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(Video) Sparkasse Trier erhöht Bilanzsumme und hat mit Niedrigzinsphase zu kämpfen

(Video) Sparkasse Trier erhöht Bilanzsumme und hat mit Niedrigzinsphase zu kämpfen

Die Jahresbilanz 2016 der Sparkasse Trier fällt zwiespältig aus. Noch sind die Zahlen ordentlich, doch die Aussichten schwierig. Der Vorstand erklärt, wie er das Haus nach den Filialschließungen für die Zukunft aufstellen will.

Das Vorstandstrio der Sparkasse Trier wird an diesem Tag kurzfristig zum Duo: Peter Späth muss krankheitsbedingt passen. Vorsitzender Günther Passek und Martin Grünen teilen sich die Aufgabe, Zahlen und Strategie zu erläutern.
Die Großwetterlage: Passek sagt: "Erstmals sind die Effekte des Niedrigzinsumfelds spürbar. Beim Zinsüberschuss haben wir im Vergleich zum Vorjahr 5 Millionen Euro verloren." Dann wagt er einen Blick voraus: "Vor uns stehen Jahre extremer Belastungen mit außergewöhnlichen Auswirkungen auf die Ertragslage der Sparkasse Trier."
Das Geschäftsjahr: 2016 gelang es dem öffentlich-rechtlichen Kreditinstitut noch, maßgebliche Messzahlen leicht zu erhöhen oder auf konstantem Niveau zu halten. Die Bilanzsumme stieg um 175 Millionen auf 4,31 Milliarden Euro. Die Einlagen von Kunden nahmen sogar um vier Prozent auf 3,09 Milliarden Euro zu. Beim Kreditgeschäft kam der Sparkasse der anhaltende Wohnungsbauboom zugute, während Kommunen weniger Kredite nachfragten. Das Betriebsergebnis insgesamt ist rückläufig. Mit dem Überschuss von 8,5 Millionen Euro nach Steuern wird das Eigenkapital aufgestockt.
Das Filialnetz: Wie im Frühsommer 2016 angekündigt, schloss die Sparkasse Ende September 23 Filialen in der Stadt Trier und im Kreis Trier-Saarburg - trotz diverser Proteste (der TV berichtete). Das Angebot eines privaten Anbieters, an Standorten wie Trier-Biewer, Konz-Roscheid oder Züsch ersatzweise Bankautomaten aufzustellen, kam nicht zum Tragen. Passek: "Zu den verlangten Konditionen hätten wir dort auch eigene Automaten betreiben können." Derzeit sei die Sparkasse in "aussichtsreichen Gesprächen", um einen neuen Standort für die angekündigte Zusammenlegung der beiden bestehenden Filialen in Trier-West und Trier-Euren zu finden. Das greife aber voraussichtlich erst 2018. Filialschließungen seien darüber hinaus keine geplant.
Die Mitarbeiter: Zu betriebsbedingten Kündigungen kam es nicht. Zur weiteren Reduzierung der Mitarbeiterzahl (von 934 auf 920 im Jahr 2016) werde die "natürliche Fluktuation" genutzt. ??Die Förderung: 2015 förderten, spendeten und sponserten die Sparkasse und ihre Stiftungen noch im Umfang von gut 3 Millionen Euro in der Region. 2016 sank diese Summe deutlich auf 2,4 Millionen Euro. "Auch die Stiftungen leiden unter dem Zinsniveau. Wir machen das, was wir uns leisten können", beschreibt Passek die Marschroute.
Die Innovationen: Vorstandsmitglied Martin Grünen bestätigt den Trend zur Digitalisierung: "Von insgesamt 127?000 privaten Girokonten werden inzwischen mehr als 91?000 online geführt. Im Sommer haben wir unsere neue Internet-Filiale eröffnet." Dort seien viele Dienstleistungen möglich, unter anderem auch mit einer Legitimation über Video. Um die Betriebssicherheit zu erhöhen, kämen neue technische Lösungen zum Einsatz.
Der Ausblick: "Die Finanzwelt steht nach wie vor auf dünnem Eis", warnt Passek. Um die Sparkasse zukunftsfähig zu machen, will der Vorstand: Qualität und Service bieten, digitale Zugangswege ausbauen, Kosten senken, schlanke Strukturen schaffen und Mitarbeiter bestmöglich fördern.

MEINUNG
Das ist erst der Anfang
Jahrelang, jahrzehntelang waren Banken und Sparkassen daran gewöhnt, immer neue Rekorde zu vermelden. Doch die fetten Zeiten sind vorbei, der Spaßfaktor bei der Vorstellung der Geschäftsergebnisse lässt nach. Der Abwärtstrend in der Branche macht vor der Sparkasse Trier keinen Halt. Wobei der Vorstand vermutlich froh wäre, wenn er in einem Jahr wieder ähnlich ordentliche Zahlen verkünden dürfte wie diesmal immerhin noch möglich.
Das beispiellose Schließen von 23 Filialen auf einen Schlag war eine verzweifelte Maßnahme, um gegenzusteuern. Ein solcher Rückzug aus der Fläche war aus der Not geboren, befördert durch den Trend zum Online-Banking. Das Abschmelzen der großzügigen Förderung von Kultur, Bildung, Sport und Umwelt ist ein weiteres Indiz. Die Herausforderung besteht darin, bei sinkenden Erlösen mit weniger Personal in weniger Filialen weiterhin konkurrenzfähige Qualität und Service zu bieten.