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Video: Reza Solimani erinnert mit Gitarrenmusik an Opfer der Amokfahrt in Trier

Gedenken : Gitarrenklänge gegen die Trauer nach der Amokfahrt in Trier (Video)

Reza Solimani ist ein Jugendfreund des Zahnarztes Georgios K., der bei der Amokfahrt vor einem Jahr zusammen mit seinem Baby getötet wurde. Seine Trauer verarbeitet der Trierer Musiker, der selbst gerade Vater geworden ist, mit virtuoser Gitarrenmusik.

Das Video beginnt mit Stille und Schwärze. Dann sind Glockenschläge zu hören, die an die Gedenkminute auf dem Viehmarktplatz am Tag nach der Amokfahrt in Trier vor einem Jahr erinnern. Dazu wird die Porta Nigra gezeigt, bevor Reza Solimani mit seinem virtuosen Gitarrenspiel beginnt.

„Ich habe eines der Opfer in meiner Kinder- und Jugendzeit in Hamburg gut gekannt“, sagt der 43-jährige Berufsmusiker im Gespräch mit unserer Redaktion zu seiner Motivation, ein Musikvideo zum Gedenken an den 1. Dezember 2020 zu veröffentlichen. Mit Georgios K., der an jenem Tag gemeinsam mit seiner erst neun Wochen alten Tochter aus dem Leben gerissen wurde, verband ihn der gemeinsame Sport. „Wir haben uns dann aus den Augen verloren und 2016 auf dem Trierer Hauptmarkt durch Zufall wieder getroffen.“

Georgios habe ihm von den vergangenen 20 Jahren erzählt, vom Studium der Medizin und Zahnmedizin. Musiker Solimani, 1978 in Teheran geboren, erzählte von Abitur, vom Zivildienst, dem Musikstudium zum Konzertgitarristen in Luxemburg und Darmstadt. Von den Jahren als Gitarrenlehrer an Musikschulen und schließlich freiberuflich. „Wir haben uns danach nicht oft gesehen“, sagt Reza Solimani. „Er hatte immer wenig Zeit. Aber als ich einige Tage nach der Amokfahrt erfahren habe, dass er und sein Kind Opfer sind, war das für mich unfassbar.“

Amokfahrt in Trier – Gedenken mit Gitarre

Georgios K. sei immer korrekt und geradlinig gewesen, fachlich gut und sehr aufgeschlossen zu seinen Patienten. „Er war nicht der Typ, der nur auf das Geld schaute.“ Normalerweise, versichert der Musiker, hätte er so ein Video nicht aufgenommen. „Aber das war alles so unwirklich, was da passiert ist.“ Es reifte die Idee, „einige angemessene Stücke“ aufzunehmen. Fantasia von Silvius Leopold Weiss, Präludien von Ponce. Musik, so glaubt er, die „zu der Sache“ passen könnte. 

Vor schwarzem Hintergrund ist Solimani in dem Video zu sehen. Immer wieder schwenkt die Kamera auf seine mit Leichtigkeit und Eleganz über die Saiten der Konzertgitarre streichenden Finger. Neun Minuten lang, fünf Stücke, dazwischen immer wieder Glockenschläge und Bilder von bekannten Bauwerken, die zwar in der Innenstadt von Trier stehen, aber nicht unmittelbar mit der Todesfahrt durch die Fußgängerzone in Verbindung gebracht werden können. Am Ende wieder schwarze Stille.

Julian Langer hat gemeinsam mit dem Musiker die Idee für das Video entwickelt. „Wir wollten keine Bilder von Gedenkorten zeigen“, sagt der Chef des Studios Concept20.de in der Ohmstraße im Trierer Norden. „Auch für mich war der 1. Dezember 2020 ein sehr spezieller Tag“, erinnert sich der 35-Jährige. „Wir waren mitten in einer Streaming-Produktion, als plötzlich eine schockierte Freundin in der Tür stand und von einem Terroranschlag in Trier gesprochen hat.“

Eines der Todesopfer, so sollte sich herausstellen, war eine Freundin von Langer. „Irgendwie sind wir in Trier doch alle nah an der Tat“, sagt er ein Jahr später. „Was hat das mit den Verletzten, deren Familien und den anderen Leuten gemacht?“  Einfache Antworten auf diese Frage wird er nicht bekommen. Dass es sich bei dem Video um keine kommerzielle Arbeit handele, sei gut, versichert er.

Damit spricht er auch eine Sorge an, die trotz aller guter Absichten Reza Solimani bewegt. „Ich mache das nicht, um mich zu profilieren oder Geld zu verdienen. Für mich ist das eine musikalische Verarbeitung der Dinge, die vor einem Jahr passiert sind. Solimani ist selbst seit wenigen Wochen Vater einer Tochter. Das Musikvideo ist auf YouTube kostenfrei abzurufen.