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Viel zu wenig Barrierefreiheit!

Viel zu wenig Barrierefreiheit!

Behindertenvertreter aus Trier und dem Kreis schlagen Alarm: "Es herrscht akuter Mangel an barrierefreien Wohnungen." Sie berufen sich dabei auf die Ergebnisse ihrer Umfrage unter Wohnraumanbietern. Das Resultat: "Erschreckend!"

Trier. Das Ergebnis der Umfrage des Trierer Behindertenbeirats unter Wohnraum-Anbietern ist nicht wirklich repräsentativ. Dazu war die Teilnahme an der Erhebung zu gering. Auf freiwilliger Basis mitgemacht haben die Wohnungsbau- und Treuhand AG (gbt), die Bau- und Vermietungsgenossenschaft Trier (BVT), die Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft Trier 1922 (Gewoge), die Baugenossenschaft der Eisenbahnbediensteten sowie die Genossenschaften Pfalzel und Am Beutelweg, also keine kommerziellen Anbieter.
Dennoch sieht sich die Trierer Behindertenbeauftragte Nancy Poser "in schlimmen Befürchtungen bestätigt": Dass es zu wenig barrierefreien Wohnraum gibt, war vorher klar. Aber das Ausmaß, das sich nun abzeichnet, ist erschreckend."
Laut Umfrageergebnis verfügen die Genossen- und Gesellschaften zusammen über 268 behindertengerechte Wohnungen - vier Prozent ihres Gesamtbestandes von 6760 Wohnungen, und die sind auch nur zum Teil tatsächlich an Behinderte vermietet. In Trier (105 600 Einwohner, 70 000 Haushalte) leben nach amtlichen Angaben 13 185 schwer behinderte Menschen, knapp die Hälfte davon Gehbehinderte. Daraus folgert Nancy Poser: "Die Anzahl fehlender barrierefreier oder -armer Wohnungen liegt im hohen dreistelligen Bereich - mindestens."
Weiteres "alarmierendes Ergebnis" der Befragung: Lediglich zwei kleinere Genossenschaften (Beutelweg, Eisenbahner) wollen weiteren Wohnraum für Behinderte schaffen. Mit dieser Absicht zieht nun auch die Gewoge nach (TV-Donnerstagausgabe).
Eine wesentliche Ursache des Mangels an Wohnraum für Menschen, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, sieht Behindertenbeiratsmitglied Michael Bohl in einem weit verbreiteten Irrglauben: "Es wäre in vielen Wohnungen relativ einfach, Barrieren verschwinden zu lassen. Aber das wird gerne mit hohen Kosten in Verbindung gebracht - völlig zu Unrecht." Oftmals sei der Einbau einer ebenerdigen Dusche mit Mitteln der Pflegeversicherung (bis zu 2557 Euro Zuschuss zur Wohnumfeldverbesserung im Haus) möglich.Mainz in der Pflicht


Wie kann mehr Wohnraum für Menschen mit Handicap geschaffen werden? Bohl, Nancy Poser und der Konzer Behindertenbeauftragte Peter Musti sehen da vor allem das Land in der Pflicht: Förderprogramme müssten überarbeitet werden, um potenziellen Investoren Anreize zu bieten. Städte und Gemeinden könnten per Bauleitplanung die Schaffung von barrierefreien Mietwohnungen begünstigen.
Auf seiner Internetseite, die voraussichtlich im September online geht, will der Behindertenbeirat der Stadt Trier eine Plattform für Wohnungssuchende und Vermieter bieten.
Sprechstunden des Beirats sind an jedem ersten Mittwoch des Monats von 14 bis 16 Uhr im Zimmer 14 im Erdgeschoss des Rathauses am Augustinerhof.Meinung

Was OB Jensen tun kann
Der Trierer, der seit einem Schlaganfall im Rollstuhl sitzt und von Nachbarn aus der Wohnung in der zweiten Etage nach unten getragen werden muss, ist ebenso wenig ein Einzelfall wie die junge Konzer Rollstuhlfahrerin, die aus dem ersten Obergeschoss die Treppenstufen einzeln hinunterrutscht. Beide gehören zu den wohl weit mehr als 1000 behinderten Trierern und Trier-Saarburgern, die mit nicht-barrierefreien Wohnungen klarkommen müssen. Der Mangel an adäquatem Wohnraum hat viele Ursachen. Eine davon lässt sich vielleicht relativ einfach beheben: Die Wohnungsbau- und Treuhand AG (gbt) ist Triers größter Wohnraumanbieter und die Stadt mit knapp 38 Prozent Anteil zweitgrößte Aktionärin. Da kann OB Klaus Jensen als Aufsichtsrats-Vizechef bei künftigen Weichenstellungen des Unternehmens seinen Einfluss geltend machen. Jensen kennt das Thema: Er war in den 1990er Jahren Landesbehindertenbeauftragter. r.morgen@volksfreund.deExtra

Als barrierefrei gelten Wohnungen, die von Menschen mit Behinderung und von Senioren in derselben Weise erreicht und genutzt werden können wie von Menschen ohne Handicap. Barrierearme Wohnungen unterstützen die ganze Familie in allen Alters- und Lebenslagen: Sie haben schwellenlose und breite Türen, komfortable Sanitäranlagen und möglichst ein gutes Beleuchtungskonzept. rm.