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Viel Trierer Literatur in einem Band

Viel Trierer Literatur in einem Band

Der Leiter der Stadtbibliothek und des Stadtarchivs Trier, Michael Embach, hat den Nachfolgeband seines Werks zur Literatur Triers im Mittelalter vorgestellt. Er umfasst den Zeitraum von etwa 1350 bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts. Neben bekannten Autoren erscheinen auch Namen, die ein Schattendasein fristen.

Wer glaubt, vor Eifel-Literaturfestival und Saar-Hunsrück-Literaturtagen sei Trier ein weißer Fleck in Sachen Literatur gewesen, irrt gewaltig. Deutlich wurde dies in einem "kleinen, kompakten Überblick" in sechs Schritten, den Professor Michael Embach bei der Präsentation des zweiten Bands seiner Literaturgeschichte der Stadt Trier im Lesesaal der Stadtbibliothek gab. Der Band beleuchtet die Trierer Literatur in der Neuzeit. Der erste, der sich mit mittelalterlichen Schriften beschäftigt, war 2007 erschienen.
Die Epoche des Humanismus ist in Trier einerseits von der Universität, andererseits von konfessionellen Streitereien geprägt, was sich in den literarischen Erscheinungen widerspiegelt. Im Barock spielten die Hexenverfolgungen eine zentrale Rolle in der Literatur. Der bekannteste Gegner war mit seiner Schrift "Cautio criminalis" Friedrich Spee. Dass er jedoch mit seinen lyrischen Werken auch einen bedeutenden Beitrag zu dieser Literaturgattung geleistet hat, ist eher unbekannt. Als Befürworter machte sich der Trierer Weihbischof und theologische Schriftsteller Petrus Binsfeld einen eher zweifelhaften Namen mit seinem 1591 erschienenen "Tractat Von Bekanntnuß der Zauberer und Hexen". Doch was wäre der Barock ohne die schönen Dinge des Lebens: Der als Novize bei den Jesuiten nach Trier gekommene Jakob Masen entwickelte sich zum "Lessing des Jesuitentheaters". Und zu einer Zeit, als in Trier Yoga und Qi Gong noch unbekannt gewesen sein dürften, erschien bereits das erste Meditationsbuch für Frauen. Dass Paradiesvögel in Trier schon immer einen schweren Stand hatten, zeigt das Beispiel des Juristen Johann Philipp Praetorius. Er gab in der Zeit der Aufklärung die erste Trierer Tageszeitung heraus, war Opernlibrettist und scheute sich nicht vor sozialkritischen Äußerungen.
Moselreisen stehen im Zentrum der Romantik. 1818 erscheint die erste literarische Darstellung von Adam Storck. Das 19. Jahrhundert ist geprägt von der preußischen Herrschaft in Trier, die eine strenge Pressezensur verfolgt und mit der katholischen Kirche im Clinch liegt. Und schließlich hatte Trier neben Clara Viebig, die "die Eifel für die Literatur entdeckte", auch einen Karl May: Der Reise- und Abenteuerschriftsteller Joseph Matheus Velter begab sich literarisch von der Wüste Gobi über die russische Taiga bis ins Outback Australiens. Hinweise auf Literatur über Trier, zum Beispiel von Jean Paul Sartre oder Alfred Andersch, sowie über jüdische Autoren und Autorinnen runden die präzise und mit Bildpräsentationen ergänzte Übersicht ab. mabi
Michael Embach: Trierer Literaturgeschichte, Bd. 2: Die Neuzeit, Trier, Verlag für Geschichte und Kultur 2015, ca. 400 Seiten, 47,50 Euro.