Viel mehr Kultur im Schießgraben in Trier: Hier soll das Exhaus einziehen

Kostenpflichtiger Inhalt: Sanierungsprojekte : Viel mehr Kultur im Schießgraben in Trier: Hier soll das Exhaus einziehen

Wenn alles gut läuft, werden die Ersatzspielorte für das Kultur- und Jugendzentrum Exhaus im Sommer 2020 zur Verfügung stehen. Wenn der Stadtrat den Grundsatzbeschluss fasst.

Die Pläne für den Einzug des Jugend- und Kulturzentrums Exhaus in zwei historische Gebäude nahe den Berufsbildenden Schulen am Schießgraben nehmen Gestalt an. Der neue Trierer Stadtrat soll in seiner ersten Arbeitssitzung am Donnerstag, 29. August, den Grundsatzbeschluss fassen, das einst zum Deutschherrenorden gehörende Ensemble zu renovieren und als Ersatz für die beiden Veranstaltungsräume des wegen Baufälligkeit geschlossenen Gebäudes an der Zurmaiener Straße herzurichten.

Im Sozialausschuss hat Architekt Jürgen Eckstein vom Amt für Gebäudewirtschaft am Dienstagabend erstmals die Pläne für den Umbau öffentlich vorgestellt. Zwar gab es wegen der für die Stadtratsmitglieder zu kurzfristigen Information keine Abstimmung. Das Wohlwollen der Fraktionen wurde aber auch ohne diesen formalen Akt deutlich. „Die beiden Gebäude Ökonomie und Orangerie passen fast eins zu eins zu den Bedürfnissen des Exhauses“, ist Architekt Eckstein überzeugt. „Die Villa Wuller kann bleiben. Das wird funktionieren.“

Die Ökonomie, das größere der beiden unter Denkmalschutz stehenden Gebäude, wird nach den aktuellen Plänen als Ersatz für den Veranstaltungskeller des Exhauses, das „große Exil“, genutzt. Der Veranstaltungsraum ist Voraussetzung für die Jugendkulturarbeit der Einrichtung, die ohne die Einnahmequelle durch Konzerte eingestellt werden müsste. Die Räumlichkeiten des Clubs Villa Wuller sind von den Umbauplänen nicht betroffen und werden weiterhin über einen eigenen Zugang verfügen.

Die kleinere Orangerie soll Ersatz für das „kleine Exil“ werden. In dem Gebäude, dessen Dach komplett erneuert werden muss, werden neben einem kleineren Veranstaltungsraum auch Übernachtungsmöglichkeiten für Bands, Duschen und eine Küche unterkommen. Das Gebäude soll möglicherweise auch als Jugendcafé genutzt werden. Für den geplanten gemeinsamen Innenhof der beiden Gebäude fallen einige Parkplätze auf dem Gelände weg. Benötigt wird der Platz für sanitäre Einrichtungen, Lagermöglichkeiten und die Technik, zum Beispiel die Belüftungsanlage. Diese soll ebenso wie die Kühlanlagen später in das renovierte Exhaus übernommen werden, sofern der Stadtrat auch das auf den Weg bringt. Zur Wohnbebauung ist eine Schallschutzwand geplant.

Es bleibt die Frage nach den Kosten. Nach den Schätzungen des Amtes für Gebäudewirtschaft könnten Sanierung und Umbau der Gebäude insgesamt etwa 1,4 Millionen Euro kosten. Genau feststehen wird der Betrag allerdings erst, wenn in der sogenannten Hauptuntersuchung (HU) Bau alle Details untersucht und realistisch eingeschätzt worden sind. Dann entscheidet der Stadtrat noch einmal. „Es kann 30 Prozent teurer, aber auch günstiger werden“, sagt dazu Architekt Jürgen Eckstein. Teuerste Einzelmaßnahme (350 000 Euro) ist nach seiner Aufstellung der Neubau des Orangerie-Dachs. „Die Dachkonstruktion ist nach dem Zweiten Weltkrieg so saniert worden, dass im Grunde kein Balken mehr trägt“, macht Eckstein deutlich. Ähnlich wie beim Exhaus in der Zurmaiener Straße müsse das Mauerwerk mit einem Ringanker stabilisiert werden. Die insgesamt etwa 900 000 Euro teure Sanierung der Orangerie sei aber auch deshalb sinnvoll, weil „eine Nachfolgenutzung problemlos möglich ist“.

In der freien Kulturszene kommen die Pläne für den Ersatzstandort der Exhaus-Veranstaltungsräume gut an. Sascha Timplan, stellvertretender Vorsitzender des Kulturvereins Villa Wuller, hatte sich bereits im April positiv geäußert: „Die Villa Wuller bekommt in naher Zukunft neue Nachbarn, wir könnten uns keine besseren wünschen.“

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