Verzweifelnde Kämpfe
Einen Blick auf das gesellschaftlich tabuisierte Thema "Borderline-Persönlichkeitsstörung" öffnen die gemeindepsychiatrischen Angebote (GPA) der Barmherzigen Brüder Schönfelderhof und die Berufsbildende Schule für Ernährung, Hauswirtschaft und Sozialpflege (EHS) mit der Ausstellung "borderline-borderland".
Trier. (ae) Der Schönfelderhof betreut einige junge Menschen im Alter von 17 bis 20 Jahren, die an der so genannten Borderline-Persönlichkeitsstörung leiden. Die EHS bildet Heilerziehungspfleger und Heilpädagogen aus, die mit solchen Patienten arbeiten werden. Nicht zuletzt deshalb haben sich beide Institutionen im Rahmen der von Bundesregierung und Wohlfahrtsverbänden zu Gunsten gesellschaftlicher Akzeptanz von Behinderungen aller Art initiierten "Teilhabetage 06/07" entschlossen, mit einem gemeinsamen Beitrag Aufmerksamkeit auf das weitgehend tabuisierte Thema zu lenken. "Wir haben uns um die bundesweit gezeigte Wanderausstellung ‚borderline-borderland' beworben, eine künstlerisch-biografische Aufarbeitung der Borderline-Störung von der selbst betroffenen Aachener Künstlerin Martina Schwarz", sagt Albert Mandler, Leiter der GPA. Der Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Mutterhauses, Dr. Alexander Marcus, erläuterte die erst seit 1980 unter dem Begriff "Borderline" (Grenzlinie) definierte Störung. Demnach zeigen Betroffene folgende Symptome: verzweifelter Kampf gegen Verlassenwerden, extreme Idealisierung oder Abwertung der Mitmenschen, Instabilität des Selbstbilds oder der Selbstwahrnehmung (viele verletzen sich, um sich zu spüren), selbstschädigende Impulsivität (Drogenmissbrauch, Fressanfälle, Verschwendungssucht), wiederholte Selbstmorddrohungen oder -versuche, heftige Reaktionen auf nichtige Anlässe, chronisches Gefühl der Leere, unangemessene heftige Wut, vorübergehend paranoide Vorstellungen bei Belastungen. All das manifestiere sich im jungen Erwachsenenalter (ab 16 Jahre) und betreffe überwiegend Frauen. Ursache seien genetische Veranlagungen, Auslöser können jedoch Kindheitstraumata wie Missbrauch, Vernachlässigung oder frühe Trennung von Bezugspersonen und tief greifende Entwertungserfahrungen sein. Die Ausstellung ist bis 22. Mai an Schultagen von 8 bis 16 Uhr in der Deutschherrenschule, Ausoniusstraße zu sehen.