Schulden an und geht in Privatinsolvenz.Die Vorstrafen: Seit 1991 wird der Trierer immer wieder verurteilt, meist wegen Betrugs, Diebstahls und Drogenbesitzes. Er bekommt Geldstrafen, muss aber nie ins Gefängnis. Nach der Verhaftung im September verliert er Arbeit und Wohnung.Das Urteil: Zwei Jahre und drei Monate Freiheitsstrafe - damit folgt die Kammer den Anträgen von Staatsanwalt Stephane Parent, Opferanwältin Ruth Streit und Verteidigerin Martha Schwiering. Das Verfahren wegen eines weiteren, weniger schwerwiegenden Missbrauchs, den der Angeklagte bestreitet, wird im Rahmen der Verständigung eingestellt. Zum Abschluss warnt Richter Keimburg den 37-Jährigen: "Wenn der Verdacht sich später einmal erhärtet, dass Sie pädophil sind, dann sind Sie ein Kandidat für Führungsaufsicht oder Sicherungsverwahrung."Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.Weitere Gerichtsberichte untervolksfreund.de/gerichtExtra

Paragraf 257c der Strafprozessordnung regelt die Verständigung (Auszüge): "Das Gericht kann sich in geeigneten Fällen mit den Verfahrensbeteiligten (…) über den weiteren Fortgang und das Ergebnis des Verfahrens verständigen. Bestandteil jeder Verständigung soll ein Geständnis sein. Das Gericht gibt bekannt, welchen Inhalt die Verständigung haben könnte. Es kann dabei unter freier Würdigung aller Umstände des Falles (…) auch eine Ober- und Untergrenze der Strafe angeben. Die Verfahrensbeteiligten erhalten Gelegenheit zur Stellungnahme. Die Verständigung kommt zustande, wenn Angeklagter und Staatsanwaltschaft dem Vorschlag des Gerichtes zustimmen." cus

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