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(Video) Streetfood-Market Trier: Burger wenden im Sekundentakt

(Video) Streetfood-Market Trier: Burger wenden im Sekundentakt

Mehr als 10 000 Menschen haben am Wochenende den Trierer Streetfood-Market besucht. Mit diesem Andrang haben weder Veranstalter noch Standbetreiber gerechnet. Die Straßenköche freuen sich über höhere Einnahmen, haben aber auch Stress.

Trier. Jens Knappe wischt sich den Schweiß von der Stirn. Dann drückt er das Rindfleisch platt und wendet die Frikadellen. Der Geruch von Schmorzwiebeln und gegrilltem Fleisch liegt in der Luft. Mehr als 20 Burger braten auf dem Rost. Wegen des Rauches muss Knappe die Augen zusammenkneifen.
Vor der Imbissbude hat sich eine Schlange gebildet. Knappe und seine Kollegen arbeiten im Sekundentakt: Bulette formen, Bulette wenden. Denn wenn die Besucher zu lange warten müssen, ziehen sie weiter zum nächsten Stand.

Gleiches Team, neue Stände



Beim Streetfood-Market haben die Gäste die Auswahl zwischen 31 verschiedenen Essenswagen und Imbissbuden. Das Angebot auf dem Gelände der Europäischen Kunstakademie in Trier-West reicht vom veganen Dinkelsalat bis zum XXL-Burger, von der schwäbischen Maultasche bis zur japanischen Teigtasche. Die Betreiber der Stände mussten zum Teil hunderte Kilometer zurücklegen, um zum Markt nach Trier zu kommen. Berlin, Hamburg, Stuttgart - sie stammen vor allem aus den deutschen Großstädten. Jens Knappe ist zusammen mit seinem Surf&Turf-Burgerstand "Fisch Art" sogar aus Kopenhagen angereist.

"Viele der Standbetreiber sind mittlerweile so etwas wie Nomaden geworden", sagt Ali Haidar, einer der Veranstalter des Streetfood-Markets. "Sie ziehen von Markt zu Markt und bieten dort ihre Produkte an."
Überall in Deutschland gibt es mittlerweile Veranstaltungen dieser Art - im vergangenen Jahr ist der Trend auch in Trier angekommen. Damals organisierte der gelernte Koch Haidar zusammen mit Steve Trappen und dem Fotografen "Der Belichta" den ersten Street-Food-Market auf dem Innenhof des Exzellenzhauses. Es folgten gemeinsame Veranstaltungen wie der Miez Kiez und der Kraft Kiez. Das Team ist gleich geblieben, aber es hat sich trotzdem einiges geändert: zum einen der Standort, zum anderen die Stände. In diesem Jahr sind es nicht nur zehn Wagen und Imbissbuden mehr als im vergangenen Jahr - es sind auch 15 Straßenköche dabei, die ihre Gerichte noch nicht in Trier serviert haben.
Ein Hauch von Festival


"Wir haben vor allem darauf geachtet, dass es genügend Auswahl gibt", sagt Haidar. Denn im vergangenen Jahr hätten sich Besucher darüber beschwert, dass der Großteil der Stände Burger angeboten habe. Davon gibt es zwar auch dieses Mal einige, aber die Gäste können auch exotische Speisen ausprobieren, wie in Teig frittiertes Eis oder einen Schokoladen-Kebab.

Neben diesen kulinarischen Spezialitäten warten die Veranstalter in diesem Jahr auch mit einem kulturellen Programm auf: Grafittikünstler verzieren vor den Augen der Besucher Wände. In der nahegelegenen Skatehalle zeigen bekannte BMX-Sportler und Skateboarder ihr Können, während Reaggea und Hip-Hop aus den Boxen dröhnt. Unterstützt wird das Team um Ali Haidar dabei unter anderem von Axel Reichertz Projekt X und dem Treffpunkt am Weidengraben.

Bei den meisten Besuchern scheint dieses Programm jedenfalls gut anzukommen. "Mir gefällt es super hier", sagt Peter Hoffmann. Der Trierer besucht den Streetfood-Market mit seiner Familie: "Hier herrscht eine Atmosphäre wie auf einem Musikfestival- im positiven Sinne."
Straßenköche am Limit

Wer einen Burger will, muss teilweise lange in der Warteschlange stehen. Foto: (h_st )
Solche handgemachten Burger machen Streetfood-Fans Appetit. Foto: (h_st )


Ein Problem bleibt aber auch in diesem Jahr weiter bestehen: die langen Wartezeiten. Wer einen Hotdog oder eine Pizza will, muss zum Teil 20 Minuten Schlange stehen. Der Sonnenschein lockt am Wochenende tausende Besucher aus der ganzen Region nach Trier-West. "Mit dem Wetter hatten wir Glück. Bei Regen hätte es hier ganz anders ausgesehen", ist sich Haidar sicher. Der Veranstalter freut sich, dass er mit seinem Markt die Besucherzahlen aus dem vergangenen Jahr deutlich übertreffen konnte. Schon Freitag und Samstag bummeln bei drei Euro Eintritt nach Angaben der Veranstalter Tausende von Menschen von Stand zu Stand. Der finale Sonntag ist ebenfalls stark besucht, sodass die Gesamtzahl auf mehr als 10 000 steigt.
Für die Straßenköche, die ihre Wagen oder Buden meist zu zweit oder dritt betreiben, bedeutet das zwar hohe Einnahmen, aber auch eine Menge Stress. "Die Leute hier arbeiten am Limit", sagt Haidar. Und auch die Essens-Reserven sind nicht unbegrenzt. Viele Köche streichen Gerichte von der Speisekarte, weil ihnen die Zutaten ausgehen.
Kurz vor 15 Uhr muss der erste Stand ganz schließen - die Piroggen sind aus. Wer keine mehr bekommen hat, wird aber vielleicht im Sommer wieder die Chance erhalten, eine der polnischen Teigtaschen zu ergattern. Denn Haidar plant schon den nächsten Streetfood-Market. Ein Datum steht allerdings noch nicht fest.