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(Video) Zurlaubener Ufer in Trier ist wieder stabil

Trier. Weil der Deich am Zurlaubener Ufer einem Hochwasser nicht mehr standhalten könnte, hat ihn das Land mit einer unterirdischen Mauer verstärkt. Die Stadt nimmt diese Baustelle zum Anlass, das Ufer zu verschönern. Bis April verändert sich der Bereich deutlich. Benedikt Laubert

Schmatzend quillt die lehmige Erde um die drei Stahlbohrer nach oben, die sich dicht nebeneinander sechs Meter in den Grund des Deichs am Zurlaubener Ufer fressen. Tief unter der Erde verbindet sich der Zement, den die Maschine dabei in den Boden spritzt, mit der Erde. Das Gemisch verhärtet zu einer Mauer, die aus unzähligen aneinandergereihten Säulen besteht. Kein Mensch wird diese fast fertige unterirdische Mauer in ihrer Gänze sehen - aber sie ist das Herzstück des Bauprojekts am Zurlaubener Ufer, das die Innenstadt vor künftigen Hochwassern schützen soll.

Hochwasserschutz: Die Mauer im Deich leistet, was das Bauwerk alleine nicht mehr schafft. Das bislang im Deich verbaute organische Material verfault mit der Zeit. Das knappe Dutzend Bäume, das auf der Deichkrone stand, hat den Boden mit seinen Wurzeln aufgelockert, so dass der Damm die Stadt nicht mehr lange vor Hochwasser schützen kann. Sie mussten den Bauarbeiten im November weichen. Jeder Baum wird aber in diesem Jahr durch vier neue ersetzt.

Doch wenn schon einmal gebuddelt wird, dann richtig: Die Baustelle am Deich nehmen Stadt, Land und Stadtwerke zum Anlass, auch Lampen, Wege und Leitungen zwischen Jugendherberge und Kaiser-Willhelm-Brücke zu erneuern.?

Tempo 30 für ein Jahr: Dass rund ums Zurlaubener Ufer gebaut wird, dürften die meisten Trierer vor allem an der 30er-Zone spüren, die derzeit rund um die Baustelleneinfahrt am Kabinenbahngelände in der Ascoli-Piceno-Straße eingerichtet ist. Die neue Geschwindigkeitsbegrenzung, an die sich übrigens kaum ein Autofahrer hält, soll laut Stadt bis Anfang 2018 gelten, wenn das Gesamtprojekt laut Plan beendet ist. ?

Das ändert sich außerdem: Auf dem Damm stehen bereits neue Straßenlaternen mit LED-Lampen, der für die Baustelle entfernte Radweg auf dem Deich wird breiter wiederangelegt. Einige Terrassen der Gastronomie wurden für die Zeit des Projekts abgebaut. Am Gefälle Richtung Mosel entsteht im Verlauf dieses Jahres eine Panoramatreppe, die auch als Sitzplatz im Sommer dienen soll.
Zwischen Deich und Mosel graben die Bauarbeiter derzeit eine tiefe Rinne, in die Betonklötze gesetzt werden. "Diese sollen den Damm gegen ein Abrutschen Richtung Ufer sichern", sagt Alexander Hammel, Projektleiter für die Deichsanierung. Einige der Betonklötze werden 80 Zentimeter aus dem Boden ragen und als Fundament für Sitzbänke dienen, so Hammel.

Verzögerungen: Davon gab es nach Stadtangaben bisher keine. Auch die geplanten Ausgaben in Höhe von fünf Millionen Euro - 90 Prozent zahlt das Land, zehn Prozent die Stadt - werden wohl nicht überschritten.
Zwar stelle der Bau für die Anwohner eine Beeinträchtigung dar, sagt Christian Bösen (CDU), Ortsvorsteher von Trier-Nord. Er verweist aber auf die Chancen, die sich für den Stadtteil ergeben: Der Bereich am Ufer erhalte durch die Neugestaltung des Damms und die Panoramatreppe nun ein "adäquates Erscheinungsbild".

Die Gastronomie: Karl Schmelzer, Inhaber des am Zurlaubener Ufer gelegenen Paulaner Brauhauses und des Restaurants Bagatelle, sagt zwar, dass zurzeit einige Gäste wegen der Baustelle fernbleiben. "Aber ich setze darauf, dass der Bereich um die Zurlaubener Gastronomie bis zur Terrassensaison Ende April fertig ist", sagt er. Das hatte die Stadt zu Beginn des Bauprojekts versprochen, und nach derzeitigem Stand scheint das laut Verwaltung auch zu klappen.