Viel Applaus für Bernhard Vogel

Viel Applaus für Bernhard Vogel

Zum politischen Aschermittwoch hat die CDU aus Stadt und Kreis für vergangenen Freitag geladen. Die rund 120 Gäste kamen nicht nur in den kulinarischen Genuss von Heringen und Speckkartoffeln, sondern auch einer einnehmenden Rede des Ex-Ministerpräsidenten Bernhard Vogel.

Trier. Zum "traditionellen Aschermittwoch am Ascherfreitag", begrüßte der Trierer CDU-Chef Bernhard Kaster gut 120 CDUler im Keller des Palais Kesselstatt. Dass die Traditionsveranstaltung zwei Tage Verspätung hatte, war dem Ehrengast Bernhard Vogel geschuldet. Der ist nämlich nicht nur Ex-Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, sondern auch von Thüringen und hatte dort am "echten" Aschermittwoch bereits einen CDU-Kreisverband beehrt.

"Rückblick in die Zukunft: Deutschland im Jahr Zwanzig-Zehn" ist der Abend in Trier ein wenig kryptisch, aber flott überschrieben. "Wir feiern das Jubiläum der deutschen Einheit", sagt Kaster. Aber es gäbe auch ein trauriges Jubiläum: "In Mainz regiert seit 20 Jahren die SPD, das müssen wir bei der Landtagswahl 2011 ändern." Polizei, Schulen, riesiger Verwaltungsapparat - an allen Ecken im Land rumore es. "In Mainz braucht es jemand, der die Fenster öffnet und den Mief rauslässt", leitet Kaster zur Spitzenkandidatin Julia Klöckner über, die am kommenden Freitag in der Europahalle ihr Stelldichein in Trier gibt und damit den Wahlkampf einläuten dürfte.

Wie man Zuhörer für sich einnimmt, weiß Bernhard Vogel ganz genau: "Rheinland-Pfalz geht mir nicht aus den Kleidern", sagt der Träger des Trierer Oswald-von-Nell-Breuning-Preises und rheinland-pfälzischer Ministerpräsident von 1976 bis 1988. Dafür, dass Trier die "heimliche Hauptstadt" von Rheinland-Pfalz sei, erntet er den ersten von vielen Zwischenapplausen während seiner gut einstündigen Rede. Doch der Politik-Professor kann viel mehr als einschmeicheln: Dynamisch auf den Zehenspitzen wippend, die Brille von der Nase genommen, holt der 77-Jährige zu einer einnehmenden Rede aus. Mutmachen will er mit seinem großen Bogen von der deutschen Wiedervereinigung bis zur Politik der schwarz-gelben Bundesregierung. "Besser, Ihr trefft zehn Entscheidungen und davon zwei falsche als dass Ihr gar keine trefft": Dieser Appell habe nicht nur in Zeiten der Wiedervereinigung gegolten, sondern auch heute. Das Wachstumsbeschleunigungsgesetz der Bundesregierung sei denn auch zu "acht Zehnteln" richtig - zum Beispiel die Erhöhung von Kindergeld und -freibetrag. Und zur "falschen Entscheidung", die Mehrwertsteuer für Hoteliers zu senken, sei die CDU von der FDP, der man noch "eine gewisse Anlaufzeit" in der Regierung einräumen müsse, gezwungen worden. Zur aktuellen Hartz-IV-Debatte greift Vogel auf eine Kindheitserinnerung zurück. "Wenn der Zirkus in die Stadt kam, dann bestaunten wir die Hochseil-Artisten. Stürzte einer, fiel er in ein sicheres, starkes Netz. Dass er dort allerdings bis zum Ende der Vorstellung gemütlich liegen blieb, kam nie vor."

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