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Verwirren und irren in Venedig

Verwirren und irren in Venedig

TRIER. Komödie, Lustspiel, Liebesgeschichte. Alles trifft zu auf Carlo Goldonis "der Diener zweier Herren", einem "Stück zum Lachen", das dennoch eine Beinahe-Tragödie ist. Schüler der Freien Waldorfschule haben es unter der Regie von Maria Doro Brandt aufgeführt.

Örtlicher und zeitlicher Rahmen bildet das Venedig des 18. Jahrhunderts. Neben dem Bühnenbild, mit Blick vom Balkon aufs Wasser, sorgt insbesondere die musikalische Untermalung eines kleinen Ensembles, das ebenfalls von den Schülern der 8. Klasse besetzt ist, mit eigens arrangierten italienischen Volksliedern für venezianisches Ambiente.Vor diesem Hintergrund ereignet sich das Verwirr-Spiel, an dessen Anfang zunächst die Nöte der "Hochwohlgeborenen" stehen, deren herablassende Art dank der souveränen Darsteller zur vollen Geltung kommt.Nur wenige Schritte von der Erlösung entfernt

Als Federico Rasponi bei einem Streit durch einen Dolchstoß zu Tode kommt, reist seine Zwillingsschwester Beatrice Rasponi (Iris Rippinger) ihrem - des Mordes verdächtigten und bereits nach Venedig geflohenen - Verlobten Florindo (Shimon Barahona) in den Kleidern ihres Bruders hinterher und stiftet Verwirrung im Hause des Kaufmanns Pantalone (Benedict Gudrich).Dort hält man Federico Rasponi längst für tot und verlobt die ihm versprochene Clarice (Katharina Heinze), die Tochter Pantalones, mit Silvio.Truffaldino, zunächst nur Diener Beatrices, trifft auf Florindo und lässt sich von seinem Hunger und der Hoffnung auf bessere Bezahlung in den Dienst dieses zweiten Herren treiben. Von nun an ist er gezwungen, mehrere Aufträge gleichzeitig zu erledigen.Zu allem Überfluss wohnen Beatrice und Florindo, ohne davon zu wissen, im gleichen Gasthof, Tür an Tür, nur wenige Schritte von ihrer eigenen Erlösung entfernt, während Truffaldino von dieser Verbindung seiner beiden Herren nichts ahnt.Stattdessen irrt er, verwirrt dabei am meisten sich selbst und verstrickt sich schließlich in die eigenen Ungereimtheiten, indem er die Aufträge vertauscht, Briefe öffnet, sie mit zerkautem Brot zusammenklebt und sie dem Falschen aushändigt. Dieses Durcheinander kommt in den gewitzten Dialogen Goldonis zum Ausdruck, wird durch die einfallsreichen sprachlichen Nuancen der Darsteller unterstützt und dabei immer wieder auf die Spitze getrieben.Mit Charme und sympathischer Naivität

Zwar kommen bei diesem Wirrwarr auch Truffaldino gelegentlich Zweifel am Gelingen seines Unterfangens, dennoch ersetzt er weiterhin eine Lüge durch die andere und tut dies mit solchem Charme und einer derart sympathischen Naivität, dass ihm am Schluss niemand wirklich böse sein kann.Diese Rolle des schelmischen Narren im Harlekin-Kostüm füllt der 14-jährige Tobias Müller-Kluge mit einer überzeugend ausdrucksstarken Mimik.Am Ende aber finden alle zueinander. Truffaldino ist das erste Mal "sprachlos" und fliegt auf, verliert sein Spiel, gewinnt dafür aber Smeraldina (Beatrice Michels) und das Publikum.Stets scheint die Handlung kurz davor zu stehen, dem Strippenzieher Truffaldino (Tobias Müller-Kluge), Diener zweier Herren, zu entgleiten und gerade das ist es, dass die Spannung der Zuschauer im voll besetzten Balkensaal der Waldorfschule bis zur letzten Szene aufrecht erhält.