Infrastruktur : Hier spielen nur die Wühlmäuse

Auf dem Sportplatz des VfB Lorscheid wird kein Fußball gekickt, aber Heu geerntet.

Der VfB Lorscheid wurde vor 13 Jahren gegründet. Er gehört damit zu den jüngsten Fußballvereinen weit und breit, aber auch zu denjenigen, bei denen es schon  mal sehr turbulent zugeht. Bereits die Geburtsstunde des Clubs im Jahr 2005 kam aufgrund von Querelen zustande: Bei der  Besetzung eines Trainerpostens kam es beim SV Farschweiler zum Bruch zwischen Vorstand und Spielern (der TV berichtete). Geschasste Spieler kamen beim neu gegründeten VfB Lorscheid unter. 2009 gingen der SV Farsch­weiler und der VfB Lorscheid eine Spielgemeinschaft ein, die aber 2013 aufgekündigt wurde. Interne Querelen beim SV Farschweiler nannte der VfB damals als Grund – einer sportlichen Misere folgte das Zerwürfnis neben dem Platz.

Nun ist der VfB wieder Dorfgespräch in Lorscheid. Denn auf dem 2006 neu errichteten Naturrasenplatz wird schon längst nicht mehr gekickt. Stattdessen hat ein Bauer im Sommer dort Heu gemacht. „Ist die Futterknappheit so groß?”, schrieb ein Bürger an unsere Zeitung. Einen mit Hilfe von Steuergeld erbauten Platz nach nur zwölf Jahren für die Gewinnung von Silage zu nutzen, könne nicht angehen. Der Bürger möchte nicht namentlich genannt werden, weil er befürchtet, im Dorf als Nestbeschmutzer beschimpft zu werden.

Der TV hat sich den Platz angesehen. Im Oktober lagen in der Tat Heuballen auf der benachbarten Wiese. Und das Fußballfeld ist erst von Nahem als solches zu identifizieren: Die Tore liegen in der Wiese, die Häuschen, in denen womöglich mal Trainer und Ersatzspieler saßen, werden mehr und mehr von Hecken überwuchert.

Dennis Longen, Vorsitzender des VfB Lorscheid, sagt, es gebe Probleme mit Wühlmäusen. Der Platz habe Löcher und Bodenwellen. Im Winter würden Mitglieder das Fußballfeld ausbessern. Eine Überarbeitung und Düngung im Frühjahr kündigt Ortsbürgermeisterin und VfB-Vorstandsmitglied Jutta Gard-Becker an. Die Nutzung des Grases als Silage sei einmalig und der diesjährigen Futterknappheit geschuldet.

Laut Longen handelt es sich in Lorscheid um einen Ausweich- und Trainingsplatz. Weil es keine Duschen und Umkleiden gebe, sei kein geregelter Spielbetrieb möglich. Der Platz stehe der „Jugend im Dorf” zur Verfügung. Doch die zieht es mehr auf den benachbarten Bolzplatz an der Grillhütte, wo es sogar aufrecht stehende Tore gibt. Selbst der VfB trägt seinen alljährlichen „Bratwurstburgercup”, ein Elfmeter-Turnier, auf dem Bolzplatz des örtlichen Heimat- und Verkehrsvereins aus.

Den Bau des rund 45 000 Euro teuren VfB-Platzes hat der Landessportbund mit 16 000 Euro und der Kreis mit 9100 Euro gefördert. 25 Jahre muss der Verein den Platz nutzen, andernfalls droht die Rück­zahlung der Fördergelder.

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